Bei Stöcklin in Dornach gibts 6% weniger Hier gratuliert der Chef zur Lohnkürzung!

  • Publiziert: 11.09.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Matthias Pfander und Guido Schätti
play Maurice Lacabane (rechts, 44): «Ich habe ja nicht die Wahl, muss schliesslich noch ein Haus abzahlen und deshalb den Kompromiss von 6% eingehen.» (Stefan Bohrer)

DORNACH - SO - Wegen des miesen Eurokurses gibt der Chef bei Stöcklin den Grenzgängern einen neuen Tarif durch.

Bald erhält die Belegschaft der Firma Stöcklin Logistik ihren September-Lohn. Für 120 der 370 Angestellten des Unternehmens aus Dornach SO wird es weniger geben. Der Firmenchef undEigentümer Urs Grütter senkt die Löhne der Grenzgänger aus Deutschland und Frankreich. «Ich bin mir bewusst, dass diese Massnahme nicht populär ist, aber sie ist nötig, um die Firma und den Standort Dornach zu sichern», so Grütter zu BLICK.

Seine Stöcklin AG stellt Gabel- und Hubstapler her und exportiert sie in die ganze Welt. Zuerst kam die Firma wegen der Wirtschaftskrise unter Druck. Jetzt leidet sie unter dem starken Franken, wie das TV-Magazin «Eco» berichtete.

Die Rechnung von Patron Grütter sieht so aus: 63 Prozent seiner Kosten muss er in Franken zahlen. 80 Prozent seiner Einnahmen macht er in Euro. Weil der Euro so schwach ist, sind seine Einnahmen gesunken, die Kosten aber gleich geblieben.

Grütter verteidigt die Lohnsenkung als faire Lösung, weil die Grenzgänger trotzdem noch vom starken Franken profitieren: «Die Mitarbeiter, die im Euro-Raum leben, haben unter dem Strich noch immer 6 bis 8 Prozent mehr Euro in der Tasche.»

Doch die betroffenen Grenzgänger sind alles andere als begeistert. Der Lohn von P.C.* sinkt dadurch um 320 Franken pro Monat. «Dabei zahlt uns die Firma Stöcklin ohnehin schon 500 bis 1000 Franken weniger als den Schweizern – für denselben Job», schimpft der Arbeiter. Er weigert sich, den tieferen Lohn zu akzeptieren und rechnet nun mit der Kündigung. Nach über 20 Jahren treuen Diensten.

Rund 15 Stöcklin-Angestellte wollen nicht klein beigeben. Und die französische Grenzgänger-Gewerkschaft CDTF will den Fall vor Gericht bringen – wegen Diskriminierung von ausländischen Mitarbeitern.

Die meisten der Betroffenen nehmen die Massnahme aber hin. «Ich habe ja keine Wahl, muss noch ein Haus abzahlen und deshalb den Kompromiss eingehen», sagt Grenzgänger Maurice Lacabane (44).

Laut Patron Grütter soll die Massnahme nur temporär gelten. Wenn sich der Euro-Kurs Richtung 1.50 bewegt, will er die Löhne wieder anheben. Das dürfte aber lange dauern. Ein Ende der Euro-Krise ist nirgends in Sicht.

* Name der Redaktion bekannt

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