Bei Familie Lardi aus Wangs SG herrscht ein strenges Regime Ist es gut, Sackgeld nur nach Leistung zu zahlen?

Für eine gute Note gibts eine CD, fürs Autosaugen oder Rasenmähen ein paar Franken. Doch fürs Nichtstun gibt es bei den Lardis kein Sackgeld.

  • Publiziert: 24.08.2012, Aktualisiert: 00.34 Uhr
  • Von Biljana Jovic

Wenn der Jüngste, Gian­luca (10), sein grinsendes Sparschwein schüttelt, klimpert es nur leise. «Jetzt gerade ist nicht viel drin», so der Viertklässler. Kein Wunder, denn die drei Kinder von Familie Lardi aus Wangs SG bekommen kein Taschengeld – auf jeden Fall nicht einfach so.

«Wenn sie einen Batzen wollen, müssen sie uns danach fragen und auch etwas dafür tun», sagt Mutter Sandra (46). «Sie können sich etwas dazuverdienen, indem sie kleinere Aufgaben übernehmen.»

Der 15-jährige Robin bekommt für eine gute Note auch mal eine CD. Gianluca hat nach dem Rasenmähen einen Zweifränkler mehr im Kässeli. Oder er verkauft auf dem Flohmarkt alte Spielsachen. Dario (16) bekommt das Geld für seinen Saison-Skipass von den Eltern erst, wenn er auch wirklich zehn Mal dort war. Das entspricht dem Wert des Passes.

Und als er diesen Sommer einen Freund in die Familienferien in die Türkei mitnehmen wollte – und noch ein separates Zimmer wünschte –, zeigten ihm die Eltern die rote Karte. Er musste die Kosten selbst decken, sogar der Flug wurde ihm nicht geschenkt. Lediglich 200 Franken zahlten ihm die Eltern an die Reise.

«Bei grösseren Anschaffungen greifen wir ihnen, wenn es knapp wird, gerne unter die Arme», meint Sandra Lardi. Trotzdem – knallharte Sache. «Stimmt», sagt der Papa.

Vertrauent ist gut, Kontrolle ist besser

Aber warum diese Umstände? «So behalten wir die Kontrolle über ihre Ausgaben», sagt die Teilzeitverkäuferin. Und Vater Orlando Lardi (45), von Beruf ­Finanzverwalter, weiss: «Sie müssen lernen, dass man nicht nach Belieben Geld aus dem Portemonnaie zaubern kann.»

Robin, der eine Schwäche für Markenprodukte hat, stinkt das strenge Regime seiner Eltern schon ein wenig. «Manchmal umgehe ich meine strengen Eltern und leihe mir was von meinem grossen Bruder, der arbeitet ja schon.»

Denn auch wenn der 15-Jährige mit Freunden in den Nachbarort gehen will und dafür Geld braucht, muss er kleine Arbeiten erledigen. Fürs Autosaugen zum Beispiel gibts ein Zehnernötli.

Dagegen ist sein älterer Bruder Dario aus dem Schneider und verdient als Schreinerlehrling sein eigenes Geld. Dennoch: Jeden Monat legt der sparsame Teenager 300 Franken aufs Sparkonto. «Mir hat dieses System etwas gebracht. Heute kann ich besser mit Geld umgehen als viele meiner Freunde. Manchmal leihe ich ihnen sogar Geld aus.»

Die Geister scheiden sich – nicht nur bei den Lardi-Söhnen.

Konsumexperte äussert Zweifel

Daniel Jenal von der Kinder- und Jugendorganisation Pro Juventute spricht sich für eine regelmäs­sige Zahlung aus: «Wir empfehlen aus­serdem, das Taschengeld an keinerlei Bedingungen zu knüpfen.»

Der Fachexperte für Konsum ist sicher: «Nur wenn Kinder und Jugendliche ein Taschengeld zur freien Verfügung haben, entsteht die Möglichkeit, den Umgang mit Geld wirklich zu lernen.»

