Jetzt wird das Flugzeug zum Taxi Die Uber-Flieger

Mitflugzentralen sind in Deutschland und Frankreich der letzte Schrei. Die Gründer von Wingly und Flyt Club wollen Privatflüge jetzt auch in der Schweiz für jedermann erschwinglich machen.

Stewardessen und Service gibt es in den Maschinen zwar nicht, dafür auch keine langen Wartezeigen vor dem Flug. play

Stewardessen und Service gibt es in den Maschinen zwar nicht, dafür auch keine langen Wartezeigen vor dem Flug.

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Ein Tagesausflug mit dem Zug ins Tessin – das lohnt sich fast nicht, weder zeitlich noch finanziell. Aber was, wenn man ein Flugzeug mieten könnte und dabei sogar noch Geld spart? Mitflugzentralen wie Wingly und Flyt Club machen es möglich – mit wenigen Klicks.

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Lars Klein, Mitgründer von Wingly. ZVG

Auf Wingly sind über 150 Schweizer Piloten registriert. Beim Konkurrenzunternehmen Flyt Club sind es 35. Die Zahlen nehmen stetig zu. Das System funktioniert ähnlich wie bei Mitfahrzentralen: Ein Pilot, der bei einem Flug noch freie Plätze hat, vergibt sie an Interessenten – Pilot und Passagiere tragen die Kosten zu gleichen Teilen. So können sich Privatflieger das teure Hobby eher leisten – und ihre Gäste kommen für wenig Geld in den Genuss eines Privatflugs. «Viele Piloten ­besitzen kein eigenes Flugzeug und chartern eine Maschine», erklärt Marcus Loffhagen (28), einer der Gründer von Flyt Club.

Natürlich sitzt man nicht in einem Jet mit Stewardessen, sondern in kleinen Propellermaschinen neben dem Piloten im Cockpit – auf etwa 2000 Metern, einer Höhe, in der man sogar das Fenster offen lassen könnte. Wer will, folgt über Kopfhörer den Anweisungen der Fluglotsen.

Kein langes Warten, keine strikten Kontrollen

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Marcus Loffhagen, Mitgründer von Flyt Club. ZVG

Schon vor dem Flug ist ­alles ein wenig anders als gewohnt. Die Website nennt für jeden Piloten die Anzahl absolvierter Flugstunden und Bewertungen seiner Passagiere. Entweder macht man einen eigenen «Flugvorschlag» oder bucht sich auf bereits geplanten Flügen ein.

Zum vereinbarten Termin genügt es, kurz vor dem Start am Flugplatz zu sein, auch lange Schlangen bei der Gepäckkontrolle entfallen. Bei Privatflügen sind sogar Flüssigkeiten an Bord erlaubt.

Ob die Maschine aber wirklich abhebt, hängt stark vom Wetter ab – ungünstig für Geschäfts- und Ferienreisende mit festen Terminen. Wird der Flug abgesagt, erhält man den Preis komplett zurückerstattet. Nach den Erfahrungen von Wingly bucht die Mehrheit der Passagiere Rundflüge, aber auch kurze Streckenflüge sind beliebt. Bis zu fünf Passagiere dürfen die Piloten befördern. Wer sich allerdings wie ein VIP fühlen und im Privatjet fliegen möchte, wird enttäuscht sein: Flyt Club und Wingly bieten nur Propellermaschinen an.

Wie viels kostet, erfährt man erst danach

Ihre Lizenz verbietet es Privatpiloten, Gewinn zu erzielen. Deshalb kontrollieren die Mitflugzentralen bei diesen «Selbstkostenflügen» den Kostenaufwand und vergleichen ihn mit den Ticketpreisen. Der ­effektive Preis steht deshalb erst nach dem Flug fest. Urs Holderegger vom Bundesamt für Zivilluftfahrt: «Wer trotzdem Profit herausschlägt, muss mit einer Busse rechnen. Jedoch sind keine solche Verfahren bei uns hängig.»

Die Voraussetzungen für Piloten sind bei Wing­ly und Flyt Club gleich. Sie sind verpflichtet, einen Ausweis, die Pilotenlizenz sowie ein medizinisches Flugtüchtigkeitszeugnis vorzulegen; sämtliche Risiken für Flugzeug und Insassen müssen durch eine Haftpflichtversicherung abgedeckt sein. Während Wing­ly diese Dokumente von den Piloten bei der Registrierung verlangt, genügt es Flyt Club, wenn sie für den Besitz der Unterlagen garantieren.

Publiziert am 13.11.2016 | Aktualisiert am 08.12.2016
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2 Kommentare
  • Peter  Weber aus Zürich
    14.11.2016
    Das sind ja wohl nicht direkt Lufttaxis, sondern eher Mitfluggelegenheiten bei Privat-Piloten die eh ihre Pflichtflugstunden für den Lizenzerhalt finanzieren möchten. Ist doch kein Problem! Wäre auch eine gute Idee für unsere chronisch unterforderte Airforce
  • Peter  Leo 14.11.2016
    Die Lotterie ist eröffnet. Hobbypiloten dürfen Linienpilotlis spielen. Irgendwer setzt sich in irgendeine Maschine, die irgendwem gehört, geflogen von irgendwem. Wo bleibt da wohl die Sicherheit? Wenn einige Hobbypiloten die Verkehrsvorschriften der Luft so gut kennen wie Gelegenheitsautofahrer am Boden, wohl bekomms.