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Angelika (21) arbeitet als Coiffeuse. Sie verdient für 80 Prozent 2800 Franken brutto. Sie sagt: «Wäre ich noch einmal 15, würde ich mich anders entscheiden!»
(Siggi Bucher)Das Erfolgsmodell der Berufslehre ist durch Tieflöhne und schlechte Arbeitsbedingungen gefährdet.
In der Schweiz entscheiden sich zwei Drittel der Jugendlichen für eine Berufslehre. Für Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann ist die Berufsbildung ganz klar «ein Erfolgsrezept». Und im Ausland beneidet man uns darum.
Doch dieses Erfolgsmodell ist gefährdet. Denn nach dem Lehrabschluss droht vielen Berufsleuten mittlerweile der Gang aufs Sozialamt. Laut Bundesamt für Statistik arbeiteten 2010 rund 360000 Beschäftige für einen Tieflohn. Besonders bitter: 143400 davon haben eine abgeschlossenen Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis.
Als Tieflohn gilt ein Monatslohn von 3679 Franken, der 13-mal im Jahr ausbezahlt wird. Wer keinen «Dreizehnten» bekommt und pro Monat weniger als 3986 Franken verdient, gilt ebenfalls als «Tieflöhner».
BLICK traf einen von ihnen: Angelika* ist 21 und arbeitet seit fünf Jahren als Coiffeuse. «Wäre ich nochmals 15, würde ich mich unter diesen Umständen für einen anderen Beruf entscheiden», sagt die junge Frau aus der Zentralschweiz. Eigentlich ist Coiffeuse ihr Traumberuf. Doch die harte Realität hat sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sie verdient für ihren 80-Prozent-Job rund 2800 Franken.
Im Portemonnaie sind es 2500 Franken. Für 100 Prozent hätte sie am Ende des Monats brutto 3500 Franken. Und das, nachdem sie nach der Sekundarschule eine dreijährige Lehre absolviert hat. Sie regt sich auf, wenn sie über ihren schlechten Lohn spricht. Denn eigentlich hat ihr die Arbeitgeberin versprochen, nach der Probezeit mehr Lohn zu zahlen. Doch dem ist nicht so.
Der Job als Coiffeuse im Kleinbetrieb mit sechs Angestellten ist ein harter Job. 43-Stunden-Woche, vier Wochen Ferien, Überzeit dürfen die Coiffeusen nicht aufschreiben. Und das Werkzeug muss jede selber kaufen. «Ich liebe den Beruf. Doch durch die schlechten Arbeitsbedingungen und den schlechten Lohn wird mir die Freude daran zerstört», sagt die junge Frau, die mit ihren Geschwistern noch bei den Eltern wohnt. Ausziehen ist zurzeit keine Option. Sie verdient zu wenig.
Angesichts der schlechten Ausgangslage hat sie sich entschieden: «Ich will mich so schnell wie möglich beruflich verändern.» Die junge Frau hat bereits ein Bürofachdiplom in der Tasche. Im letzten Sommer hat sie nun auch noch eine Weiterbildung für ein höheres Fachdiplom angefangen. Nächsten Sommer schliesst sie die Schule ab.
Bereits begonnen hat sie mit Bewerbungen. Alle Arbeitgeber wollen aber jemanden mit Berufserfahrung. «Das kann ich ihnen noch nicht bieten», sagt die 21-Jährige. Doch könnte sie wünschen, würde sie am liebsten als Coiffeuse weiterarbeiten, allerdings nur bei höherem Lohn und besseren Arbeitsbedingungen. «Der Beruf gefällt mir sehr, ich kann kreativ arbeiten und habe Kontakt mit Menschen.» Eines Tages möchte sie auch eine Familie. Doch sie weiss: Mit diesem Lohn wird sie keine Familie ernähren können.
*Name der Redaktion bekannt
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