Bankenprofessor Hans Geiger über Datenklau und Schwarzgeld Ist die Credit Suisse im freien Fall?

  • Publiziert: 05.02.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Interview: Matthias Pfander

ZÜRICH – Die gestohlenen Bankdaten sollen von der Credit Suisse stammen. Laut Experte Hans Geiger müsste die Grossbank mit Geldabfluss und einem grossen Imageverlust rechnen.

Der Aktienkurs der Credit Suisse ist massiv unter Druck. Gestern fiel er um über 7 Prozent und heute lag er bis jetzt um bis zu 3 Prozent im Minus. Laut mehreren Zeitungsberichten wird der Ursprung der geklauten Bankdaten auf der ominösen CD in Deutschland bei der Credit Suisse vermutet.

Blick.ch: Herr Geiger, die Mutmassungen verdichten sich, dass die gestohlen Bankdaten auf der CD von der Credit Suisse stammen. Droht der Bank dasselbe Schicksal wie der UBS in den USA?


Hans Geiger: Bei der UBS ist das Geschäft in den USA mindestens so gross wie in der Schweiz. Deshalb war die Bank existenziell bedroht durch die Attacken aus den USA. Für die Credit Suisse hat das Geschäft in Deutschland nie dieselbe Bedeutung.

Das klingt, als ob sich die Credit Suisse keine grossen Sorgen machen müsste, wenn sie an den Pranger gestellt wird.

Nein, das meine ich nicht. Der Image-Schaden für die Bank wäre sicher gross. Doch was jetzt läuft, sind die üblichen Spielchen. Man versucht möglichst offen zu lassen, aus welcher Quelle die Daten stammen. Das erhöht den Druck auf deutsche Bürger, die Schwarzgeld auf Schweizer Konten haben. Und seien wir ehrlich: Schwarzgeld von Deutschen hat es wohl noch bei vielen anderen Banken. Nicht nur bei der Credit Suisse oder Julius Bär.

Trotzdem, vor allem der Aktienkurs der CS kam massiv unter Druck. Das bringt doch die Bank in Schwierigkeiten.

Nochmals der Vergleich mit dem Fall UBS. Da war der ehemalige Mitarbeiter Bradley Birkenfeld ein wichtiges Glied in der Kette. Deswegen drohte der Bank ein Gerichtsverfahren. Eine solche Figur fehlt bei der Credit Suisse bis jetzt. Aber klar, der Aktienkurs käme sicher weiter unter Druck, wenn sich bestätigen würde, dass die Daten tatsächlich von der Credit Suisse stammen.

Auf was muss sich die Credit Suisse sonst noch einstellen in diesem Fall?

Es würde sicher dazu führen, dass es zu einem Geldabfluss bei der Bank käme. Denn eine Lehre werden die Kunden schon jetzt aus dieser Affären ziehen: Das Geld scheint bei einer kleinen Schweizer Privatbank besser aufgehoben als bei einer Grossbank.

Weshalb?

Solche systematische Datendiebstähle erfolgen am ehesten in der Informatikabteilung. Bei den Grossbanken arbeiten mehrere Tausend Angestellte in diesem Bereich. Das Risiko, dass darunter einer kriminell ist und Daten stiehlt, ist somit viel grösser.

Wer ist der Datendieb?

Laut der «Süddeutschen Zeitung» hat sich der Datendieb bereits vor einem knappen Jahr bei den deutschen Steuerfahndern gemeldet. Er finde es anstössig, dass reiche Leute am Staat vorbei ihr Geld vermehren. «Dann soll er einen Millionenbetrag für interne Unterlagen des Geldhauses Credit Suisse verlangt haben», schreibt die Zeitung. Unmittelbar danach konnten sich die Steuerfahnder mit einer ersten Stichprobe ein Bild von der Qualität der Daten machen.
Um wen es sich beim Datendieb handelt, konnte aber auch die «Süddeutsche" nicht enthüllen.
play Laut Bankenprofessor Hans Geiger schadet die neue Affäre den Grossbanken und hilft den kleineren Privatbanken.

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