Jetzt auch noch Syngenta Chinesen kaufen die Schweiz

Mit einem Mega-Deal über 43,7 Milliarden Franken will sich ChemChina Syngenta sichern. Dass Chinesen in der Schweiz Firmen kaufen, ist kein Einzelfall.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Ikea hat es rausgefunden So leben die Schweizer
2 Da staunt Lidl Ausgerechnet Migros geht gegen Icetea-Kopie vor
3 Ab September im Einsatz Hier kommt der Roboter-Pöstler

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
4 shares
61 Kommentare
Fehler
Melden

Es ist der grösste Einkauf einer chinesischen Firma im Ausland: ChemChina bietet 43,7 Milliarden Franken für den Agrochemiekonzern Syngenta. Der Verwaltungsrat von Syngenta empfiehlt den Aktionären einstimmig, das Angebot für 480 Franken pro Aktie anzunehmen.

Mit Syngenta geht nicht die erste Schweizer Firma an ChemChina. Sie hält neu 12 Prozent am Genfer Rohstoffhändler Mercuria. Das freut Marco Dunand (54) und Daniel Jäggi (55): Laut der «NZZ» waren die Mercuria-Gründer drei Jahre lang auf der Suche nach einem Investor. Das Warten hat sich gelohnt: Branchenkennern zufolge hat der Deal mehrere hundert Millionen Euro in die Kassen des Konzerns gespült. 

Kein Einzelfall in der Schweiz

Es ist nicht das erste Mal, dass Chinesen in der Schweiz investieren. 2015 ist die frühere Swissair-Tochter Swissport von der HNA Group übernommen worden. Preis: 2,73 Milliarden Franken!

Auch der Sportrechte-Vermarkter Infront ist in chinesischen Händen. Der Mischkonzern Dalian Wanda hat über 1 Milliarde Euro dafür hingeblättert. 

Bei den Chinesen hoch im Kurs sind Hotels. So hat der chinesische Investor Yunfeng Gao das Hotel Palace in Luzern der Credit Suisse abgekauft. Gao ist in der Zentralschweiz kein unbekannter. Auf Melchsee-Frutt hat er bereits in zwei Hotels investiert. Und in Engelberg plant er ein Hotelprojekt für 100 Millionen Franken.

Aus in die Ausbildung investieren Chinesen in der Schweiz: Im Oktober 2015 verkaufte Gründer Peter Lorange die Horgner Business-Schule «Lorange Institute of Business Zurich» für 16,5 Millionen Franken an die chinesische Elite-Schule China Europe International Business School. Seit kurzem gehen hier monatlich bis zu 200 Manager aus China für Weiterbildungen ein und aus.

Seit über sieben Jahren ist der chinesische Mobilfunkriese Huawei mit Sitz in Dübendorf in der Schweiz ansässig. 2010 übernahm China Petrochemical die Genfer Ölfirma Addax– ein Milliarden-Deal. In chinesischem Besitz sind ebenfalls die Swissmetal-Werke, das Textilgeschäft von OC Oerlikon oder die Uhrenschmiede Eterna.

Ausverkauf Schweizer Firmen geht weiter

Und chinesische Unternehmen werden weiter Schweizer Unternehmen aufs Einkaufszetteli schreiben. Denn sie beabsichtigen jetzt, neue Geschäftsbereiche mit höhermargigen Produkten aufzubauen und so das Niveau der chinesischen Wirtschaft auf ein höheres Niveau zu hieven, erklärt Yi Sun, Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei Ernst & Young.

«Eine wichtige Säule dieser Strategie sind Akquisitionen ausländischer Anbieter von Premium-Produkten.»

Auch in Europa sind Chinesen auf Einkaufstour

Aber China beschränkt seine Einkaufstour nicht nur auf die Schweiz: 2015 erwarben sie 179 Unternehmen in Europa. Das sind etwa zehn Prozent mehr als im Vorjahr und fast doppelt so viel wie noch 2010. 2005 gingen nur 34 Unternehmen in chinesische Hände.

Oben auf der Einkaufsliste chinesischer Investoren standen das zweite Jahr in Folge mit 36 Zukäufen deutsche Unternehmen. In der Schweiz waren es im selben Zeitraum sechs – eine Akquisition mehr als im Vorjahr und doppelt so viele wie 2012. So viele Schweizer Unternehmen wie 2015 wurden noch nie von Chinesen gekauft.

Chinesen stehen erst in den Startlöchern

Der Taucher der chinesischen Börsen würgt den Kaufrausch nicht ab. «Gerade jetzt wird klar, dass die chinesische Volkswirtschaft weiter modernisiert werden muss – Akquisitionen ausländischer Unternehmen stehen dabei ganz oben auf der Agenda.»

Sun rechnet damit, dass sich viele börsennotierte Unternehmen auf Übernahmeangebote aus China einstellen könnten. «Die Chinesen stehen in den Startlöchern.»

Publiziert am 03.02.2016 | Aktualisiert am 16.07.2016
teilen
teilen
4 shares
61 Kommentare
Fehler
Melden

61 Kommentare
  • Rolf  Albisser aus Merlischachen
    04.02.2016
    Seien wir doch froh, dass "man" Herr Bundesrat Schneider-Ammann bestätigt hat, dass keine Stellen in der Schweiz abgebaut werden sollen.
    Dieser Schneider-Ammann ist doch "en Siebesich" oder??? Was dem alles bestätigt wird.........
  • Therese  Schenk 03.02.2016
    Die endlosen Diskussionen betreffend erlernen einer 2. Landessprache erledigt sich wohl bald von selbst. CHINESISCH wird es sein (müssen) !!!
    • Dracomir  Pires aus Bern
      03.02.2016
      Nein, auch die Chinesen werden ENGLISCH sprechen (müssen).
  • markus  gut aus Bern
    03.02.2016
    Es sind nicht die Chinesen die die Schweiz kaufen. Es sind die Schweizer die die Schweiz VERKAUFEN.
  • Erwin  Huber 03.02.2016
    Wer schreit den ständig nach ausländischen Investitionen, ohne auch nur ansatzweise begriffen zu haben, dass sich Exportüberschuss und Nettokapitalzufluss gegenseitig ausschliessen? Die Schweiz muss attraktiv sein für ausländische Investoren, so jedenfalls lautet das Mantra der bürgerlichen Schwachsinnspolitik.
  • Franz  Defago aus Dietlikon
    03.02.2016
    Der Titel ist falsch.
    Müsste heissen " Schweizer verkaufen die Schweiz."
    • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
      03.02.2016
      Ist absolut richtig. Wenn ich daran denke, was Blocher und Ebner mit dem Kraftwerk der Lonza vor Jahren machten..... Lonza hatte ein eigenes Kraftwerk, mit dem Zweck, billigeren Strom für das eigene Werk zu produzieren. Blocher und Ebner verkauften dieses Kraftwerk mit grossem Gewinn für beide nach Deutschland. Folge: die Energiekosten von Lonza stiegen trotz anderweitiger Versprechungen massivst an, Personal musste entlassen werden, die Arbeitslosenversicherung durfte zahlen.