Energie Investieren statt Ölscheichs finanzieren

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Werner Vontobel
Profiteure: Die steigenden Erdölpreise freuen vor allem die ­reichen Besitzer der Quellen.- Keystone

Der Ölpreisboom hat auch Vorteile: Jetzt bringen Investitionen fürs Energiesparen hohe Renditen und schaffen erst noch Arbeitsplätze.

Markus Grob (44) von der Paul Grob Isolationen AG in Tagelswangen ZH freut sich: «Wir sind voll ausgelastet, die Anfragen und Aufträge häufen sich.» Ähnlich optimistisch tönt es in der ganzen Bau- und Heizungsbranche. Vor allem Besitzer von Liegenschaften aus den Sechziger- und Siebzigerjahren merken, dass es sich lohnt, etwas gegen die auf 130 Franken pro 100 Liter gestiegenen Heizölkosten zu unternehmen. Das sind fast 80 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Und man kann etwas tun. «Mit der Isolation des Dachbodens etwa können objektbezogen bis zu 25 Prozent der Energiekosten eingespart werden», sagt Grob und nennt seinen Preis: 65 Franken pro Quadratmeter, mit Dampfsperre vollmontiert. Auch Anbieter von Solaranlagen, Wärmepumpen, Energiesparfenstern, Heizkesseln, Steuerungselementen oder Fassadenisolationen überbieten sich mit Energiesparangeboten.

Das Potenzial ist riesig. Ein durchschnittliches Schweizer Haus verbraucht pro Quadratmeter Wohnfläche 15 Liter Heizöl, einige auch 20 Liter und mehr. Durch eine Totalsanierung nach Minergie-Standard kann man diesen Wert unter sechs Liter senken. Doch solche Sanierungen sind teuer (siehe Kasten). Es lohnt sich also, gezielt vorzugehen.

Martin Jakob vom Centre for Energy Policy and Economics (CEPE) der ETH Zürich kennt die Schwachstellen. In erster Linie findet er sie in der Gebäudehülle. Nicht isolierte Keller- oder Estrichböden etwa sind wahre Energielöcher, die sich relativ günstig abdichten lassen. Die Renovation von Fassaden oder der Ersatz von Fenstern sind schon etwas teurer, aber bei den aktuellen Heizölpreisen in vielen Fällen lohnend – umso mehr, wenn steuerliche Abzüge und Zuschüsse wie etwa aus dem Klimarappen-Fonds locken. Auf diese Art können die Kosten häufig um 20 bis 30 Prozent gesenkt werden.

In zweiter Linie, so Jakob, muss man das Heizsystem unter die Lupe nehmen. Moderne Heizkessel verbrauchen ein Drittel weniger Energie als ihre Vorgänger aus den Achtzigerjahren. Moderne Steuerungselemente anstelle der alten Thermostate können zehn Prozent Einsparung bringen. Marcel Scherrer (44), Wohnbauspezialist beim Planungsbüro Wüest und Partner, sieht das grösste Sparpotenzial bei stromfressenden Haushaltgeräten, angefangen bei der Glühbirne.

Das Umsteigen auf alternative Energiesysteme wie beispielsweise Wärmepumpen, Holzschnitzelanlagen und Sonnenkollektoren erfordert zwar etwas höhere Investitionen, ist aber bei den gegenwärtigen Erdölpreisen in vielen Fällen finanziell lohnend geworden. «Die Nachfrage nach Kollektoren ist riesig», erklärt etwa Reymond Fallet (62) vom führenden Sonnenkollektoren-Hersteller Soltop in Elgg ZH, der seinen Personalbestand seit Beginn des Ölpreisbooms von 25 auf 40 erhöht hat. Und solche Fälle gibt es viele. Energiesparen schafft Arbeitsplätze. 

Hohe Heizölpreise sorgen für weniger günstige Wohnungen

1. Heizölrechnung:
Zum einen bedeutet ein Preis von Fr. 1.30 pro Liter, dass die jährliche Heizölrechnung für eine durchschnittliche Wohnung auf 2000 Franken steigt und damit fast doppelt so hoch ist wie im Vorjahr.

2. Hypozinsen:
Die Energie- und Rohstoffkosten haben den Index der Konsumentenpreise innerhalb von einem Jahr um 1,7 Prozent nach oben gedrückt. Erfahrungsgemäss schlägt die Inflation früher oder später voll auf die Hypozinsen und damit auf die Mieten durch. Ein Prozentpunkt mehr Hypozins berechtigt die Vermieter, die Miete um zwölf Prozent zu erhöhen.

3. Totalrenovation:
Hohe Heizölpreise drücken den Marktwert der gut eine Million schlecht isolierten Mietwohnungen. Es muss also etwas geschehen. Der Vermieter kann sich für eine Teilsanierung (Heizsystem und Gebäudehülle) oder für eine Totalsanierung entscheiden, bei der gleich noch der Wohnkomfort auf den neusten Stand gebracht wird.

Gesamtsanierungen kosten pro Wohnung mindestens 70000 Franken, was die Monatsmieten um 250 Franken oder mehr erhöht – deutlich mehr, als beim Energieverbrauch eingespart wird. Für den Vermieter ist aber gerade das von Vorteil. Er kann die Sanierung nutzen um zahlungskräftigere Mieter zu finden. «Damit wird das ohnehin knappe Angebot an billigen Mietobjekten weiter abnehmen», befürchtet Michael Töngi vom Schweizerischen Mieterverband.  

Martin Jakob vom CEPE hat für uns die Rentabilität einiger wichtiger Energiespar-Investitionen kalkuliert.
Dabei geht er von einem Heizölpreis von Fr. 1.30 pro Liter und von marktüblichen Investitionskosten aus. Bei unseren Recherchen haben wir teilweise billigere Angebote vorgefunden. Die effektive Einsparung hängt vom Zustand der Immobilie ab. Deshalb gibt Jakob zum Teil Schwankungsbreiten an.

Isolation auf Dach schlägt Sparbuch

Statt das Geld auf einem Sparkonto versauern zu lassen oder in Aktien zu verlochen, kann man mit Energiespar-Investitionen hohe Renditen in Form von tieferen Energiekosten erzielen.

Sparlampen (266%)
Glühbirnen hiessen sie, weil sie mehr glühten als glänzten. Sparlampen kosten nur wenig mehr und verbrauchen 75 Prozent weniger Energie. Die Rendite ist riesig.

Dach isolieren (7.9%)
Wer Energie sparen will, muss zuerst an die Gebäudehülle denken. Durch das Dach geht viel Wärme ab. Mit einem gut isolierten Dach spart man mehr als 1000 Franken Energiekosten pro Jahr.

Holz statt Heizöl (4.7%)
Wenn man das Heizsystem ohnehin sanieren muss, kann sich bei den heutigen Heizölpreisen auch ein Umstieg auf Wärmepumpen oder Holzpellet-Heizungen lohnen.

Heizkessel (9.5%)
Moderne Ölheizungen sind nicht teuer und verbrauchen einen Drittel weniger Energie als alte. Auch so kann man hohe Renditen erzielen.

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