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Als der Bund vor zwei Jahren sein Raumkonzept vorstellte, ging ein Aufschrei durch den ganzen Kanton Bern. Die Rede war von den drei Metropolitanräumen Zürich, Basel und Genf. Und Bern? Bern zählte der Bund nicht dazu.
Der Aufstand hat sich gelohnt: Inzwischen hat der Bund seine Pläne angepasst – er nahm die Hauptstadtregion in die Liga der vier grossstädtischen Räume der Schweiz auf. Zu dieser Region gehören auch die Kantone Solothurn, Freiburg, Neuenburg und Wallis
Jetzt müsse die Lokomotive Bern vorwärtsmachen, meinte Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher diese Woche bei der Vorstellung der künftigen Wirtschaftsstrategie. Ziel: Der Kanton soll bis in 15 Jahren ökonomisch viel schlagkräftiger, der Wohlstand der Bevölkerung massiv gewachsen sein.
Wie sollen die ehrgeizigen Ziele erreicht werden?
Nur: Wie kann der Kanton seine ehrgeizigen Ziele erreichen? Über diese Frage stritten sich am Mittwoch im Hotel Bellevue Palace auf Einladung von SonntagsBlick und Kuoni fünf Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Publizistik.
Für SVP-Nationalrat Rudolf Joder hat der Kampf um Wirtschaftskraft viel mit dem Kampf im Bundeshaus zu tun. Konkret: mit dem Verteilkampf um Gelder. So habe das multikantonale Lobbying der Hauptstadtregion erfolgreich verhindert, dass der Bund mehrere Millionen Franken für die Unis Freiburg und Neuenburg gestrichen habe.
Das sei tatsächlich ein Erfolg gewesen, meinte Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP) – auch deshalb, weil man in Bern endlich eingesehen habe, über die Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten, wenn man gegen aussen etwas erreichen wolle.
«Mini-Universitäten» wie Neuenburg zu fördern, finde er «absurd», meine dagegen Wirtschaftspublizist Beat Kappeler – und genauso unsinnig sei es, wenn das Wallis beginne, in Universitäten zu investieren. «Das gibt kein Weltniveau, keine Exzellenz.»
Peter Pauli, Chef der Meyer Burger Technology AG, entgegnete heftig: «Entscheidend ist die Infrastruktur», sagte er. «Bildungsstätten zusammenstreichen und zentralisieren ist das Schlimmste, was wir machen können! Damit treffen wir einen Lebensnerv des Technologiestandorts Schweiz. Den müssen wir stärken, nicht schwächen.»
Gemeinsam werben
Zu stärken sei auch der Tourismus, meinte Unternehmerin Franziska von Weissenfluh – allerdings müsse auch dort mit der Kleinkrämerei endlich Schluss sein: Statt sich in Regionen aufzuspalten, solle das Berner Oberland – ähnlich wie das Tirol – gemeinsam Touristen anlocken.
Punkto Steuern räumte Volkswirtschaftsdirektor Rickenbacher «Handlungsbedarf» ein – plädierte aber gleichzeitig dafür, Pendler nicht mehr steuerlich zu begünstigen. Solange die Schweiz dieses System anwende, würden sich die Leute in «Trittbrettfahrer-Kantonen» ansiedeln, die nicht die volle Infrastruktur wie Bern zur Verfügung stellten.