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Vom Migrantenkind zum Multimillionär: «Ich gebe gern Geld aus»

Er ist ein brillanter Netzwerker: der ­Unternehmer Claudio Cisullo. Das Porträt.

von Roman Seiler | Aktualisiert um 23:45 | 19.01.2008
Heimelig: Der Selfmademan im Wohnzimmer seiner Ferienwohnung in Grindelwald BE. (Foto:)
Heimelig: Der Selfmademan im Wohnzimmer seiner Ferienwohnung in Grindelwald BE. (Foto:)
ABO-SERVICE
Hoch über Grindelwald BE: Claudio Cisullo (43) gönnt sich in seiner Ferienwohnung ein Glas Serre Nuove. Anschliessend wechselt er mit dem toskanischen Spitzenwein auf die andere Seite des Wohnzimmers. Auf der Küchenkombination schnetzelt er Röstgemüse für Kalbshaxen. Kochen und Golfen sind seine Hobbys, sagt der Vater von drei Töchtern. «Ich bin ein guter Konsument. Ich gebe gern Geld aus.»

Das Geld hat er sich hart erarbeitet. Cisullo ist das jüngste von fünf Kindern einer Immigrantenfamilie aus San Mauro Forte, einem Bergdorf in der Basilicata, einer der ärmsten Provinzen Italiens. Aufgewachsen in Hägglingen AG, lernte er in der Schule, sich durchzusetzen. «Damals», erinnert sich Cisullo, «war der Italiener ein ‹Tschingg›.»

Herr Cisullo, was hat Sie angespornt, Erfolg zu haben?
Claudio Cisullo: Vielleicht hatte ich einfach Angst. Ich habe gesehen, in welch bescheidenen Verhältnissen meine Eltern aufgewachsen sind. So wollte ich nicht leben müssen.

Sie machten sich nach Ihrer ­technischen Lehre selbständig.
Als Angestellter hätte ich den konventionellen Weg gehen müssen. Aber ich bin kein 08/15-Typ. Ich wusste, dass das die berufliche Selbständigkeit ein erfolgreicher Weg sein könnte. Das motivierte mich.

Stolz macht Cisullo, dass er drei seiner vier Geschwister in seiner CC Trust Group mit 150 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 100 Millionen Franken beschäftigt. Die bekannteste Tochterfirma Pana­tronic ist ein Dienstleistungs- und Handelsunternehmen der Infor­matikbranche. Daneben bietet die CC Trust Group Beratungs- und Finanzdienstleistungen an. Cisul­los neuster Coup: Am Zürcher Flughafen präsentiert er Formel-1-Autos von Peter Sauber. Sie stehen zum Verkauf.

Aufsehen erregte er kürzlich mit einem anderen Projekt. Cisullo vermietet eine Hightech-Verkaufsmaschine (boxIN), die mit 350 Luxusartikeln gefüllt werden kann: Uhren, Kameras, Parfums. Erster Mieter ist der Flughafenshop-Betreiber Nuance. Ex-Swiss-Chef André Dosé und Christian Bupp, CEO des Baukonzerns Implenia, waren bei der Präsentation als Cisullos Verwaltungsräte dabei. An der Pressekonferenz trat auch der deutsche Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder auf. Es sei ein «Freundesdienst» für Ci­sullo gewesen, sagte er.

In welcher Funktion ist Schröder für Ihre Firmengruppe tätig?
In keiner. Wenn ich ihn um einen Rat bitte, unterstützt er mich als Freund. Es ist ein Erlebnis, mit ihm zusammen sein zu dürfen. Ich kann von ihm nur lernen und höre ihm aufmerksam zu. Auch er kommt ja von ganz unten.  
«Bancomat» für Luxusgüter Claudio Cisullo und Ex-Kanzler Gerhard Schröder (r.) vor der boxIN. (Foto: Keystone)
«Bancomat» für Luxusgüter Claudio Cisullo und Ex-Kanzler Gerhard Schröder (r.) vor der boxIN. (Foto: Keystone)

Formel-1-Autobörse am Zürcher Flughafen

Die Vermarktung seiner Formel-1-Reliquien übertrug Peter Sauber exklusiv an Claudio Cisullos CC Trust Group. Ab 18. Februar wartet auf Transitpassagiere im Terminal 1 des Zürcher Flughafens nun eine Premiere: Während sechs Wochen werden Erinnerungsstücke – vom Reifen bis zu Rennautos – des eins­tigen Schweizer Rennstalls ausgestellt und an den Meistbietenden verkauft. Unverkäuflich sind dabei nur die hochgezüchteten Motoren.

Claudio Cisullo fuhr früher selbst Rennen – als Jugendlicher in
Gokarts, später dann in Tourenwagen. «Ich habe Benzin im Blut», sagt der heutige Mercedes- und Ferrari-Fahrer über sich.  

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