UBS-Präsident Marcel Ospel über die letzten 48 Stunden «Ja, ich wollte zurücktreten»

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Interview: Roman Seiler und Marc Walder

Trotz Rücktrittsgedanken: Marcel Ospel respektiert, dass ihn der UBS-Verwaltungsrat zum Weitermachen auffordert.

Herr Ospel, Sie haben angekündigt, im Frühjahr 2008 zurückzutreten. Das glauben wir Ihnen nicht ...
Marcel Ospel: Das ist Ihr Problem. Nicht meines.

Wer die Absicht hat, zurückzutreten, spürt meist eine gewisse Amtsmüdigkeit …
Überhaupt nicht.

Eben. Und so jemand will im Alter von 58 Jahren aufhören?
Ja, ich wollte zurücktreten. Wie jeder Grosskonzern haben wir Nachfolgeplanungs-Zyklen. Vor über einem Jahr sagte ich dem Verwaltungsrat, die Zeit sei allmählich reif für einen Wechsel der Führungsgeneration. Damals schlug ich vor, dass mich Peter Wuffli 2008 als Präsident ablöst und Marcel Rohner CEO wird.

Nun ist alles anders. Was war da los?
Wer Präsident sein soll, muss der Verwaltungsrat entscheiden. Er sieht die automatische Ämternachfolge nicht als zwingend an. Also hat er beschlossen, das Präsidium nicht zu verändern, aber dafür die Konzernleitung. Deshalb haben mich die Verwaltungsratsmitglieder gefragt, ob ich bereit sei, meinen Entscheid zu überdenken. Das habe ich getan und mich entschlossen, zu bleiben.

Das bedeutet eine grosse Anerkennung für Sie. Aber auch eine Niederlage: Peter Wuffli wurde nicht, wie von Ihnen vorgeschlagen, Ihr Nachfolger.
Das ist keine Niederlage. Wenn der Verwaltungsrat bei einem Sachgeschäft gegen den Präsidenten entscheidet, dann ist das sicherlich ein gröberes Problem. Aber in diesem Fall war meine Person mit Gegenstand des Entscheids und ich damit in einem Interessenkonflikt. Nach einem Moment der Reflexion war für mich klar: Der Verwaltungsrat hat einen realistischen Entscheid getroffen.

Welche Pläne hatten Sie denn für den Fall, dass Sie zurücktreten?
Sicher nicht den Garten zu pflegen oder Golf zu spielen. Nur, meine Pläne sind vom Tisch. Daher müssen wir nicht darüber reden.

Sie haben lange mit Peter Wuffli zusammengearbeitet. Haben Sie ihm diese Entscheidung erklärt?
Ja, natürlich. Der Verwaltungsrat hat sich vorige Woche in Valencia mit diesem Thema ein letztes Mal auseinandergesetzt. Ich habe mich danach mit Peter Wuffli abgesprochen und wir haben die vertraglichen Details seines Rücktritts zusammen ausgearbeitet.

Es wird spekuliert, Peter Wuffli habe Druck gemacht, um den Präsidentenstuhl zu besetzen.
Es gab keinen Druck! Der Verwaltungsrat hat unabhängig um die aus seiner Sicht beste Lösung gerungen. Das haben wir zu akzeptieren. Das ist gute Unternehmensführung.

Peter Wuffli ist also nicht zurückgetreten, weil Sie sich zu stark ins operative Geschäft eingemischt haben?
Dazu gab es keine Veranlassung. Wir haben keine solchen Probleme in unserem Unternehmen. Unsere Corporate Governance lässt sich zeigen. Sie gehört weltweit zu den modernsten und ist völlig transparent. Früher bestand der Eindruck, dass ich mich zu stark in operative Belange eingemischt hätte. Nur: Dieser Eindruck war schon damals falsch.

Marcel Rohner ist erst 42 Jahre alt. Was qualifiziert ihn für den Chefjob der grossen UBS?
Peter Wuffli und ich waren auch ungefähr in seinem Alter, als wir diese Funktion übernommen haben. Aufgrund seiner Persönlichkeit und seiner fachlichen Autorität ist Marcel Rohner bestens vorbereitet für diese Aufgabe. Er arbeitete lange in der Investmentbank. Als ehemaliger Chef der Risikokontrolle kennt er das Geschäft in- und auswendig. Danach führte er jahrelang sehr erfolgreich unseren wichtigsten Bereich, die Vermögensverwaltung.

Was wird er besser machen als Peter Wuffli?
Peter Wufflis Beiträge zum Erfolg der UBS sind unbestritten. Marcel Rohner ist eine andere Persönlichkeit. Das bedeutet nicht, dass der eine besser ist als der andere.

Auch Sie stehen stärker unter Druck. Der Aktienkurs der UBS stagniert seit etwa einem Jahr.
Wir stehen immer unter Druck, laufend Mehrwert zu schaffen. Nicht nur für unsere Kunden und die Mitarbeiter, sondern auch für unsere Aktionäre. Das ist uns in den vergangenen sieben Jahren überdurchschnittlich gut gelungen. Das heisst nicht, dass wir uns ausruhen dürfen.

Die Schweiz beschäftigt auch der grossartige Sieg von Alinghi. Das ist Ihr Boot. Wie haben Sie das erlebt?
Mit Stolz und viel Genugtuung darüber, dass wir vor rund sechs Jahren mit Ernesto Bertarelli den richtigen Entscheid getroffen haben. Er kam nach Basel, um mir seine Pläne zu zeigen. Ich hatte damals keine grosse Ahnung, was der America’s Cup ist. Wir überzeugten uns von der Attraktivität und stiegen als Alinghi-Partner ein.

Bleibt die UBS Sponsorin?
Wir sind dabei, darüber zu verhandeln.

Sie unterstützten vor vier Jahren vehement die Wahl von Christoph Blocher und Hans-Rudolf Merz in den Bundesrat. Was ist Ihre Botschaft für die kommende Wahl?
Wieder Persönlichkeiten zu wählen, die den Willen und die Fähigkeit haben, mit starker Hand das Politgeschäft und die Verwaltung zu führen. Damit wird Wohlstand geschaffen – wie in der letzten Legislatur.

Wem trauen Sie das zu?
Den meisten heutigen Bundesrätinnen und -räten. Aber nicht allen.

Persönlich

Marcel Ospel (57) wuchs in Basel auf. Nach einer Banklehre und dem Abschluss der Höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschule arbeitete er ab 1977 für den Schweizerischen Bankverein. Nach Tätigkeiten in London und New York (USA) kehrte er 1987 zum Bankverein zurück. 1996 wurde er Präsident der Konzernleitung. Nach der Fusion des Bankvereins mit der Bankgesellschaft übernahm er 1997 die operative Leitung der neuen UBS. 2001 erfolgte die Wahl zum Verwaltungsratspräsidenten. Ospel lebt in Wollerau SZ mit seiner Ehefrau, der Unternehmerin Adriana Bodmer (32).

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