SRG-Sparprogramm: 100 Stellen gestrichen Herr Walpen, werden die Gebühren trotzdem steigen?

  • Publiziert: 00.00 Uhr, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Interview: Peter Padrutt

SRG-Generaldirektor Armin Walpen (62) wird noch dieses Jahr seinen Sessel räumen. Mit BLICK spricht er über das Sparprogramm, seine Pläne und seine Krankheit.

BLICK: Wie viel Defizit machte die SRG im Jahre 2009 und wie viele sind es dieses Jahr?
SRG-Generaldirektor Armin Walpen: Der definitive Rechnungsabschluss 2009 liegt erst Mitte März vor. Wie im Bericht «Finanzbedarf 2011-2014» publiziert, erwarten wir ein Defizit von 56 Millionen Franken. Im Jahr 2010 beträgt der Fehlbetrag laut Finanzplanung trotz Stellenplafonierung und Lohnstopp 74 Millionen.

Die SRG hat ein Sparprogramm beschlossen. Wie viel Einsparungen bringt es und wie gross ist der Stellenabbau?
Wir erhöhen in den Supportbereichen die Produktivität und realisieren erhebliche Effizienzgewinne. Ab 2011 sollen damit Einsparungen von jährlich gut 15 Millionen Franken erzielt werden, und bis 2014 soll dieses Sparvolumen auf über 30 Millionen ansteigen. Das entspricht rund 15 Prozent der Supportkosten von 230 Millionen Franken. Bis 2014 werden wir in diesem Bereich rund 100 von 735 Vollzeitstellen abbauen.

Wo schlägt sich dieses Sparprogramm nieder. Wird in der Verwaltung gespart?
In den Supportbereichen IT-Infrastruktur, Immobilien, Logistik, HR, Kommunikation und Marketing sowie Finanzen, die wir überregional organisieren und optimieren können; die Bereiche Controlling und Rechtsdienst stehen noch aus. Wenn Sie das als Verwaltung ansehen, so sparen wir in der Verwaltung.

Warum wurden in den letzten Jahren bei der SRG trotzdem noch mehr Stellen geschaffen?
Wir haben in allen vier Landessprachen immer mehr Programmleistungen erbracht, sowohl neue Programme angeboten als auch die Anzahl Sendstunden kontinuierlich gesteigert. Für das Jahr 2009 hat die SRG SSR eine Stellenplafonierung auf dem Niveau des Budgets 2008 und für 2010 einen generellen und individuellen Lohnstopp für alle beschlossen.

Können Sie Gebührenerhöhungen ausschliessen?
Darüber hat der Bundesrat zu entscheiden. Die SRG SSR kann weder über ihre Einnahmen noch über Sparmassnahmen alleine befinden, insoweit es um ganze Programmangebote geht.

Das Bakom will auch Restaurants und Gewerbler zwingen, Gebühren zu zahlen. Finden Sie das fair, wenn diese Leute schon zuhause Gebühren bezahlen?
Festlegung und Erhebung der Gebühren ist Sache der Bundesbehörden. Für uns wie auch für die privaten Anbieter ist es wichtig, dass alle Gebührenpflichtigen erfasst werden und damit Gebührengerechtigkeit gewährleistet ist.

Der neue Generaldirektor soll im Mai gewählt werden, also bevor sie Ende 2010 das Amt ablegen. Macht es nicht Sinn, dass Sie früher gehen, um dem Nachfolger im Herbst die Budgetplanung zu übergeben?
Die SRG SSR befindet sich nach der Statutenrevision und mit der Medienkonvergenz im Umbruch. Die ganze Organisation ist gefordert wie selten zuvor in ihrer fast 80jährigen Geschichte. Der Verwaltungsrat erwartet von mir, die Change-Projekte zügig weiter zu führen. Diesem Auftrag werde ich bis Ende Jahr nachkommen.

Sie sind im Gremium, das nach Abschluss der Konvergenz den Intendanten von Radio und Fernsehen wählt. Macht es Sinn, dass Sie als Abtretender die Zukunft mitbestimmen?
Ich bin nicht Mitglied des Gremiums, das den neuen Generaldirektor wählt. Die Statuten der SRG SSR sehen indessen zwingend vor, dass der Generaldirektor im Wahlausschuss Einsitz nimmt, also im Gremium, das die Wahlen vorzubereiten hat.

Haben Sie sich Gedanken gemacht, ob sie dieses Jahr noch durchziehen wollen? Denn Sie sind Ende letzten Jahres schwer erkrankt und lagen sogar auf der Intensivstation.
Ja, es stimmt. Ich war wegen einer Lungenentzündung im Spital. Jede ernsthafte Erkrankung ist auch eine Zäsur und bietet Anlass zu grundlegenden Fragen. Einen vorzeitigen Rücktritt habe ich jedoch nie in Erwägung gezogen, weil ich wieder völlig hergestellt bin, das heisst keinerlei Nachwirkungen verspüre.

Warum haben Sie bisher nicht über diese Lungenentzündung gesprochen?
Für mich ist das eine private Angelegenheit, die nur dann öffentlich relevant wäre, wenn ich in meiner Berufsausübung eingeschränkt wäre und das bin ich nicht.

Wie geht es Ihnen heute?
Gut!

Was machen Sie nach Ihrer Pensionierung?
Sicher werde ich mir mehr Zeit für die Familie nehmen, insbesondere für meinen Enkel, und darauf freue ich mich; alles andere ist offen.

play Noch bis Ende Jahr SRG-Chef: Armin Walpen freut sich auf seine Pensionierung (SoBli)

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