US-Klage gegen den Ex-UBS-Boss Holt Vergangenheit Wuffli ein?

  • Publiziert: 24.12.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Gerd Löhrer

ZÜRICH – Buchhalterisch hat die UBS die Kreditkrise vielleicht ausgestanden. 13 Milliarden Franken aus Singapur und Saudi-Arabien füllen die Kasse. Doch nun kommen die unangenehmen Fragen. Und die Klagen. Auch der frühere CEO Peter Wuffli (50) gerät ins Schussfeld.

In der jüngsten Klage amerikanischer Aktionäre gehört Wuffli laut der Zeitung «Sonntag» zu den direkt Beschuldigten. Während sein Chef, Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel, nicht direkt beklagt wird.

Die UBS unter der operativen Führung von Peter Wuffli (bis 6. Juli) habe zwischen dem 13. März und dem 11. Dezember 2007 unwahre Angaben gemacht. Insbesondere habe sie ihre Bestände an CDO (Schuldverschreibungen auf dem US-Hypothekenmarkt) zu spät abgeschrieben. Damit habe sie den Aktienkurs hoch gehalten und so neu einsteigende Aktionäre geschädigt. Die UBS weist die Vorwürfe zurück.

In der letzten Phase von Wufflis Amtszeit wurde klar, dass sich im US-Hypothekenmarkt Unheil zusammenbraute. Doch ein UBS-Mitarbeiter, der im März 2007 seine CDO-Bestände um 20 Prozent abschreiben wollte, geriet bankintern unter Beschuss und musste gehen. Seine Chefs waren noch am Zukaufen. Noch im März verkündete die UBS frohen Mutes, die Schwierigkeiten am US-Hypothekenmarkt hätten «keinen Einfluss auf das Gesamtergebnis der UBS».

Im dritten Quartal war es dennoch so weit: 5-Milliarden- Abschreiber und Quartalsverlust. Im Dezember kam es dann knüppeldick: nochmals 11 Milliarden abgeschrieben, wahrscheinlicher Jahresverlust. Selbst jetzt rechnen Analysten noch mit drohenden Abschreibern in Milliardenhöhe – die Schätzungen gehen von 3 bis 12 Milliarden Franken.

Unruhig geworden sind auch die Aufsichtsbehörden. So will die amerikanische Börsenaufsicht SEC wissen, ob die CDO korrekt verbucht wurden.

Daniel Biedermanns Anlagestiftung Ethos droht mit einer «Sonderprüfung». Die kann vor Gericht erzwungen werden, wenn zehn Prozent der Aktienstimmen das verlangen.

Die Eidgenössische Bankenkommission will detailliert wissen, wie es zum Debakel kommen konnte und wer genau wofür verantwortlich war.

Und spätestens dann wird auch die Rolle Peter Wufflis zum Thema. Er war in der kritischen Phase der operative Chef – auch der missgeleiteten «Anlageprofis » in den USA. Sein abrupter Abgang am 6. Juli spricht Bände. Auch wenn Marcel Ospel im BLICK-Interview beteuerte, zum Thema Wuffli sei «alles gesagt, was es zu sagen gibt».

Wenn er sich da mal nicht täuscht.

play Peter Wuffli: Amerikanische Aktionäre klagen gegen ihn. (Keystone)

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