Posten ohne Einkaufs-Wägeli Grossverteiler basteln am Laden der Zukunft

BERN - Heute öffnet der erste online Drive-in der Migros. Doch die Grossverteiler haben noch viel mehr vor: Sie wollen das Wägeli aus dem Laden verbannen.

  • Publiziert: 18.10.2012, Aktualisiert: 19.10.2012
  • Von Roger Baur
Nadine Andrey play

Vorfahrt für Online-Shopper: Der Drive-in eröffnet am Freitag.

Die Berner Testkunden machten grosse Augen, als ihnen vor einigen Wochen der Laden der Zukunft vorgestellt wurde: Da gibts weiter jedes Produkt zum Anfassen, sogar zum Ausprobieren. Doch statt ins Wägeli legt man hier das Produkt nur via Smartphone in einen virtuellen Warenkorb. Dann geht man zur Kasse – wo schon die gepackte Einkaufstasche wartet.

Parkplatz ja, aber kein Eingang

Laut Insidern war es die Migros, die hinter dem Testladen steckt. Doch Stellung nehmen will sie dazu nicht. Nicht erstaunlich: Denn das Shopping der Zukunft kommt in die entscheidende Phase.

Und morgen Freitag geht ein erstes Projekt aus der Küche der Planer «live»: Der erste Drive-in der Migros-Tochter LeShop ist mehr als nur ein Abholmarkt für Online-Bestellungen. Wer am Morgen bestellt, kann in Studen bei Biel BE nicht nur versandkostenfrei, sondern auch frischer abholen als bei Heimlieferung.

Der Drive-in bietet frische Produkte direkt aus der Region. In Staufen AG ist bereits der zweite geplant.

Mitbewerber Coop hat in der Stadt Zürich seit November 2011 ebenfalls einen Drive-in in Betrieb. Mit mässigem Erfolg.

Der Grosseinkauf verschwindet

Für die Macher hinter der neuen Strategie ist klar: Der samstägliche Grosseinkauf verschwindet immer mehr.

Die Kunden von heute wollen flexibel, frisch und unregelmässig Ware beziehen. Diese Ansprüche gilt es unter einen Hut zu bringen, wie Christian Wanner, Mitgründer und Chef von LeShop erklärt.

«Im Supermarkt der Zukunft können die Kunden nicht nur an jedem beliebigen Ort und zu jeder Zeit einkaufen, sondern auch frei wählen, wo und wann sie die Waren entgegennehmen wollen.» Denn, so Wanner: «Familien verändern sich, berufstätige Mütter und Väter wollen bequem und flexibel einkaufen und dabei Zeit sparen.»

Auch Coop bastelt am Laden der Zukunft. Hier hat man intern eine App-Strategie ausgerufen. Das Smartphone soll eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Ein erster Schritt ist die «Passabene-App», mit dem die Warteschlange an der Kasse umgangen werden kann. In diesen Tagen wird es gerade auf den Kanton Bern ausgedehnt – in Heimberg und am Bahnhof Biel kann damit eingekauft werden.

Beliebteste Kommentare

  • Toni  Ott , via Facebook
    Wenn dem so ist werde ich in kurzer Zeit den ersten Tante-Emma-Laden eröffnen, ohne Smartphone, genau so wie es existierte vor einigen Jahrzenten, persönlich bedient, na ja ein Verkaufspunkt der zugleich persönlicher Treffpunkt sein wird. Ade moderne Technologie !!! Das ist die Zukunft !!!
  • Markus  Bieber
    Nachdem man die Verteilzenter auf Vollautomatisation umgestellt hat und so auch Arbeitsplätze abgebaut hat geht es nun den Verkäuferinnen an den Kragen. Was brauchts ein Laden der Zukunft, wenn niemand Geld hat um einzukaufen? Mehr Arbeitsplätze zu schaffen wäre eine intelligentere Idee.

Alle Kommentare (30)

  • Christian  Ersing , via Facebook
    Wie wäre es den Einkauf fast ganz abzuschaffen? Kein Stress nach der Arbeit, kein Stau, keine Gedanken über "was esse ich heute" um dann festzustellen, dass die wichtigsten Zutaten nichtmehr verfügbar sind... es gibt da ein neues Konzept von der Firma kochpost in Zürich. Die liefern in der ganzen Deutschschweiz wöchentlich tolle Rezepte und darauf abgestimmt frische und saisonale Zutaten am Abend direkt nachhause....
    • 19.10.2012
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  • Andy  Crow , Zürich , via Facebook
    Und die 100000 Mitarbeiter die in Läden arbeiten, freundlich bedienen etc. unterstützt dann das Sozialamt?? Wen IHR Migros und Coop was ändern wollt macht es endlich bei den Preisen, da seit ihr schon wieder sehr ruhig geworden! Die Migro hat sich zum unsozialsten Laden entwickelt. Der Gründer würde sich im Grabe umdrehen!
  • Peter  Stoffel , Rorschach
    Da werde ich sicher nicht einkaufen. Ich liebe es, durch die Regale zu gehen, die Ware die ich kaufen will anzufassen und sie in mein Wägelchen zu legen. Hie und da belästige ich eine Angestellte mit meinen Fragen. Mir macht Einkaufen Spass, es gehört zu meinen täglichen Vergnügungen, auch wenn ich die Ware nachher Zuhause hoch schleppen muss.
  • Ivan  Salianov
    Ich will kein Smartphone, sondern grosszügige Oeffnungszeiten!!!
  • Maja  Naef , via Facebook
    ich kaufe doch keine Ware ohne sie geprüft zu haben. Ich will z.B einen Emmentaler der weniger Löcher hat, weiss das der Automat der die Ware am Ende zusammenstellt?
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