Zocker-Papiere «Ich bin ein Lehman-Opfer»

  • Publiziert: 08.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Matthias Pfander

Gabriela Fischer verlor Geld mit maroden Papieren der Lehman-Brothers. Und jetzt will ihr eine Staatsbank Zocker-Papiere andrehen

Als Gabriela Fischer (46) das Couvert öffnet, kommt ihr alles wieder hoch. Sie kann nicht glauben, was man ihr da andrehen will.

Wie damals, als sie einen Teil ihres Vermögens bei der Credit Suisse in Papiere der Pleitebank Lehman Brothers investierte. Nachdem über die Bank der Konkurs verhängt wurde, hatte Fischer schlaflose Nächte.

Und jetzt das: Ein Brief mit einer Kaufempfehlung der Zürcher Kantonalbank für ein neues Anlagevehikel. «Bonus Protein» heisst es. Mit 100 Prozent Kapitalschutz.

Wie die ZKB versucht, das «Bonus Protein» zu verkaufen, stösst Fischer sauer auf. Solche strukturierten Produkte sind kompliziert. Kaum jemand kapiert sie auf Anhieb.

«Die ZKB müsste sicherstellen, dass die Kunden das neue Produkt verstehen, bevor sie es kaufen. Genau das war doch das Problem bei den Papieren von Lehman Brothers», sagt Fischer.

Der Verkaufsprospekt zeigt nicht einmal, welche Aktien im Produkt stecken. Dafür liegt gleich ein Kaufauftrag bei: Betrag einfüllen, unterschreiben, fertig.

Wer genau wissen will, was im Produkt steckt, muss zuerst auf der Webseite der ZKB die Informationen suchen.

«Nach der Affäre mit Lehman Brothers und Credit Suisse ist dieses Vorgehen der ZKB leider unsensibel», sagt der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer. Er unterstützte Opfer mit Lehman-Ramschpapieren nach dem Kollaps.

Bei der ZKB spielt man den Ball an die Kunden weiter: «Wir gehen davon aus, dass sich unsere Kunden mit ihrem persönlichen Berater in Verbindung setzen, sollten Unklarheiten oder Fragen zum empfohlenen Produkt bestehen.»

Bei den Papieren von Lehman Brothers war der Kapitalschutz das Problem. Als Lehman Brothers pleite ging, war diese Garantie nichts mehr wert. Die ZKB kann wenigstens ihre Staatsgarantie vorweisen.

Für den "Prix Courage" nominiert

Gabriela Fischer musste wegen der Pleite der Bank Lehman Brothers um 50000 Franken bangen. Das Geld hatte sie von ihrer Grossmutter geerbt und über die Credit Suisse Lehman-Papiere gekauft.

Sie wollte das Geld für die Ausbildung ihrer 7-jährigen Tochter auf die Seite legen. Ohne Risiko. Doch wegen der Pleite von Lehman Brothers war der versprochene Kapitalschutz von 100 Prozent nichts mehr wert.

Zuerst die Wut, dann das Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Credit Suisse. Fischer entschloss sich, zu handeln. Sie stellte zusammen mit anderen Geschädigten die Anleger-Selbsthilfe auf die Beine. Zusammen kämpften die Kleinanleger gegen die Grossbank.

Mit Erfolg: Die CS rückte von ihrer harten Linie ab und begann mindestens einen Teil der Lehman-Opfer zu entschädigen.

Für ihren Mut, ist Gabriela Fischer vom «Beobachter» für den «Prix Courage 2009» nominiert worden. Das Publikum kann noch bis heute seine Stimme abgeben. Auch online.
play Verärgert über die ZKB-Verkaufsmethode: Kundin Gabriela Fischer.
(BLICK)

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