Grossbank gegen Genossenschafter Hypo-Streit zwischen UBS und Raiffeisen

ZÜRICH - Die Raiffeisen will die Hürde zur Vergabe von Hypotheken senken. Die UBS hält das für ein Spiel mit dem Feuer.

Hypotheken: UBS und Raiffeisen uneinig bei Senkung von Zinsen play
Ein Eigenheim bleibt für viele ein Traum. Keystone

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Wirtschaft

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Die Raiffeisen ist im Hypothekengeschäft dick drin. Doch nach dem Boom der letzten Jahre gehen dem Geldhaus die Kunden aus. Die Vermögenden haben bereits gebaut, dem Rest fehlt es am nötigen Kapital.

Um dem entgegenzuwirken, will die Bank den sogenannten kalkulatorischen Zinssatz senken. Dieser liegt aktuell zwischen 4,5 und 5,0 Prozent und ist eine selbstregulierende Massnahme der Banken.

Aber eine mit Gewicht: Einen Kredit fürs Eigenheim bekommt nur, wer die Hypothek auch dann noch zahlen kann, wenn die Zinsen auf den kalkulatorischen Prozentsatz steigen.

Tieferer Zinssatz, mehr Hauskäufer

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel (54) hält den aktuellen Wert für «übervorsichtig». Er schlägt vor, den kalkulatorischen Zinssatz auf «beispielsweise 3,0 Prozent» zu senken. Die Folge: Dank der Senkung des Zinssatzes könnten die Banken Hypotheken einem breiteren Publikum vergeben.

Davon hält die UBS gar nichts. In einer neuen Studie kritisiert sie Gisels Vorschlag als «Spiel mit dem Feuer». Als Grund führt sie eine repräsentative Umfrage ins Feld, welche die Grossbank vor wenigen Jahren durchgeführt hat und die ergeben hat, dass acht Prozent der befragten Haushalte die Hypozinsen nicht mehr zahlen könnten, wenn der Zinssatz um zwei Prozentpunkte stiege.

Wer es sich knapp leisten kann, ist am stärksten betroffen

«Der Zahlungsausfall dürfte sich in erster Linie auf Schwellenhaushalte konzentrieren», glauben die UBS-Ökonomen. Also genau jene, die überhaupt erst an eine Hypothek kommen, wenn der kalkulatorische Zinssatz gesenkt würde.

Die Immobilienpreise könnten bei einer Senkung des kalkulatorischen Zinses auf 3,0 Prozent gemäss den UBS-Ökonomen um bis zu 40 Prozent steigen. Dass die Zahl nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt ein Blick in den Norden.

Von 2011 bis 2015 fielen in Schweden die Hypothekarzinsen von 4,0 auf 1,6 Prozent. Die Nachfrage nach Wohneigentum stieg – und damit auch das Preisniveau. Laut UBS stiegen in dieser Zeitspanne die Kosten für ein Eigenheim in Schweden um fast 50 Prozent.   

Immobilienkrise schwächte Schweizer Wirtschaft

So kommen die Verfasser zum Schluss: Sinkt der kalkulatorische Zinssatz, kämen junge Familien, die ein Eigenheim unter Aufbietung aller Kräfte erwerben, bei einer Zinswende als Erste unter die Räder. Zudem würde der Immobilienmarkt deutlich anfälliger.

Die letzte Immobilienkrise erlebte die Schweiz Anfang der 90er-Jahre. Die Wirtschaft brauchte fast ein Jahrzehnt, um wieder auf die Beine zu kommen. Die strengen Vorgaben gibt es also nicht ohne Grund. 

Publiziert am 22.11.2016 | Aktualisiert am 23.11.2016
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14 Kommentare
  • Simon P.  Wegert aus Bern
    23.11.2016
    Wer eine Immobilien-Finanzierung oder einen Geschäftskredit braucht, sollte auf keinen Fall sich mit der UBS einlassen. Als Unternehmer habe ich erlebt, wie man als treuer Kunde (25 Jahre Stammunde) in komplizierten Finanzierungsfragen von ungelernten Praktikanten oder Lehrlingen im 3 KV-Lehrjahr bedient und inkompetent und rotzig abgefertigt wurde. Aus Spargründen wie die UBS in einem zweizeiligen Brief erklärte. Der logische Schritt war die fristlose Kündigung der Zusammenarbeit meinerseits!
  • Pascal  Meister , via Facebook 22.11.2016
    Kann man das nicht schlauer lösen? Wer eine 10jährige Festhypothek (oder länger) abschliesst, der erhält Vorteile bei der Tragbarkeit. Denn der kann budgetieren und hat eine lange Zeit Ruhe vor Erhöhungen, kann in der Zeit auch etwas ansparen.
    • Pascal  Müller 23.11.2016
      Naja zum Teil richtig, aber leider ist das mit dem "KANN in der Zeit auch etwas ansparen" bei seeehr vielen nicht der Fall, es wird einfach verbraucht was da ist, habe ich schon bei hunderten Sanierungsfällen gesehen! Lösung wäre eventuell Zwangsamortisation soweit, das nach Ablauf der ersten Festhypothek auch ein Zins von 5 Prozent tragbar wäre, aber einen gewissen Spielraum haben die Banken auch heute bereits...
  • Arthur  Furter 22.11.2016
    Es ging nicht lange bis eine der System relevanten Banken in der Schweiz mit der Milch Büchlein Rechnerei ins Tagesgeschäft vordringt. Klar auch, die werden gerettet vom Volk oder Staat. Torheit nur, dass es im Strudel der Raiffeisen vermutlich der einen oder anderen unserer insgesamt 5 System relevanten Banken auch noch den Rest geben würde.
  • Regula  Raiser aus Wil
    22.11.2016
    Mein Bänker bei Raiffeisen im Fürstenland ist sehr seriös und auch nicht begeistert von dieser Idee. Schon heute habe einige Hypothekarkunden keine Ersparnisse, trotz tiefer Zinsen. Meine Meinung ist, Wachstum um jeden Preis zahlt sich nicht aus.
  • Jürg  Wüthrich aus Baselland
    22.11.2016
    Ich vermute dass die Raiffaisen viel weiter denkt (zeitlich). Denn wenn diese die Hypos an Personen geben kann, (welche wie üblich ihr Haus der Bank als Pfand im Grundbuch eintragen), wird in einem steigenden Zinsumfeld manches Haus wieder an die Bank "zurückgehen". Somit hat die Bank ein + für die Zinsen und ein + wenn diese das Haus billig "zurückkaufen".