Ich bin der Carsten, wie heisst du?

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Silvio Bertolami

BERN – Vom Stift bis zum Konzernleiter – alle 20'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Swisscom sollen sich ab sofort duzen.

An der Spitze der Swisscom steht ein Mann, der von Arbeitskolleginnen auch schon mal als Macho charakterisiert wird: der 45-jährige Deutsche Carsten Schloter. Ausgerechnet unter seiner Ägide will sich das grösste Kommunikationsunternehmen der Schweiz jetzt häuten – und dabei weiblicher werden.

«Nah und miteinander» heisst die Losung. «Als Arbeitskolleginnen und -kollegen bewegen wir uns auf Augenhöhe und setzen ein Zeichen: Ab sofort sprechen wir uns im gesamten Unternehmen alle mit ‹Du› an», steht in einer internen Mitteilung an die Mitarbeitenden.

Man stelle sich vor: Die junge Dame vom Callcenter in Jeans und Turnschuhen trifft im Lift auf den Konzernchef mit Schale und Krawatte und begrüsst ihn keck mit «Sali Carsten, wie gehts heute?».

Duz-Zwang – ist das etwas Gutes?

Sicher ist: Es wird immer Chefs geben, die wenigstens zum Teil beim Sie bleiben möchten. Und gewöhnliche Angestellte, die sich nicht wohlfühlen, wenn sie von allen Vorgesetzten geduzt werden. Auch auf gleicher Stufe können sich Probleme ergeben: Was ist, wenn zwischen zwei Mitarbeitenden einfach die Chemie nicht stimmt?

«Man kann die Mitarbeiter nicht zu einem Du zwingen», sagt die Zürcher Wirtschaftsberaterin Sonja A. Buholzer. «Das kann sich sogar kontraproduktiv auswirken.» Deshalb glaubt sie auch nicht, dass Duzen ein Unternehmen erfolgreicher macht: «Das Du verbessert weder Arbeitsklima noch Kooperationsverhalten.»

Bei der Swisscom macht man sich da allerdings keine Sorgen. «Das Du ist in unserer Branche wie auch bei Swisscom heute schon sehr stark verbreitet und deshalb für die allermeisten Leute keine Umstellung. Seit letzter Woche ist es nun offiziell», erklärt Swisscom-Sprecher Sepp Huber.

Beim gemeinsamen Zmörgele und Fyrabigbier sind die Mitarbeitenden auf das neue Betriebsklima eingeschworen worden. Davon sollen letztlich auch die Kunden profitieren. Ein internes Papier dazu: «Gemeinsam überraschen wir unsere Kunden: Mit dem Versprechen ‹Wir sind da für Sie›...»

Was halten Sie vom verordneten Duzen? Diskutieren Sie mit.

Lockerer Umgang: Swisscom-Chef Carsten Schloter.- RDB

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