Otto Ineichens neuster Streich Glückskette soll Wirtschaft retten

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Silvio Bertolami

Otto Ineichens neuste Forderung: Die Glückskette soll eine Sammelaktion für Firmen in Geldnot starten. Ist es das Ei des Kolumbus? Oder eine Bieridee?

Wenn Menschen in Not geraten, zeigen sich die Schweizer stets von der spendablen Seite. Für die Tsunami-Opfer konnte die Glückskette 227 Millionen Franken sammeln. Für die Betroffenen der Unwetter 2000 und 2006 in der Schweiz kamen insgesamt 122 Millionen zusammen.

Was wir nun erleben, ist auch ein Tsunami – eine Flutwelle, die grosse Teile der Wirtschaft zu vernichten droht. Das hat Otto Ineichen auf die Idee gebracht, die Glückskette auch hier einzuspannen. «So 50 Millionen Franken zu bekommen, ist einfach», sagte er der «SonntagsZeitung». Er wünscht sich aber sogar ein Sammelergebnis von 100 Millionen.

Das Geld würde den Firmen nicht direkt zur Verfügung gestellt, sondern zur Finanzierung von Bürgschaften eingesetzt. Damit könnten Kredite von bis zwei Milliarden abgesichert werden.

Fest steht: Immer mehr Firmen geraten in Geldnot. Wenn sie frisches Geld brauchen oder bisherige Kredite erneuern müssen, verlangen die Banken horrende Zinsen. Grössenordnung: 10 Prozent.

Johann Schneider-Ammann, Präsident der Maschinenindustrie, fordert deshalb seit Wochen einen Überbrückungsfonds für grosse Industriefirmen (im BLICK). Ziel: Kredite lockermachen, Zinsen runterbringen, bis die Weltwirtschaft wieder anzieht. Pensionskassen und andere Interessierte könnten Geld in den Fonds einzahlen. Der braucht aber eine Staatsgarantie, und der Bund will sie nicht geben.

Deshalb Otto Ineichens Idee mit der Glückskette. Er möchte auch nicht nur den grössten Industriefirmen helfen. Darunter sind ohnehin auch solche, die nicht unter der Kreditklemme leiden (siehe Tabelle). Das Geld der Glückskette soll nach Ineichens Vorstellung auch KMUs zugutekommen.

1993 hat die Glückskette Geld zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gesammelt – für Umschulungen und Arbeitsbeschaffungsprogramme. Das Sammelergebnis war allerdings weit von Ineichens heutiger Vorstellung entfernt: Es wurden 5,3 Millionen gespendet.

Kommt dazu: Damals ging es ganz direkt um harte, persönliche Schicksale. Heute müssten Herr und Frau Schweizer, selbst von der Krise gebeutelt, für Kreditbürgschaften spenden.

Ineichens Idee wird es schwer haben.

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