
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Blick: Bankenpleiten, das Hin und Her um den US-Rettungsplan, Börsenturbulenzen — wie haben Sie das alles erlebt?
Peter Kurer: Die letzten 20 Tage waren turbulent und auch nervenzehrend. In einer solchen Situation muss man sich ständig auf dem Laufenden halten – auch in der Nacht. Andererseits ist es spannend. Hier finden sehr grosse, fast historische Verwerfungen statt.
Mitten in dieser Zeit erlitt Hans-Rudolf Merz einen Herzstillstand. Hat er in dieser hektischen Phase gefehlt?
Herr Merz war als Finanzminister für uns immer eine ganz wichtige Ansprechperson. Noch am Tag bevor es geschah habe ich mit ihm gesprochen. In diesem Sinne hat er natürlich gefehlt, und das hat uns auch persönlich sehr betroffen gemacht. Das schweizerische Regierungssystem hat hervorragend funktioniert und der Bundesrat hat sofort eine sehr gute Stellvertretung organisiert.
Diese Woche sind plötzlich auch europäische Banken kollabiert. Warum trifft es die UBS nicht?
Weil wir die Problempositionen in unserer Bilanz relativ früh erkannt und konsequent abgeschrieben haben. Und wir haben rechtzeitig erkannt, dass wir neues Kapital brauchen, um die entstandenen Löcher zu füllen. Zudem haben wir einen Liquiditätspuffer, der uns jetzt hilft, durch diesen Sturm zu kommen.
Heisst das, die Führung hat noch unter Marcel Ospel mit grosser Weitsicht gehandelt?
Ich würde es so sagen: Wir sind in eine blöde Situation gekommen – teilweise durch hausgemachte Fehler. Aber als wir das realisierten, haben wir früh und richtig reagiert.
Die UBS musste doch viel mehr als andere abschreiben und deshalb auch früher Kapital beschaffen — zum Glück, muss man im Nachhinein sagen.
Es ist nicht so, dass die Rechnungslegungsvorschriften gar keinen Spielraum zulassen. Man kann die Höhe der Abschreibungen schon beeinflussen. Wir haben aggressiv abgeschrieben, weil wir davon ausgingen, dass man diese Sache nicht einfach aussitzen kann. Wir erkannten, dass es hier um ein Branchenproblem geht. Manche Banken haben weniger abgeschrieben und darauf gebaut, dass sie diese Sache aussitzen können. Nun werden sie eingeholt.
Der US-Rettungsplan steht. Wird die UBS daran teilnehmen?
Der Rettungsplan ist eine sinnvolle, vernünftige Intervention. Wir haben ein direktes Interesse, weil wir stark in den USA engagiert sind. Ob wir selber am Plan teil-nehmen würden, können wir erst sagen, wenn wir die genauen Teilnahmebedingungen kennen.
Aber der Plan verstösst gegen die freie Marktwirtschaft.
Ich sehe darin keinen Verstoss gegen den freien Markt. Weil es hier um eine ausserordentliche, globale Krise geht, kann der Staat eingreifen, um einen kompletten Zusammenbruch des Systems zu verhindern. Der Staat darf aber nicht längerfristig eingreifen und muss danach dem Markt wieder die notwendige Freiheit lassen.
Banken machten jahrelang hohe Profite, jetzt muss der Staat mit Steuergeld einspringen. Ist das gerecht?
Moment. In der Branche wurden teilweise unvernünftige Risiken eingegangen und zu viele Spekulationen betrieben. Teilweise haben auch die Management- und Kontrollsysteme nicht richtig funktioniert. Deshalb kann ich nachvollziehen, dass man gegen den Rettungsplan sein kann. Doch letztlich müssen sich die Politiker die Frage stellen, ob die Intervention angebracht ist oder nicht. Das ist eine Risikoabwägung.
Braucht auch Europa einen Rettungsplan?
Die europäischen Regierungen und die EU müssen zumindest ein Konzept haben, wie sie mit der Krise umgehen, und auch bereit sein, durch gezielte Eingriffe einen Systemkollaps abzuwenden.
Die UBS baut nun weltweit nochmals 2000 Stellen ab. In der Schweiz sollen es zwischen 150 und 200 sein. Stimmt das?
Wir haben noch keine genaue Zahl. Der Abbau trifft vor allem die USA und England. In der Schweiz wird
es auch in Zukunft keine grossen Einschnitte geben.
Aber die Kunden wechseln immer noch zu kleineren Banken.
Für uns waren die letzten zwei Quartale schwierig. Wir haben Kunden verloren. Doch jetzt haben wir die Basis, um diesen Trend umkehren zu können.
Nach der Generalversammlung am Donnerstag gab es erstmals wieder positive Reaktionen.
Das hat mich sehr gefreut. Ich nehme das als eine Bestätigung. Aber es gibt keinen Grund, auszuruhen oder sich hängen zu lassen.
Sie überarbeiten derzeit das Lohn- und Bonussystem. Gibt es neu eine Lohnobergrenze?
Nein. Aber sicher werden alle Saläre des Managements nach der Krise tiefer liegen als vorher, teilweise deutlich. Das finde ich auch richtig. In Spezialsituationen sind aber weiterhin Löhne über 10 Millionen Franken denkbar.