Erstes Interview nach Abgang Grübel giftelt gegen Villiger und Ermotti

  • Publiziert: 23.11.2011, Aktualisiert: 14.01.2012

In einem Interview zieht der Ex-UBS-Chef über Bankenregeln her, stellte den Einfluss des Verwaltungsrats infrage und äussert sich erstmals zu seinem Nachfolger.

Die strengeren Eigenkapitalvorschriften bedeuteten, «dass die Wirtschaft weniger wachsen wird», sagte Grübel Interview mit der «Basler Zeitung». «Es gibt kein Wirtschaftswachstum, wenn die Banken gezwungen werden sich zu verkleinern.» Alles andere sei eine Illusion.

Grübel räumt indes ein, dass es «auch nicht einfach» sei, eine gute Lösung zu finden. «Eine Vorbedingung dafür wäre es, dass die Politik in Europa eine einheitliche Sicht darauf hat, wie sich die Wirtschaft entwickeln soll. Aber genau das fehlt.»

«Wenn schon ein Schweizer zur Verfügung steht ...»

Über seinen Nachfolger an der Spitze der UBS, Sergio Ermotti, sagt Grübel, als er ihn angestellt habe, habe er nicht daran gedacht, dass Ermotti sein Nachfolger sein könnte. Bei Ermottis Wahl habe wohl auch eine Rolle gespielt, dass er Schweizer sei. Der Verwaltungsrat habe sich wohl gedacht, «wenn schon ein Schweizer zur Verfügung steht, dann nehmen wir den auch».

Grübel betont, dass er «absolut freiwillig» als UBS-Chef zurückgetreten sei. Er habe wenige Stunden nach dem Aufliegen des Milliardenverlusts eines Londoner Händlers gewusst, «dass ich den Reputationsschaden für die Bank nur stoppen kann, wenn ich selber gehe».

Grübel stellt zudem die heute in der Schweiz gängige Arbeitsteilung zwischen Konzernleitung und Verwaltungsrat in Frage. Verwaltungsratsmitglieder seien oft branchenfremd und somit überfordert, eine Strategie für ein Unternehmen festzulegen, wie dies gesetzlich vorgesehen wäre.

Verwaltungsrat: «völlig überbewertet»

Auch die Rolle des Verwaltungsratspräsidenten hält er für «völlig überbewertet». Man gebe ihm «viel mehr Verantwortung als er wahrnehmen kann». Es sei das Management, dass die Strategie festlege, der Verwaltungsrat ändere sie höchstens noch «da und dort» etwas ab. «Die Macht, die man ihm andichtet, ist in Wirklichkeit gar nicht vorhanden.»

Der Verantwortungsbereich des Verwaltungsrates sei in der Schweiz nicht mehr zeitgemäss und müsste überdacht werden. Die Hauptaufgabe des Verwaltungsrates «ist und muss es sein, die Geschäftsführung einzusetzen und abzusetzen». (sda/alp)

UBS-CEO Oswald Grübel (Archiv) play Oswald Grübel ist «absolut freiwillig» als UBS-Chef zurückgetreten. (sda)

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