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Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbandes. (ZVG)
BLICK: Herr Gmür, in Zug werden jetzt Sonderzonen für günstige Mieten errichtet. Was halten Sie davon?
Ansgar Gmür: Dass die Kantone und Gemeinden erst jetzt reagieren, erstaunt schon, wenn man bedenkt, dass das Problem mit den teuren Wohnungen in Zug schon lange aktuell ist.
Sind eigentlich alle blöd, die bei diesen tiefen Zinsen noch mieten, anstatt zu kaufen?
Nein, auf keinen Fall. Banken und Versicherungen stellen das Wohneigentum oft zu attraktiv dar. Eine gefährliche Entwicklung. Man muss das Eigenheim langfristig finanzieren können. Im Moment haben die Hypozinsen wieder ein bisschen angezogen.
Wie bitte, wie das denn?
Das hat damit zu tun, dass die Banken vorsichtiger werden bei der Vergabe von Hypotheken. Die Bankenaufsicht und die Nationalbank haben die Banken mehrmals gewarnt, die Hypotheken nicht zu leichtfertig zu vergeben. Das zeigt Wirkung.
Also gibt es sie doch, die gefürchtete Immobilienblase?
Nein, in gewissen Regionen gibt es einfach eine Überhitzung. Die Preise in Zürich sind teilweise jenseits von Gut und Böse.
Wieso sinken die Mieten bei diesen tiefen Zinsen nicht schneller?
Das hat mit dem Referenzzinssatz zu tun, der sich aus dem Durchschnitt der Hypotheken berechnet. Wenn die Zinsen steigen, dauert es dafür länger, bis die Mieten nachziehen.
Sinken die Mieten weiter?
Ja, das denke ich. Das ist abhängig vom allgemeinen Zinsniveau und das vom Euroumfeld.
Weshalb geben die Vermieter die Mietzinssenkungen oft nicht freiwillig weiter?
Wir erwarten von den Vermietern, dass sie berechtigte Mietzinssenkungen automatisch weitergeben. Sonst müssen die Mieter aktiv werden, damit sie zu ihrem Recht kommen. Sie können sich gratis an die Schlichtungsstelle wenden.
Es gibt viele Mieter, die Angst haben, ihr Recht einzufordern, weil sie eine Kündigung befürchten.
Das mag sein, ist aber völlig unbegründet. Der Vermieter kann den Mieter nicht aus Rache auf die Strasse stellen.
Was könnte im Moment überhaupt gegen eine Senkung sprechen?
Gestiegene Unterhalts- und Betriebskosten, wertvermehrende Investitionen, die aufgelaufene Teuerung. Oder auch die Ortsüblichkeit.
Die Ortsüblichkeit. Das scheint ein beliebtes Mittel zu sein, um die Mieten in die Höhe zu schrauben. Das ist doch nicht fair.
Aber es steht so im Gesetz. Klar, es gibt Orte wie Zürich oder Genf, wo übertrieben wird. Da frage ich mich halt, wieso alle in der Stadt wohnen wollen, wenn es eine halbe Stunde ausserhalb genügend günstige Wohnungen gibt.
Das stimmt doch nicht. In den Regionen, wo die Leute wegen den hohen Mieten und Hauspreisen hinflüchten, steigen die Preise auch.
Ja, aber wenn beispielsweise im Thurgau die Preise anziehen, ist das nicht so dramatisch. Weil dort das Niveau sehr tief ist. Zudem sind die Löhne stärker gestiegen als die Mieten. Die Mieter geben seit Jahrzehnten im Durchschnitt 17% des Einkommens für die Wohnungen aus.
Ein Rezept gegen die steigenden Mieten haben Sie nicht?
Die neueste Statistik zeigt, sogar in Zürich kostet eine 4-Zimmer-Wohnung nur 1730 Franken im Schnitt. Das beweist, dass es auch sehr viele günstige Wohnungen gibt.
Ausser wenn man die Wohnung wechseln muss. Weshalb wehren Sie sich eigentlich gegen günstige Genossenschaftswohnungen?
Ich bin nicht prinzipiell dagegen. Ich war auch einmal Präsident einer Genossenschaft. Es müsste aber Regeln geben, dass die Leute ihre grossen Wohnungen verlassen müssen, wenn die Kinder ausgezogen sind. Ich kenne Beispiele von gut Situierten mit einem Lohn über 10000 Franken, die in einer genossenschaftlichen 4-Zimmer-Wohnung leben. Das geht doch nicht.
Sie haben Ihr Büro im Zürcher Seefeld in einem Haus, das offensichtlich eine Wohnliegenschaft ist. Sie besetzen Raum an einer Toplage.
Damit diese Wohnung zum Büroraum wurde, musste der Eigentümer an einer anderen Lage im selben Umfang Wohnraum schaffen.
Aber es ist doch absurd – bei den Gewerberäumen gibt es ein Überangebot und einen Preiszerfall und bei Wohnungen das Gegenteil.
Daran ist das Gesetz schuld. Ich wäre sehr dafür, dass man das viel flexibler macht.
Wie?
Endlich mal die alten Zöpfe abschneiden. Mehr in die Höhe bauen, die Bauzonen nicht so stur festlegen. Und die Ausnutzungsziffern erhöhen.
Wurden Sie eigentlich als Hauseigentümer geboren?
Ich komme aus den Bergen von einem Bauernhof. Das Haus gehörte der Familie.
Sie waren nie Mieter?
Doch, ich lebte 10 Jahre in einer Mietwohnung in Zürich. Damit ich den Zins zahlen konnte, habe ich Zimmer untervermietet und den Hauswartsjob verrichtet.