Sandra Lardi und ihr Mann kannten es nie anders, als wie sie es heute ihrem Nachwuchs weitergeben. Taschengeld war Luxus: Die Mutter erinnert sich an ihre Jugendjahre und eine Jeansjacke für 20 Franken, um welche sie tagelang im Laden herumschlich. «Ich lag meinen Eltern deswegen lange in den Ohren.»

Auf dem Land sei sowieso schon immer alles anders als in der Stadt gewesen: «Hier brauchen Kinder weniger Geld.» Erst gestern gingen die Jungs in den Bach baden und nahmen ihr eigenes Essen mit.

Doch so hart, wie die Prinzi­pien der Eltern klingen, sind sie dann doch nicht immer. «Vor allem unser Küken Gianluca wickelt uns immer wieder um den Finger», verrät Orlando Lardi.

Sackgeld nur gegen Arbeit. Finden Sie das gut?»

Beliebteste Kommentare

  • Pascal  Biri , Rothrist , via Facebook
    So lernen die Kinder mit Geld umzugehen. So wissen sie auch das man für das Geld etwas machen muss und das es nicht auf Bäumen wächst.
  • Susanne  Gehrig , Burgdorf
    Das ist absolut richtig so. Ist im Erwachsenen Leben ja auch so. Lohn gibt es für Leistung! Das war bei uns schon so und das mache auch ich bei meiner Tochter 1 KLasse so. So lernt sie das es nichts um sonst gibt, und das sie sich nicht immer sofort alles kaufen kann. Ausserdem ist sie dann stolz wenn sie es geschaft hat zu spahren um sich etwas zu kaufen.

Alle Kommentare (57)

  • Berchtold  Peter
    Ein Bravo an Familie Lardi.
    Hier ist wohl die falsche Person zum Experten ernannt worden.
    Geld kriegen fürs nichts tun? Unsere Kinder müssen für ihr Geld auch eine Leistung erbringen. Genauso lernen sie das Geld kein fliessenderr Bach ist. Zitat meines Jungen als er sich was aussergewöhnliches leisten wollte " Ich überleg mir das nochmal ob ich das wirklich brauche," legte das Geld auf die hohe Kannte und heute ist er froh seine Autoprüfung absolvieren zu können.Alle wissen, von nichts kommt nichts.
    • 25.08.2012
    • 38
    • 5
  • Monica  Rebolledo , Chillan
    «Wir empfehlen aus­serdem, das Taschengeld an keinerlei Bedingungen zu knüpfen.» wieder mal typisch, bei unseren Kinder haben wir die selbe Praktik wie bei Lardis und es funktioniert. Zudem ueberlegen sie sich lange bevor sie das eigene Geld ausgeben und haben zudem ihr eigenes Bankk.,auch wir Eltern helfen mit ein Kapital aufzubauen, was die Kinder sher freut.
    • 25.08.2012
    • 40
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  • shiva  mike , Bora bora
    Ohhjee warum müssen die kinder jetzt schon arbeiten für ihr geld!!! Ich denke sie können noch genug lange arbeiten in ihrem leben. Ich finde das nicht in ordnung man kan den kindern dass auch anders beibringen....und wundern wen sie mal beim klauen erwischt werden müsst ihr euch dan auch nicht wen sie ja nur geld bekommen wen sie was tun....
  • Hansjörg  Bula , hilfikon
    Mein Sohn bekommt auch kein Monatliches Sackgeld sonder ein Leistungslohn für gute Noten ab 4,5 bekommte er 5.- bis 20.- auch für Autowaschen oder Staubsaugen ¨bekommt er 5.- bis 10.- . Nur so kann ein Kind sich auf das Erwachsenwerden vorbereiten. Ich bekomme auch kein Geld ohne was zu tun!!!!
  • Susanne  Moor , Baselland
    Und zudem vertrat ich den Standpunkt, dass Kinder nicht NICHTS tun, sondern ihr Job die Schule und die Aufgaben sind. Noten wurden nicht speziell finanziert, denn das erzeugt wiederum Druck und ist schlussendlich nicht jedem gegeben oder umgekehrt, die einen machen 6er ohne lernen und der andere hat viel lernen müssen, um eine 4 hinzubekommen.
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