Grosse Sammelwut der Detailhändler Das wissen Coop und Migros alles über uns

So nutzen Migros und Coop die Kundendaten der Online-Shopper. Künftig wird auch das Surfverhalten der Kunden ausgewertet.

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Die Migros weiss von rund 2,8 Millionen Kunden exakt, wann und wo sie was einkaufen. Cumulus-Karte sei Dank. Der orange Riese will aber noch mehr wissen. Und dringt ab sofort noch tiefer ins Privatleben seiner Kunden ein. Migros wertet das Surfverhalten auf ihren Websites aus. Künftig weiss der Detailriese auch, was wir anklicken, wenn wir zu Hause surfen.

«Wir wollen dem Kunden weniger, dafür personalisierte Werbe- und Aktionsangebote machen», sagt Migros-Sprecherin Martina Bosshard. Ein Beispiel: Die Migros registriert es, wenn ein Kunde sich auf der Homepage Bioprodukte anschaut. Und schickt ihm dann mit dem nächsten Cumulus-Versand einen Rabattgutschein für neue Bioprodukte.

Neue AGB auf freiwilliger Basis

Die Migros spielt in Sachen Datensammlung mit offenen Karten. Wer die Onlineshops von Melectronics, Micasa und ­SportXX besucht, die App benutzt oder über ein M-Connect-Login auf der Migros-Homepage surft, wird seit 30. September aufgefordert, einer neuen Datenschutzerklärung zuzustimmen. Auf freiwilliger Basis, Cumulus-Punkte gibts auch ohne Ja zu den neuen AGB.

Gläserner Konsument

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) macht seit Jahren auf Missstände beim Datensammeln aufmerksam. «Die Kunden geben den Unternehmen wertvolle Daten preis. Für ein Schnäppchen!», sagt SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo (55, LU). Für die SKS-Präsidentin ist klar: «Die Kombination von Daten von Kundenkarten mit Informationen, die man aus der Überwachung des Surfverhaltens gewinnt, macht den gläsernen Konsumenten perfekt.» Denn: Die Firmen kämen so auch an Informationen zu Einkaufsgewohnheiten, finanziellen Verhältnissen und der Familien­situation.

Dass Kunden wie im Fall der Postfinance (siehe Box) etwas aufgezwungen werde, was sie nicht explizit gewünscht hätten, sei «äusserst kundenunfreundlich».

Auch Coop wertet das Surfverhalten seiner Kunden aus. Etwa bei Fust oder beim Weinklub Mondovino. Dort schaut der Detailhändler, welche Weine ein Kunde auf der Homepage anklickt.

Warenkorbanalysen

Und verschickt dann entsprechende Empfehlungen. Konkret: «Ein Weinliebhaber, der ein grosses Interesse an Schweizer Winzern und Weissweinen hat, bekommt keinen australischen Shiraz empfohlen», erklärt Coop-Sprecherin Denise Stadler. «Wir führen Warenkorb­analysen aber erst durch, wenn der Kunde die neuen AGB explizit akzeptiert hat.»

Coop geht vielleicht bald noch einen Schritt weiter. «In Zukunft ist auch denkbar, dass wir mit den Erkenntnissen aus dem Surfverhalten unser phy­sisches Sortiment optimieren können. Je besser man die Kunden kennt, desto besser kann man das Sortiment gestalten.»

Publiziert am 06.10.2014 | Aktualisiert am 06.10.2014
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«Der gläserne Konsument ist perfekt.» Prisca Birrer-Heimo

Marco Zanoni

Postfinance krebst zurück

Bern – Auch Postfinance will elektronische Kunden­daten künftig zu Geld machen. Und die sensiblen Daten für Geschäfte mit Drittfirmen verwenden. Deshalb wird die Post-Tochter im Frühling 2015 ein Schnäppchen-Portal mit personalisierten Angeboten aufschalten. Den neuen Geschäftsbedingungen muss man aber jetzt schon zustimmen. Die Ansage war deutlich: Wer dies bis am 12. Oktober nicht tut, kann das E-Banking nicht mehr nutzen. Seine Daten für den Handel sperren kann man aber erst im April nächsten Jahres. Bis dahin will Post­finance die Daten aller Kunden auswerten, oder besser: wollte. Denn Postfinance krebst auf Druck der Kunden zurück, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Wer nicht will, dass seine Daten ausgewertet werden, kann es jetzt schon melden. Brief oder E-Mail an Post­finance genügen.

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56 Kommentare
  • Floda  Rebew , via Facebook 06.10.2014
    Lidl und Aldi und Denner lasst grüssen Barzahlung , wir haben es in der Hand
  • Jürg  Greiff 06.10.2014
    Nur Migros und Coop? Es gibt unzählige Firmen, welche unsere Daten sammeln und auch weiter verwenden. Wenn nur die Detailisten all diese Daten sammeln würden, könnten wir uns wohl glücklich schätzen.
  • Thomas  Wüest aus Wettswil
    06.10.2014
    Mich würde es ja mal interessieren, wieviel Prozent die Produkte billiger wären, wenn der ganze Aufwand für Auswertung,personalisierte Angebote, Punktesammeln, etc. 1:1 in Preissenkungen investiert würden...
  • Juerg  Suter 06.10.2014
    Geiz ist geil! Wo immer Rabatt möglich ist, gibt man Einblick in persönliches.
  • René  Frei , via Facebook 06.10.2014
    Wo ist das Problem dass Migros Bescheid weiss wenn ich auf IHRER Seite herumsurfe?
    Wenn sie dann noch passende Angebote für und dann an mich zusenden, warum nicht?