Jammern auf hohem Niveau: Jetzt erwischt es auch die Bosse

  • Publiziert: 13.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Guido Schätti und Roman Seiler

In New York steht mit Lehman Brothers die zweite Investmentbank vor dem Aus. Tausende von Mitarbeitern verlieren ihren Job – und ihr Vermögen.

New York, vergangenen Freitag: Am Hauptsitz der Investmentbank Lehman Brothers schepperte «You Shook Me All Night Long» der Rockband AC/DC aus Lautsprechern durch die Büros.

Auch die Mitarbeiter selber wurden durchgeschüttelt. Morgen verlieren Tausende ihren Job. Denn dann ist das Geldhaus wohl Geschichte (siehe Grafik).

Das Management hat sich unter der Führung von Richard S. Fuld Jr. (62) mit US-Ramschhypotheken verspekuliert. Nun verlieren nicht nur die Aktionäre praktisch ihr ganzes Investment. Auch Fuld und seine 24000 Mitarbeiter setzten fast ihr ganzes bei der Bank angehäuftes Vermögen in den Sand. Denn den grössten Teil ihrer riesigen Saläre liessen sie sich in Aktien auszahlen.

Boss Fuld ist heute für seine Verhältnisse ein armer Schlucker: Während seiner Karriere bei Lehman addierte sich der Wert seiner Aktien auf 754 Millionen Dollar. Das war im März 2007. Nun sind Fulds Papiere gerade noch 40 Millionen wert: ein Buchverlust von 95 Prozent. Seine im Juni gefeuerte Nummer zwei, Joseph Gregory (56), verlor seit Januar 380 Millionen. Der Buchverlust aller Lehman-Mitarbeiter beläuft sich auf 10 Milliarden Dollar.

Damit trifft Fuld das gleiche Schicksal wie Bear-Stearns-Chef James E. Cayne (73). Die US-Investmentbank wurde im März über Nacht an die Konkurrentin JP Morgan verscherbelt. Mit staatlicher Milliardenhilfe konnte der Bankrott der Bank und damit der Kollaps des internationalen Bankensystems ganz knapp vermieden werden. Blake verkaufte seine Nonvaleurs für 61 Millionen. Monate zuvor war er noch beinahe ein Milliardär.

Auch die UBS-Chefs erlitten wegen des 45-Milliarden-Abschreibers ihrer Bank einen Buchverlust in dreistelliger Millionenhöhe. Die Aktien des abgetretenen Präsidenten Marcel Ospel (58) waren 2007 noch 55 Millionen Franken wert, heute sind es 18.

play -714 Mio$ Richard Fuld besitzt 2,4 Prozent der Aktien seiner Investmentbank. (AP)

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