Häusle-Bauer reiben sich die Augen Gibts bald Hypotheken zum Negativzins?

ZÜRICH - Wohin nur mit dem vielen billigen Geld? 10-Jahres-Hypozinsen von Versicherungen zu 1 Prozent sind kein Rechnungsfehler mehr. Und es könnte bald noch günstiger kommen.

Die Differenz zwischen billigen und teuren Kantonen macht im Jahr mehere Tausend Franken aus. play
Keine Zinswende bis 2020? Banken und Versicherungen wissen nicht, wohin mit ihrem Geld. Hypothekennehmer profitieren. Keystone

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Als 10-Jährige Hypotheken zu einem Zins von zwei Prozent vermittelt wurden, staunte die Bevölkerung bereits. Doch seither hat sich der Anlagedruck auf Banken, Versicherungen und Pensionskassen nochmals verschärft.

Und mittlerweile erreichen die Zinssätze für 10-Jährige Festhypotheken eine neue Grenze. Silvan Kaufmann, vom Hypothekenvermittler Hypoplus/Comparis, sagt zur «Schweiz am Sonntag»: «Das gilt derzeit zwar nur für die besten Schuldner, aber es ist so: Wir vermitteln derzeit Festhypotheken von Versicherungen über 10 Jahre zu einem Zinssatz von 1.0 Prozent.»

Das sei immer noch für die Versicherungen noch ein gutes Geschäft. «Es ist auf jeden Fall viel attraktiver, als das Geld bei der Nationalbank zu minus 0.75 Prozent zu parken.» Die Banken können derzeit mit den günstigsten Versicherungs-Angeboten nicht mithalten. Das gilt zwar schon seit langem, aber der Abstand hat sich nochmals vergrössert.

Risiko eines baldigen Zinsanstiegs ist klein

Früher konnte Kaufmann mit Versicherungs-Hypothken gegenüber Banken noch «einen Abschlag von 0.2 bis 0.4 Prozentpunkte für den Kunden herausholen.» Heute sei die Differenz indessen bereits doppelt so hoch: 0,4 bis 0,8 Prozent. Das sind aus Sicht der Hypothekarnehmer an sich traumhaft. Dennoch rät Adrian Wenger, vom VZ Vermögenszentrum, vom Abschluss zehnjähriger Festhypotheken ab.

Man müsse sich fragen, warum man solche Konditionen angeboten bekomme. «Ich würde da nicht aufspringen, sondern abwarten.» Am Markt gehe man davon aus, dass die Zinsen noch bis 2020 negativ bleiben würden. «Das Risiko eines baldigen Zinsanstiegs ist klein. In die umgekehrte Richtung ist vieles möglich.»

Hypotheken für Banken immer noch lukrativer als der Geldmarkt

Die Schweiz hat nun seit bald einem Jahr negative Zinsen. «Bislang haben Banken, Versicherungen und Pensionskassen mehr oder weniger weitergemacht wie bisher», sagt Wenger zur «Schweiz am Sonntag». Doch allmählich müssten sie sich an die neuen Gegebenheiten anpassen.

«Die grossen Entscheide stehen noch an», sagt Wenger. Dann seien zehnjährige Festhypotheken auch zu 0.5 Prozent möglich. Eine Versicherung beispielsweise habe die Wahl, ihr Geld zu einem Minuszins von 0.75 Prozent am Geldmarkt anzulegen. Oder sie könne eine zehnjährige Festhypothek zu 0.5 Prozent vergeben. «An der Festhypothek verdient sie immer noch um 1.25 Prozent mehr.»

Festhypotheken über 10 Jahre zu 0.5 Prozent – Hypothekarnehmer könnten ihr Glück kaum fassen. Wer früher schon zu einem Prozent gebunden hat, würde auf einmal vergleichsweise viel zahlen. Dass die Zinsen weiter fallen, hat einen einfachen Grund: Banken, Versicherungen und Pensionskassen wissen nicht wohin mit ihrem Geld.

Kommt sogar die Null-Zinsgrenze ins Wanken?

10-Jährige Bundesobligationen warfen Ende der Woche nur eine Rendite von minus 0.21 Prozent auf. Alte Gewissheiten geraten ins Wanken. «Es gibt Spekulationen in alle Richtungen», sagt Wenger zur «Schweiz am Sonntag». So habe es für Hypotheken aller Arten und über alle Laufzeiten bislang eine Untergrenze von Null-Prozent gegeben.

Doch diese Grenze gerate durch die Negativzinsen unter Druck. «Dass wir Negativzinsen auf Hypotheken sehen werden, ist nicht mehr ausgeschlossen», sagt Wenger. Der Anlagedruck sei dafür bereits heute gross genug. «Sollte die SNB die Negativzinsen nochmals heraufsetzen, wird es nochmals schwerer, die Null-Grenze aufrechtzuerhalten.»

Davon wären als erstes Geldmarkt-Hypotheken betroffen. Das VZ rät seinen Kunden schon seit langem zu Geldmarkthypotheken. «Die Kunden zahlen nur rund halb so viel und erhalten de facto nicht weniger Sicherheit.»

Publiziert am 06.12.2015 | Aktualisiert am 06.12.2015
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8 Kommentare
  • Markus  Engeler aus Ban Nong Sangna
    07.12.2015
    Juhui - so kann ich mir bald meine Traum 2.5 Zi Wohnung fuer nur 2,3 Mio Franken zwischen dem Gueterbahnhof und der Autobahn leisten. Danke Herr Jordan.
  • Lionel  Werren aus das Original
    07.12.2015
    Und warum rät das VZ von 10-jährigen Hypotheken ab?
  • Jean-Pierre  Wüthrich , via Facebook 07.12.2015
    Aber dafür steigen die Immobilienpreise und noch kommt dazu, dass es in gewissen Familien zu Streitereien kommt, denn die Immobilienpreisen bei Erbschaften, etc. , denn jeder will so viel wie möglich, dass das Haus so hoch wie möglich geschätzt wird, dass die Geschwister viel Geld bekommen, etc.
  • alois  Leimgruber aus Villmergen
    07.12.2015
    Das wäre etwas ganz neues. Wenn ich eine Hypothek von 500 000 Fr habe würde ich bei 1 Prozent Negativzins 5000 Fr pro Jahr von der Bank zurückbekommen, wäre doch wunderbar ?
  • Adrian  Gerber aus Aarberg
    06.12.2015
    Die Höhe der Hypothek und die Qualität des Objekts und des Schuldners werden bei den Zinssätzen eine entscheidende Rolle spielen.
    Gemäss Comparis liegt die Bandbreite bei den individuelle Konditionen
    comparis.ch-Nutzer für 10 jährige Hypotheken im Moment zwischen 1.03 und 1.42 Prozent.