Verdeckte Fahnder in St. Moritz Italienische Steuerpolizei jagt Italiener im Engadin

  • Publiziert: 16.09.2012
  • Von Roman Seiler
play Klingelboard an einem Ferienhaus in Celerina, auch Piccolo Milano genannt: Italiener haben ihre Namensschilder entfernt.

Aufruhr im Engadin: Italienische Gäste reisen nicht mehr an. Oder geben weniger aus. Aus Angst vor ihren Steuerbehörden, die sogar durch St. Moritz kurven.

Celerina GR, das pittoreske Nachbardorf von St. Moritz, gilt als «Piccolo Milano». Seit Jahrzehnten flüchten Lombarden, unter anderem aus Mailand, vor der Sommerhitze ins Hochtal mit dem «Champagner­klima». Im Winter fahren sie im Engadin Ski.

Nun entfernen sie den Namen von den Klingelschildern ihrer Feriendomizile. Gemäss Einheimischen passiert das auch in Surlej, wo sich die Talstation der Corvatschbahn befindet. Die Eigentümer fürchten sich davor, dass italienische Steuerfahnder auf ihre Ferienwohnungen oder -villen aufmerksam werden. Insbesondere dann, wenn das von ihnen versteuerte Einkommen nie und nimmer dazu ausreicht, um sich einen solchen Feriensitz leisten zu können.

Italienische Zöllner filzen Grenzgänger

Die Ängste haben einen guten Grund: Beamte beim Zollübergang am Malojapass, bei Castasegna, filzen regelmässig Grenzgänger, die in Engadiner Hotels tätig sind. Ihr Verdacht: Sie könnten als Kuriere Bargeld für Steuersünder schmuggeln. Zudem sollen am Zoll Kameras installiert sein, welche Italiener

in teuren Schlitten aufnehmen. Fahnder sollen deren Fahrer aus Italien sogar auf Schweizer Boden verfolgen. Entweder bis vors Hotel, in dem sie absteigen – oder vor ihr Eigenheim. Besitzer von Feriendomi­zilen seien plötzlich von den Steuerbehörden kontaktiert worden, sagen Bündner.

Die Rede ist nicht nur von verdeckten Fahndern. Gegenüber SonntagsBlick sagte ein nicht genannt sein wollender Touristiker, er habe in St. Moritz sogar zwei Autos der Guardia di Finanza gesehen. Wohlverstanden deren ­offizielle Fiats mit der grellen gelben Aufschrift! Einheimische, die dies beobachtet hatten, beschwerten sich beim Gemeindepräsidenten.

«Die Problematik ist mir bekannt», bestätigt Sigi Asprion. «Wir lassen jetzt juristisch abklären, ob das überhaupt zulässig ist. Wir wollen wissen, was wir unternehmen können, wenn italienische Steuerfahnder im ­Engadin in flagranti ertappt würden.» Urs Hartmann von der Steuer­verwaltung Graubündens sagt: «Angehörige der Guardia di Finanza dürfen auf Schweizer Staatsboden keine Amtshandlungen vornehmen.»

Die Engadiner sind wegen diesen Vorkommnissen beunruhigt. Denn früher gönnten sich die vermögenden Italiener gern mal was im Engadin. Heute ziehen sie sich ins Schneckenhaus zurück, sagen Einheimische. Die Italiener seien verunsichert, so Gemeindepräsident Asprion. «Treue Stammgäste schildern uns, sie müssten wegen ihrer Steuerbehörden vorsichtig sein und könnten daher weniger Geld ausgeben.» Andere fahren weniger ins En­gadin – oder kommen gar nicht mehr. Selbst solche, die ein Feriendomizil besitzen.

Beliebteste Kommentare

  • Michi  Beck
    Erstaunlich & eigentlich noch mega dreist. Da verhalten sich die nördlichen Nachbarn ja richtig zahm dagegen.
  • Ruedi  Minder , Bösingen , via Facebook
    Der italienische Staat hat schon das Gefühl, er könne die CH-Gesetze ignorieren. Wenn ihr ein Auto der Guardia di Finanza seht, nehmt die Fahrer in Gewahrsam, so muss dann der ital. Staat auf den Knien daherkommen und sich bei der CH entschuldigen. Frage, wieso will Marccione Fiat-Fabriken in Italien schliessen und anderswo auf der Welt die Produktion ausbauen? Der Staat mischt sich zu stark in die Unternehmen ein, genau wie in Frankreich auch. Und geht es Italien, Frankreich, Spanien etwa besser als Deutschland.
    Es ist wie ein Bumerang, wenn man es beherscht, kommt das Ding immer zurück.

Alle Kommentare (30)

  • Markus  Eigenheer
    Viele wissen nicht was da so in die CH verschoben wird.Wenn wir 10 fr zuviel an den Steuern abziehen bekommen wir probleme werden gebüsst usw. Hie geht es aber um Milionenbeträge die vom Italienischen Fiskus in der Schweiz versteckt werden. Es kann ja nicht sein wenn ein Italiener eine Villa in St.Moritz hat, einen Ferrari fährt,eine Jacht in Monaco, aber laut Steuererklährung bekommt Er Sozialhilfe in Italien?
  • Markus  Koch , Rupperswil , via Facebook
    Mit welchem Recht, darf eine fremde Staatsmacht ungehindert in unser Land eindringen?
  • Nick  Schaefer
    Wenn natürlich die Bündner Hotellerie sich gerne als Hehler italienischer Krimineller betätigt, dann ist die Empörung gerechtfertigt.
    Andernfalls wäre es dringend, den italienischen Steuerkriminellen das Handwerk zu legen.
    Das in St. Moritz sind ja nicht die armen kleinen Leute aus Italien, die ein paar hundert Euro am Fiskus vorbeibringen als Weihnachtsgeld. Hier geht es um Multimillionäre, also Riesenbetrüger und Schwerkriminelle. Diejenigen, die den italienischen Staat ausbluten und in diese Krise getrieben haben. Dass wir Schweizer, oder wenigstens die Bündner, auch noch davon profitieren wollen - pervers.
    • Dani  Ritz , TG
      Ich bin absolut ihrer Meinung
      • 16.09.2012
      • als Kommentar auf Nick  Schaefer
      • 40
      • 24
  • Hans  Häberli , via Facebook
    Warum werden die Fahrzeuge der Guardia di Finanza, welche dreist durch Schweizer Gebiet kurven, nicht beschlagnahmt und die Insassen befragt? Dieses Verhalten ist nicht zu tolerieren.
  • Alfred  Peter , Dietikon
    Ofizielle Ital. Polizeifahrzeuge haben auf Schweizer Grund
    keine Fahrerlaubnis.Das sollten auch die Gemeinden wissen !!
    • Martin  Fuchs , Kriens
      Guardia di Finanza sind auch keine Polizisten^^
      • 16.09.2012
      • als Kommentar auf Alfred  Peter , Dietikon
      • 66
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