Grösste Kursverluste seit 11. September 2001!

  • Publiziert: 06.10.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Schwarzer Montag an der Schweizer Börse: Nie mehr seit den Terrorattacken vor sieben Jahren machten die Kurse einen solchen Taucher.

Die Finanzkrise und Rezessionssorgen zeigen ihre verhängnisvolle Wirkung: Der SMI schloss heute 6,12 Prozent tiefer auf 6458,72 Punkten. 2001 war das Börsenbarometer um mehr als sieben Prozent eingebrochen. Der breite SPI sackte 5,84 Prozent auf 5369,22 Zähler ab. Beschleunigt wurde die Talfahrt am Nachmittag noch vom Absturz der Kurse an der Wall Street.

Als einen Auslöser des Kurseinbruchs orteten Händler die jüngste Entwicklung bei der Hypo Real Estate. Für die deutsche Immobilienbank musste über das Wochenende ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Zudem deute die Tatsache, dass verschiedene EU-Staaten für Spareinlagen garantieren wollen, auf den Ernst der Lage hin.

Finanztitel unter Druck

Einmal mehr standen deshalb die Aktien der Grossbanken UBS und Credit Suisse sowie des Rückversicherers Swiss Re stark unter Druck. Die UBS sackte um rund 13, Credit Suisse neun und Swiss Re sogar um mehr als 13 Prozent ab.

Die Titel des Vermögensverwalters Julius Bär brachen kurzzeitig bis zu einem Viertel ein und schlossen noch 15 Prozent tiefer. Sie leiden nach Ansicht von Händlern darunter, dass die Bank über die auf alternative Anlagen spezialisierte Tochter GAM im Bereich Hedgefonds tätig ist.

Wegen der sich ausweitenden Finanzkrise befürchten Anleger, dass es zu einer Kreditklemme kommen könnte, die die Konjunktur abwürgen würde. Das sorgte bei den Industriewerten für kräftige Abgaben. Die Aktien von ABB sanken zehn und die von Sulzer sogar 15 Prozent.

Solide Pharma-Titel

Weniger schlecht als der Gesamtmarkt hielten sich die defensiven Schwergewichte. Novartis verloren 2,5 und Roche fünf Prozent. Die Aktien des Nahrungsmittelriesen Nestlé gaben 4,6 Prozent nach.

Wegen des fallenden Ölpreises standen dafür auch Unternehmen aus dem Bereich Solar- und Alternativenergie wie Meyer Burger und OC Oerlikon unter Druck.

Die Helvetia-Aktien sackten 8,5 Prozent ab. Der Zusammenbruch der Anlagegesellschaft Sigma Finance Corporation kostet den Versicherer netto weitere 77 Mio. Franken, nachdem er schon in der ersten Jahreshälfte eine Wertberichtigung in Höhe von 25 Mio. Fr. für dieses Engagement vorgenommen hatte. (SDA/hhs)

Weltweit ein Schwarzer Montag

Trotz des US-Bankenrettungsplans und der Massnahmen zahlreicher europäischer Staaten zum Schutz der Spareinlagen ihrer Bürger stürzten heute die Börsen weltweit ab. Der New Yorker Aktienmarkt hat mit deutlichen Kursverlusten geschlossen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss mit einem Minus von 3,5 Prozent bei 9959 Punkten und damit zum ersten Mal seit Oktober 2004 unter 10000 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss 3,8 Prozent tiefer bei 1057 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 4,3 Prozent und ging mit 1862 Punkten aus dem Handel. Auch die europäischen, asiatischen und lateinamerikanischen Börsen schlossen tief im Minus. Der japanische Leitindex Nikkei fiel um mehr als 4 Prozent auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Der Handel in Brasilien musste nach einem Verlust von 15 Prozent gar ausgesetzt werden. Der FTSE-100 in London gab fast acht Prozent nach, der CAC-40 in Paris und die Börse in Amsterdam sogar über neun Prozent. Der DAX in Frankfurt fiel über 7 Prozent in die Tiefe. Es brennt an allen Ecken und Enden», stöhnte ein Händler.

Guthaben sind schlecht abgesichert

Geht unsere Bank Pleite, kriegen wir höchstens 30000 Franken: Guthaben sind in der Schweiz schlechter abgesichert als im Ausland. Für die Ersparnisse der Schweizerinnen und Schweizer bei ihrer Bank bürgt nämlich nicht der Staat, sondern die Banken selbst. Diese haben sich in einem Verein zusammengeschlossen. Er stellt sicher, dass bei der Schliessung einer Bank Guthaben von bis zu 30000 Franken rasch, das heisst innert drei Monaten, ausbezahlt werden. Kunden mit Guthaben bis zu 5000 Franken sollen ihr Geld sogar noch schneller erhalten. Die Höchstsumme, welche die Schweizer Banken solidarisch für die Auszahlung des vom Gesetz zugesicherten Konkursprivilegs für Sparer aufwenden würden, beträgt 4 Mrd. Franken. (SDA)

Auch Tokio im freien Fall

Nach den schweren Verlusten an der New Yorker Wall Street stürzte der 225 führende Werte umfassende Nikkei gleich zum Handelsauftakt erstmals seit rund fünf Jahren unter die psychologisch wichtige Marke von 10000 Punkten. Um 9.19 Uhr Ortszeit notierte das Börsenbarometer einen schweren Abschlag von 486,62 Punkten oder 4,65 Prozent beim Stand von 9986,47 Punkten. Der Dollar notierte im frühen Geschäft deutlich schwächer bei 101,55-60 Yen nach 103,72-73 Yen am späten Vortag. (SDA)
play Ein schlechter Tag für die Schweizer Börse. (Keystone)

Top 3

1 156-Mio-Busse! Weil BMW die Schweizer Kunden benachteiligtebullet
2 Grösser, besser, billiger? Rabatt-Schlacht im TV-Geschäftbullet
3 Wegelin-Fall US-Richter nimmt Raiffeisen ins Visierbullet

Wirtschaft