Banken Jetzt geht der Bonus-Wahnsinn wieder los

  • Publiziert: 18.01.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH/NEW YORK – Als hätte es die Finanzkrise nie gegeben: Die Banken sorgen mit ihren Boni wieder für Empörung.

Unglaublich: In den ersten neun Monaten des letzten Jahres haben die grössten US-Banken 112 Milliarden Dollar für Boni und Gehälter zurückgelegt. Und bis Ende Jahr sind weitere Milliarden dazugekommen.

Damit zeichnet sich ab: Die Bonuszahlungen für die Leistungen im letzten Jahr könnten sogar das Rekordjahr 2007 übertreffen. Damals bezahlten dieselben Banken 163,7 Milliarden.

CS kann frei schalten und walten

Auch die beiden Schweizer Grossbanken mischen beim Bonus-Reigen wieder kräftig mit. Bei der Credit Suisse ist in den ersten drei Quartalen des Jahres 2009 ein Gewinn von 5,9 Milliarden Franken zusammengekommen. Das verspricht einen fetten Bonustopf. Die Kapitaldecke der CS ist so stark, da kann sich auch die Bankenaufsicht Finma nicht einmischen.

Nicht so bei der UBS. Dort will die Bank trotz einem Verlust im letzten Jahr Boni in der Höhe von 4 Milliarden zahlen. Doch laut «SonntagsZeitung» findet die Finma, 3 Milliarden seien genug. Die Bankenaufsicht kann sich einschalten, wenn die Bonuszahlungen die Kapitaldecke einer Bank zu sehr belasten.

Banker wehren sich gegen Einmischung


Die horrenden Bonuszahlungen kurz nach dem drohenden Kollaps des ganzen Bankensystems und den Staatshilfen stossen auf empörtes Unverständnis. Doch die Bemühungen der Politik, dem erneuten Boni-Wahnsinn entgegenzutreten, laufen bis jetzt ins Leere.

  • England/Frankreich: Die beiden Regierungen wollen die Boni mit einer Steuer von 50 Prozent belegen. Die Banken wollen die Steuer umgehen, indem sie die Fixlöhne anheben und die verbleibende Steuer für die Mitarbeiter übernehmen. Zudem drohen Banken und Mitarbeiter mit einem Exodus.
  • Deutschland: Die Regierung will dem Beispiel von England und Frankreich nicht folgen. Geplant ist aber, dass die Bankaufsicht Bafin in Zukunft Bonuszahlungen verbieten können soll, wenn sie die finanzielle Stabilität einer Bank bedrohen.
  • USA: Barak Obama will von den grössten Banken eine Strafsteuer einfordern. Sie soll die Banken dazu animieren, ihre Bilanzen und damit ihre Risiken zu verkleinern.
  • Schweiz: Die Schweizer Banken wären sowohl von den Steuern in England und Frankreich wie auch von den Plänen Obamas betroffen. Vorschläge einzelner Parlamentarier, auch in der Schweiz ein neues Modell zu diskutieren, verpufften bis jetzt mehr oder weniger ungehört.

Riesiges Chaos


An den letzten beiden Treffen der G20, der Organisation der grössten Industrie- und Entwicklungsländer, waren die Bonuszahlungen ein heiss diskutiertes Thema. Dabei wurde auch die Wichtigkeit betont, dieses Thema international zu koordinieren.

Die Situation präsentiert sich jetzt ganz anders: Die Banken sind schneller zu Rekordboni zurückgekehrt, als das irgendjemand vermutet hätte. Und jedes Land hat ein eigenes Rezept, wie damit umgegangen werden soll. Oder gar keines. Wie die Schweiz. (pft)

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