Heikler Schritt von Google-Boss Eric Schmidt Der Ex-Hippie arbeitet jetzt fürs Pentagon

SAN FRANCISCO/WASHINGTON - Der ehemalige CEO und VR-Präsident von Googles Mutterfirma Alphabet, Eric Schmidt, geht zum US-Verteidigungsministerium. Er soll dort in Sachen Innovation beraten. Ein Tabu-Bruch im Silicon Valley?

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Google-Präsident Eric Schmidt (l.) mit Staatssekretär für Verteidigung Ash Carter Tim D. Godbee/Pentagon

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Es ist ein Schritt, den viele befürchtet, aber lange als nicht wirklich realistisch abgetan hatten: Der Suchmaschinenriese Google verbrüdert sich mit dem Staat. Und zwar nicht etwa mit irgendeinem US-Ministerium, sondern mit dem für Verteidigung, dem Pentagon.

Eric Schmidt, ehemaliger Google-CEO wird Chef eines neuen Gremiums, das das Pentagon in Sachen Innovation beraten soll. Wie das Pentagon auf einer Konferenz in San Francisco am gestrigen Mittwoch mitteilte, sollen Organisation, Prozesse und Kultur des Ministeriums verbessert werden, indem man «die Vorkämpfer aus dem privaten Sektor im Silicon Valley und darüber hinaus anzapft».

Zapfen US-Militärs Google-Technik an?

«Das Beratungsgremium zu Verteidigungsinnovation wird Ratschläge zu den besten und jüngsten Praktiken und Innvationen machen, denen das Ministerium folgen kann», erklärte Pentagon-Sprecher Peter Cook.

Lässt sich dieser Schritt mit Googles ursprünglichen Firmen-Slogan «Don't be evil» (Sei nicht böse) vereinbaren? Will das US-Militär vielleicht Daten aus dem Silicon Valley für die Programmierung neuer Waffensysteme verwendet? Schliesslich investiert Google in seinen Labs viel in Zukunftstechnologien. Und hat mit dem selbstlenkenden Auto schöne Erfolge vorzuweisen.

Pikant ist: Der Innovations-Transfer wird kaum abebben. Schmidt ist zwar nicht mehr Google-CEO. Er ist aber amtierender Präsident des neu geschaffenen Google-Mutterkonzerns Alphabet. Wie Wikileaks auf Twitter anmerkt, wird Schmidt eine Doppelrolle spielen: «Nein, er legt seine Ämter bei Alphabet und anderen nicht nieder.»

Eigentlich ist das Silicon Valley staatsskeptisch

Zwar sind Wirtschaft, Militär und Politik in den USA enger miteinander verflochten als in anderen Ländern. Die Silicon Valley-Unternehmen hielten sich aber meistens fein raus. 

Viele Gründer von der Westküste sind in der libertäre Hippie-Bewegung der 60er Jahre politisch sozialisiert worden und daher äusserst staatsskeptisch. Nicht umsonst weigert sich Apple strickt, mit dem FBI zusammenzuarbeiten. Auch Google hat ein Container-Schiff, um in internationalen Gewässern und damit ausserhalb staatlichen Einflusses zu forschen.

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Eric Schmidt am Burning-Man-Festival 2004.

Und eigentlich hat auch der bieder wirkende Schmidt Sympathien für die Hippies. Schliesslich ernannte ihn das Google-Gründer-Duo Brin/Page 2004 der vielkolportierten Legende nach nur darum zum CEO, weil er der einzige Kandidat war, der das Burning-Man-Festival besuchte.

Schulterschluss bahnte sich schon länger an

Noch misstrauischer gegenüber den Behörden waren die Tech-Unternehmen 2013 geworden, nachdem Edward Snowden die Massenüberwachungsmethoden der NSA enthüllt hatte. Snowden twitterte den neuen Job von Schmidt mit einem nachdenklichen Emoji.

 

Googles Schulterschluss mit dem Pentagon irritiert viele. Dabei hat sich offenbar eine Verwebung mit dem Staat schon länger abgezeichnet, wie Wikileaks-Gründer Julian Assange in seinem Buch «When Google Met Wikileaks» (Als Google Wikileaks traf) schreibt.

So kam beispielsweise Jared Cohen, der Chef vom Thinktank Google Ideas, 2010 vom US-Aussenministerium. 2014 hielt er an der West Point Militär-Akademie eine Vorlesung. Schmidt selbst nennt Cohen einen «geopolitischen Visionär».

Publiziert am 03.03.2016 | Aktualisiert am 03.03.2016
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1 Kommentare
  • Maxi  Niederberger 03.03.2016
    Jeder hat eine Vergangenheit, bei uns in derSchweiz auch.