Händlerinnen wollen sich die hohen Einkaufspreise nicht mehr bieten lassen Sie bieten Mammut die Stirn

Otto's verkauft Mammut-Artikel in der Schweiz zu Schleuderpreisen. Nun kommen auch andere Sportartikel-Händler auf den Geschmack. Sie würden von Mammut geschröpft, kritisieren die Händlerinnen Agnes Brühlmann (61) und Rita Zimmermann (64).

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Lehrlinge zeigen ihren Arbeitsalltag Coop startet Snapchat-Offensive
2 Trauriger Rekord Caritas-Märkte für Arme boomen
3 Theresa May hat Grosses vor Die Briten träumen wieder vom Empire

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
17 shares
44 Kommentare
Fehler
Melden

Agnes Brühlmann (61) und Rita Zimmermann (64) sind schlecht zu sprechen auf den Sportartikelhersteller Mammut aus Seon AG. Die Chefinnen von Adventura Sports führen zwei Sportfachgeschäfte in Oberwil BL und Frenkendorf BL sowie einen Outlet in Bubendorf BL mit total 20 Angestellten.

Noch vor zwei Jahren kauften sie für eine halbe Million bei Mammut ein. Letztes Jahr waren es immer noch Waren für 250'000 Franken. Seit Mammut die Öffnungszeiten der eigenen Outlet-Filialen ausbaut und den Internet-Shop forciert, sind bei Adventura Sports die Umsätze mit Mammut-Artikeln regelrecht eingebrochen. «Der Händler bleibt bei Mammut auf der Strecke», sagt Brühlmann.

«Wir bleiben auf unseren teuer gekauften Produkten sitzen»

«Die Kunden kommen zu uns in den Laden und lassen sich beraten», klagt Zimmermann. «Dann gehen sie in den Mammut-Outlet oder bestellen die Ware online. Und wir bleiben auf unseren teuer eingekauften Produkten sitzen.» Im Juli kam es zum Bruch. «Wir sind sauer auf Mammut. Und haben uns entschieden, die Artikel nicht mehr in der Schweiz zu beziehen.»

Der Outdoor-Hersteller weist die Kritik zurück. «Die Mammut-Händlerpreise liegen in der Schweiz im Schnitt um rund zehn Prozent über denjenigen im Euro-Raum», sagt Thomas Brock, Verkaufsleiter Mammut Schweiz. Hiesige Kosten für Kundenservice, Vertrieb und Infrastruktur seien höher.

Mammut verkauft Restposten selbst

Und wie andere Markenhersteller komme auch Mammut nicht darum herum, selber Restposten zu vertreiben. «In unseren Outlets verkaufen wir ausschliesslich Waren aus der vergangenen Saison», sagt Brock. Damit stehe man nicht in direkter Konkurrenz zum Fachhandel.

Letzte Woche machte BLICK den Schnäppchen-Zoff zwischen Otto’s und Mammut publik. Und dass die Wettbewerbskommission (Weko) prüft, ob Otto’s bei den Parallelimporten aus Deutschland behindert wird.

Die Inhaberinnen von Adventura Sports kann Mammut wohl nicht mehr besänftigen. Das Geschäft mit Sportartikeln sei derzeit «nur noch ein grosser Kampf», sagen sie. Die Einkaufspreise in der Schweiz seien viel zu hoch, kritisiert Agnes Brühlmann: «Die Marge sinkt. So können wir nicht überleben.»

Als Händler in Grenznähe habe man sowieso zu kämpfen. Die Preisdifferenzen bei Sportartikeln seien gross. «Wir zahlen höhere Mieten und Löhne. Und werden von den Herstellern auch noch geschröpft.»

Kann Otto’s aushelfen?

Weil sie ihren Kunden aber dennoch Mammut-Artikel anbieten wollen, suchen Brühlmann und Zimmermann im Ausland nach anderen Einkaufskanälen. Etwa in Deutschland. Zudem nahmen sie Kontakt mit Otto’s-Chef Mark Ineichen (45) auf. Sie würden Mammut-Produkte gerne bei ihm beziehen, heisst es im Brief, der BLICK vorliegt. «Es wäre schön, wenn wir mit Otto’s ins Geschäft kommen könnten», sagt Zimmermann.

Doch der Otto’s-Chef gibt ihnen einen Korb. «Ich kann meine Bezugskanäle nicht offenlegen», sagt er zu BLICK. Er laufe sonst Gefahr, dass diese von den offiziellen Importeuren geschlossen werden. «Es ist eine Grundregel des direkten Imports, dass man so unauffällig wie nur möglich einkauft.»

Publiziert am 01.11.2016 | Aktualisiert am 21.12.2016
teilen
teilen
17 shares
44 Kommentare
Fehler
Melden

44 Kommentare
  • Aleksandar  Pavic , via Facebook 01.11.2016
    Warum unbedingt Mammut? Es gibt viele andere schöne Outdoor Kleidermarken! Am Ende kommt sowieso alles aus China nur der Name ist anders! Mammut produziert auch in Rumänien, vielleicht wird dort die Ware von Ottos direkt eingekauft?!
  • Roland  Meier aus St.Gallen
    01.11.2016
    Es ist einfach eine Riesensauerei sich in Fachgeschäften in der Schweiz gratis beraten zu lassen und dann die Ware im Ausland oder Online einzukaufen. Was ist das denn für eine Ethik?
  • Urs  Saladin , via Facebook 01.11.2016
    Das muss doch zu denken geben: Mammut liefert nach Deutschland, Ottos kauft in Deutschland, transportiert die Ware in die Schweiz zurück und muss diese wohl noch verzollen von der Menge her. Der deutsche Händler verdient, Mammut verdient und Ottos verdient, trotz dem ganzen Mehraufwand und bei Preisen, die massiv unter den offiziellen Preisen der Schweizer Händler liegen! Zockt nun Mammut oder die Schweizer Händler den Schweizerkunden so massiv ab?
    • Eugen  Inauen 01.11.2016
      Die Ware kommt doch per Frachter nach Hamburg oder
      Bremen, die hat die Schweiz doch nie gesehen. Auch
      Graumarkt-Ware kommt so rein. Otto ist auch
      ein Stocklot Kunde bei seinen Lieferanten
      und das ist einmal ein anderes Business
      als das Regulaere..
  • Andreas  Steffen aus Thörigen
    01.11.2016
    So lange unsere Lausbuben vom National- und Ständerat nichts gegen die überrissenen Preise unternehmen, ändert sich nichts an der momentanen Lage. Merke: "Die Lausbuben vertreten nicht die Interessen des Folkes, sie vertreten nur die eigenen Profite". Was kann man dagegen tun? Bei den nächsten Wahlen den Lausbuben besser auf die Finger schauen und nicht jeden Mist glaube, den sie erzählen.
    • Snoopy  Brown 02.11.2016
      Ja, aber ein Wechsel nützt absolut nichts, weil dann die
      Lausbuben der anderen Seite am Ruder sind. Die fischen auch nur in die eigene Tasche.
  • Dani  Meier aus at home
    01.11.2016
    Die Entwicklung des Margendrucks zieht sich durch einige Branchen. Nach und nach. Abhilfe kann nur noch durch Regulierungen in der Finanzbranche und der Börsenkultur gelingen, was jedoch kaum passieren wird, da zu viele Abhängigkeiten im System vorhanden sind. Und der Mensch neigt wie ein Süchtiger dazu, alles an die Wand zu fahren. Die Globalisierung hat versagt. Nur will dies da oben keiner wahrhaben, solange seine Taschen gefüllt werden.