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Klingelboard an einem Ferienhaus in Celerina, auch Piccolo Milano genannt: Italiener haben ihre Namensschilder entfernt.
Aufruhr im Engadin: Italienische Gäste reisen nicht mehr an. Oder geben weniger aus. Aus Angst vor ihren Steuerbehörden, die sogar durch St. Moritz kurven.
Celerina GR, das pittoreske Nachbardorf von St. Moritz, gilt als «Piccolo Milano». Seit Jahrzehnten flüchten Lombarden, unter anderem aus Mailand, vor der Sommerhitze ins Hochtal mit dem «Champagnerklima». Im Winter fahren sie im Engadin Ski.
Nun entfernen sie den Namen von den Klingelschildern ihrer Feriendomizile. Gemäss Einheimischen passiert das auch in Surlej, wo sich die Talstation der Corvatschbahn befindet. Die Eigentümer fürchten sich davor, dass italienische Steuerfahnder auf ihre Ferienwohnungen oder -villen aufmerksam werden. Insbesondere dann, wenn das von ihnen versteuerte Einkommen nie und nimmer dazu ausreicht, um sich einen solchen Feriensitz leisten zu können.
Italienische Zöllner filzen Grenzgänger
Die Ängste haben einen guten Grund: Beamte beim Zollübergang am Malojapass, bei Castasegna, filzen regelmässig Grenzgänger, die in Engadiner Hotels tätig sind. Ihr Verdacht: Sie könnten als Kuriere Bargeld für Steuersünder schmuggeln. Zudem sollen am Zoll Kameras installiert sein, welche Italiener
in teuren Schlitten aufnehmen. Fahnder sollen deren Fahrer aus Italien sogar auf Schweizer Boden verfolgen. Entweder bis vors Hotel, in dem sie absteigen – oder vor ihr Eigenheim. Besitzer von Feriendomizilen seien plötzlich von den Steuerbehörden kontaktiert worden, sagen Bündner.
Die Rede ist nicht nur von verdeckten Fahndern. Gegenüber SonntagsBlick sagte ein nicht genannt sein wollender Touristiker, er habe in St. Moritz sogar zwei Autos der Guardia di Finanza gesehen. Wohlverstanden deren offizielle Fiats mit der grellen gelben Aufschrift! Einheimische, die dies beobachtet hatten, beschwerten sich beim Gemeindepräsidenten.
«Die Problematik ist mir bekannt», bestätigt Sigi Asprion. «Wir lassen jetzt juristisch abklären, ob das überhaupt zulässig ist. Wir wollen wissen, was wir unternehmen können, wenn italienische Steuerfahnder im Engadin in flagranti ertappt würden.» Urs Hartmann von der Steuerverwaltung Graubündens sagt: «Angehörige der Guardia di Finanza dürfen auf Schweizer Staatsboden keine Amtshandlungen vornehmen.»
Die Engadiner sind wegen diesen Vorkommnissen beunruhigt. Denn früher gönnten sich die vermögenden Italiener gern mal was im Engadin. Heute ziehen sie sich ins Schneckenhaus zurück, sagen Einheimische. Die Italiener seien verunsichert, so Gemeindepräsident Asprion. «Treue Stammgäste schildern uns, sie müssten wegen ihrer Steuerbehörden vorsichtig sein und könnten daher weniger Geld ausgeben.» Andere fahren weniger ins Engadin – oder kommen gar nicht mehr. Selbst solche, die ein Feriendomizil besitzen.
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