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Seine Bank ist noch nicht Spitze – er dafür schon: UBS-Chef Oswald Grübel (65) ist laut "Bilanz" der wichtigste Schweizer Banker. (Sabine Wunderlin)
Knapp fünf Milliarden Franken gewann die UBS am Donnerstag an Börsenwert, nachdem Oswald Grübel zum neuen Konzernchef ausgerufen war. Doch schon am Freitag hagelte es in der Fernsehsendung «Arena» Kritik: Grübel sei ein unbelehrbarer Abzocker, der falsche Mann, um die UBS durch die schwerste Krise ihrer Geschichte zu führen. Beim Interview mit SonntagsBlick am UBS-Hauptsitz an Zürichs weltberühmter Bahnhofstrasse kontert Grübel die Vorwürfe: «Ich könnte auch gratis arbeiten.»
Fast seine ganze Karriere hat der Deutsche beim UBS-Erzrivalen Credit Suisse zugebracht. Auch sein neuer Pressesprecher Michael Willi muss den Wechsel erst noch verdauen. «Plötzlich Oswald Grübel in den UBS-Gängen zu sehen, kommt mir noch komisch vor», sagt er. Grübel freut sich schelmisch. «Die UBS», gesteht er, «hat mich immer fasziniert. Sie war lange ein Vorbild.»
Herr Grübel, Sie sind seit zwei Tagen UBS-Chef. Was haben Sie schon erledigt?
Ziemlich viel. Ich habe mit vielen Mitarbeitern gesprochen und mich über die dringendsten Angelegenheiten informiert.
In diesen zwei Tagen haben Sie aber auch viel verdient: 27270 Franken Fixlohn. Ist das nicht unverschämt viel?
Wir alle wissen, dass man in verschiedenen Berufen unterschiedlich bezahlt wird. Als ich in der Bank angefangen habe, hatte ich einen Monatslohn von 150 Mark – nach der Lehre. Davon war natürlich auch schwer zu leben.
Nervt Sie die Boni-Diskussion?
Überhaupt nicht. Die Boni gehen genauso schnell runter wie die Märkte. In kurzer Zeit wird überall klar sein, dass man ohne Gewinne keine Boni verteilen kann.
Trotzdem werden immer noch Boni ausgeschüttet, auch bei der UBS!
Ich gebe Ihnen ein Beispiel, wie sich die Zeiten geändert haben. Ihre Zeitung bezeichnete mich im Jahr 2006 auf der Frontseite als grössten Abzocker der Schweiz. Meine variablen Lohnbestandteile, die damals PEP hiessen, seien angeblich 500 Millionen Franken wert gewesen. Die PEP habe ich gestern der Credit Suisse zurückgegeben. Umsonst, weil sie heute wertlos sind.
Welches sind die Prioritäten in Ihrem neuen Job?
Die wichtigste und schwierigste Aufgabe ist es, das Vertrauen unserer Kunden zurückzugewinnen. Das dauert eine Zeit und bedingt, dass wir keine Fehler mehr machen und offen kommunizieren. Um dies zu erreichen, brauchen wir das Vertrauen unserer Angestellten in sich selbst und in die Firma. Die nächste grosse Aufgabe ist, das Kapital zu erhalten und zu erhöhen, indem wir die Firma profitabel machen. Dazu müssen wir auch Kosten einsparen.
Wer hat Sie eigentlich zur UBS geholt?
Ich bin Mitte Januar vom Verwaltungsrat angesprochen worden, von Herrn Kurer und anderen Mitgliedern des Gremiums.
Verwaltungsratspräsident Peter Kurer ist angeschlagen. Was bedeutet das für Sie?
Wenn Sie das so sehen, müssen Sie den Verwaltungsrat fragen. Ich kann dazu nichts sagen.
Nächste Woche finden im US-Senat Hearings zum Thema «Steueroasen» statt. Was wollen Sie dort erreichen?
Wenn es um Steuerhinterziehung geht, müssen wir auf jeden Fall klarstellen, dass wir in der Schweiz auch Gesetze haben, die wir nicht brechen können. Wenn ein Unternehmen in einem Land ein Gesetz gebrochen hat und bestraft wird, kann man es nicht dazu verdammen, im eigenen Land nochmals das Gesetz zu brechen. Hier
müssen wir eine politische Lösung finden.
Sie haben schon früher gesagt, die Schweiz müsse beim Streit um das Bankgeheimnis eine Offensivstrategie einschlagen.
Ich bin der Ansicht, dass man das Bankgeheimnis erhalten sollte. Es schützt Personen, welche grosse Vermögen haben, und es ist ein Marktvorteil für uns in der Schweiz. Aber es gibt Zeiten, in denen das Bankgeheimnis an neue Anforderungen angepasst werden muss. Wenn mit uns befreundete Länder Druck machen und keine Zufluchtsorte mehr für Steuerhinterzieher dulden wollen, müssen wir uns bewegen.
Sie sind dafür, dass die Schweiz anderen Staaten auch bei Steuerhinterziehung Hilfe anbietet?
Ja, allerdings nur, wenn andere Bankenplätze dies auch tun. In welcher Form das geschieht, müssen wir vorsichtig abwägen. Wir müssen verhindern, dass die Schweiz als alleiniger Sünder dasteht. Selbst die USA haben Bankenplätze, auf denen die Gesetze anders sind, als sie es gegen aussen darstellen. Eine Regelung muss für sämtliche Offshore-Bankenplätze gelten, also auch für die Kanalinseln, die Karibischen Inseln sowie Länder wie Österreich, Luxemburg und weitere.
Würden Sie bei der Taskforce des Bundesrates mitmachen?
Wenn man mich fragt und mein Beruf mir die Zeit lässt, stehe ich zur Verfügung. Ich halte die Taskforce für eine der besten Ideen seit langer Zeit.
Christoph Blocher will mit Unterstützung der Linken die UBS in Einzelteile zerlegen.
Blochers Plan wird zwar von den Linken unterstützt, aber in den Details werden sich die beiden Lager nie einig werden. Ich stimme damit überein, dass es keine Bank mit dem Anhängsel «too big to fail» geben sollte – die also zu gross ist, als dass man sie untergehen lassen könnte. Das hätten wir von Anfang an verhindern müssen.
Solange der Staat aber noch drin ist, sollen die Löhne gekappt werden. Blocher fordert ein Maximum von 850 000 Franken.
Wenn ich der Staat wäre und im Interesse unserer Bürger handeln müsste, würde ich genau schauen, was mit meinem Investment passiert. Ich würde darauf pochen, dass die richtigen Leute angestellt werden, auch wenn es etwas mehr kostet. Wenn Sie ein Management haben, das zwar relativ günstig ist, aber die Sache noch schlimmer macht, hat der Staat nichts davon.
Für 850000 Franken hätten Sie den Job nicht angenommen?
Ich könnte auch gratis arbeiten. Ich brauche die Millionen nicht. Ich kann Ihnen aber garantieren, dass ich mehr Leute verärgert hätte, wenn ich ohne Lohn arbeiten würde.
Das ganze Interview mit Oswald Grübel finden Sie im SonntagsBlick.
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Begrüssung Oswald Grübel (r.) mit SonntagsBlick-Chef Hannes Britschgi und Redaktor Guido Schätti (Mitte). (Sabine Wunderlin)