Hypotheken-Streit SNB kritisiert Raiffeisen-Vorschlag

BERN - In den letzten Wochen ist eine Diskussion über die Höhe des kalkulatorischen Zinssatzes bei der Hypothekenvergabe entbrannt. Nun schaltet sich auch die Nationalbank in die Debatte ein - und hebt den Mahnfinger.

Hypotheken-Streit: SNB kritisiert Vorschlag von Raiffeisen play
SNB-Vize Fritz Zurbrügg: «Auch wenn ein starker Zinsanstieg in der kurzen Frist unwahrscheinlich ist, besteht hier mittelfristig grosser Spielraum für eine substantielle Korrektur nach oben». KEYSTONE/PETER KLAUNZER

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Mit dem kalkulatorischen Zinssatz wird die Tragbarkeit einer Hypothek berechnet. Der Zinssatz liegt seit Mitte 2014 bei 5 Prozent, was dem historischen Durchschnitt der langjährigen Hypothekarzinsen entspricht.

Der kalkulatorische Zinssatz ist keine staatliche Vorgabe, sondern ein Selbstregulierungsinstrument der Banken. Er soll verhindern, dass Hausbesitzer ihre Schulden nicht mehr bedienen können, wenn die realen Zinsen innert kurzer Zeit stark ansteigen.

Allerdings ist die Hypothekenvergabe in Zeiten von Negativzinsen gerade für inlandorientierte Banken noch eines der letzten Geschäftsfelder mit attraktiven Zinsmargen. Es ist denn auch kein Zufall, dass die grösste Schweizer Hypothekarbank Raiffeisen unlängst den kalkulatorischen Zinssatz öffentlich kritisierte und als viel zu hoch anprangerte.

3 Prozent

Die Bank schlug in einer Studie vor, den Zinssatz auf 3 Prozent zu senken. Vor dem Hintergrund der hohen Immobilienpreise sei dies die einzige Möglichkeit, den Hauskauf für junge Familien mit tieferem Einkommen wieder erschwinglich zu machen, so die Argumentation. Nur so sei die breite Streuung von Wohneigentum, wie in der Verfassung vorgesehen, möglich.

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist eine Senkung des kalkulatorischen Zinssatzes dagegen ein Tabu. Im heutigen Zinsumfeld sei es von eminenter Bedeutung, dass die Banken bei der Kreditvergabe konservative Grundsätze anwendeten, sagte SNB-Vize Fritz Zurbrügg am Donnerstag in einem Referat vor der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern.

«Auch wenn ein starker Zinsanstieg in der kurzen Frist unwahrscheinlich ist, besteht hier mittelfristig grosser Spielraum für eine substantielle Korrektur nach oben», sagte Zurbrügg gemäss Redetext.

Spiel mit dem Feuer

Eine Senkung des kalkulatorischen Zinssatzes hätte laut Zurbrügg deshalb zur Folge, dass Kreditnehmer und Banken verletzlicher würden. Dies wiederum würde die gesamtwirtschaftlichen Folgen einer möglichen Preiskorrektur am Immobilienmarkt erhöhen.

Ähnliche Bedenken wie Zurbrügg äusserte jüngst auch Thomas Bauer, Präsident der Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma. Auch die Grossbank UBS hält den Vorstoss der Raiffeisen Bank in einer aktuellen Studie für ein «Spiel mit dem Feuer» (BLICK berichtete).

Nach Berechnungen der UBS könnten bereits unter dem heutigen Regime acht Prozent der Haushalte die Hypothekarzinsen nicht mehr zahlen, wenn der Zinssatz um zwei Prozentpunkte steigen würde.

Von den grossen Instituten hat sich bisher noch keine Bank hinter den Raiffeisen-Vorschlag gestellt. Einzig die Migros Bank liebäugelt ebenfalls mit einer Aufweichung der Anforderungen an die Tragbarkeit. (SDA)

Publiziert am 24.11.2016 | Aktualisiert am 25.11.2016
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11 Kommentare
  • Urs  Hagen 25.11.2016
    Die SNB kassiert Millionen an Negativzinsen von den Banken. Wenn die nun die Kohle in Häusschen verlochen können ist dies natürlich nicht interessant. Vor allem will die SNB selber Geld verlochen, wäre ja noch wenn das Volksvermögen in Immobilien angelegt wäre, bei einer Währungsreform super uninteressant, Hypotheken umwandeln in eine neue abgewertete Schrottwährung.
  • Pascal  Meister , via Facebook 24.11.2016
    Die Rechnung bei der heutigen Zinslage ist ziemlich einfach: Man kann sich Wohneigentum kaufen im Wert des 8fachen des Jahreseinkommens. Wer 100000 im Jahr verdient, kann ein Haus für 800000 kaufen. Wenn er das Eigenkapital hat.
  • Hans Rudolf   Käser aus Klingnau
    24.11.2016
    Lasst die Banken nur machen. Sie haben in der Vergangenheit bewiesen, dass Sie nicht allzu viel von Marktwirtschaft verstehen. Wenn sich niemand mehr eine Hypothek leisten kann, werden die Banken auch keine mehr vergeben können. Sie schneiden sich ins eigene Fleisch. Es gibt halt keine Geschäfte ohne Risiko. Die Banken wollen immer den Fünfer und das Weggli und auch noch die Spesen, das ist längerfristig nicht mehr haltbar.
    • Philip  Meier 24.11.2016
      Was soll jetzt hier Ihr Banken-Bashing? Die Raiffeisen will ja eben den kalkulatorischen Zinssatz senken, damit sich mehr Leute ein Haus leisten können. Es sind die FINMA und SNB, die das nicht wollen. Die UBS pflichtet der Raiffeisen nur nicht bei, damit die UBS von der SNB/FINMA nicht wieder eins auf den Deckel kriegt.
  • Franz  Méllet , via Facebook 24.11.2016
    Jemand der unter 70,000.sfr. im Jahr verdient kann eigentlich nur träumen von einem eigenem Häuschen. Die Immos sind viel zu teuer geworden, nirgends sieht man die 2 Klassengesellschaft besser. Mein Tip: Verschuldet Euch also nicht, besonders nicht im Alter, so dass ihr am Schluss jeden Franken zählen müsst. Kauft auch ein Häuschen irgendwo auf der Welt, sicher nicht in der Schweiz. Hier ist längstens Game over.
  • Thomas  Ulrich 24.11.2016
    Vielleicht kann mir das jemand erklären...
    Was rechtfertigt einen kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent, wenn ich eine Festhypothek mit einer Laufzeit von 25 Jahren für ca 2.1 Prozent abschliessen kann ?
    • Charles  Branson 24.11.2016
      Eine Festhypothek von 25 Jahren ist eh ein Spiel mit dem Feuer. Haben sie in den nächsten 25 Jahren noch ihren jetzigen Job oder ihren heutigen Arbeitsort? Wir haben zudem eine Scheidungsrate von 50 Prozent. 25 Jahre sind verdammt lange. Nehmen wir an, sie müssen nach 5 Jahren aus einer 25 jährigen Festhypothek von 800000.00 aussteigen und die Zinssituation hat sich nicht verändert. Es würde sie ein Sümmchen von rund 320000 Franken kosten. Also Finger weg!!!
    • Philip  Meier 24.11.2016
      Ja, das sehe ich auch so. Ein kalk. Zins von 5 Prozent macht keinen Sinn bei einer 25-30 jährigen Festhypothek.