Gewerkschaften machen sich für ältere Arbeitnehmer stark: Das tun Firmen für Ü50er

Gewerkschaften wollen ältere Arbeitnehmer bei Kündigung schützen. «Falsch!», rufen die Arbeitgeber. Dabei tun einige Betriebe dies schon heute.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 BLICK hat verglichen Mit diesen Kundenkarten punkten Sie am meisten
2 Nach Suva-Entscheid gegen Uber Jetzt zittern die Taxifahrer
3 Swiss-CEO Thomas Klühr (53) «Pünktlichkeit können wir bei der SBB...

Wirtschaft

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
27 shares
16 Kommentare
Fehler
Melden

Die Schweiz ist stolz auf ihren liberalen Arbeitsmarkt. Hier dürfen Angestellte einfacher auf die Strasse gestellt werden als in den meisten Ländern Westeuropas. Dieser Flexibilität verdanken wir unsere tiefe Arbeitslosigkeit, sagen Ökonomen. Denn: Wenn Firmen Angestellte schneller loswerden können, stellen sie auch schneller ein.

Daniel Lampart (47) macht Druck in Bern. play

Daniel Lampart (47) macht Druck in Bern.

Keystone

Doch der Ruf nach einem besseren Schutz vor Kündigung wird lauter. Im Fokus steht die Ü50-Generation. «Bei Betriebsschliessungen ist die Gefahr bei ihnen besonders gross, keine Anschlussstelle zu finden», sagt Daniel Lampart (47), Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB).

Schon heute schützen zahlreiche Firmen und Gesamtarbeitsverträge (GAV) ältere und langjährige Arbeitnehmer besser. 

Zum Beispiel auf dem Bau: Über 55-Jährige, die zwischen zwei und neun Jahren im gleichen Betrieb waren, haben vier Monate Kündigungsfrist – doppelt so viel wie gesetzlich vorgeschrieben. Ab dem zehnten Dienstjahr sind es sogar sechs Monate. Das steht im Landesmantelvertrag im Bauhauptgewerbe. «Längere Kündigungsfristen für ältere Angestellte stellen für unsere Betriebe kaum Probleme dar», sagt Martin A. Senn (57), Vize-direktor des Baumeisterverbands.

Der GAV der Basler Pharma- und Chemieunternehmen gewährt über 45-Jährigen ebenfalls sechs Monate Kündigungsfrist. Für Novartis sei die Zusammensetzung der Teams wichtig, sagt Thomas Boesch (54), ihr Personalchef in der Schweiz: «Nationalitäten, Geschlecht, Persönlichkeiten, geografische Herkunft, unterschiedliche Erfahrungen und eben das Alter.» Novartis fördert deshalb ältere Mitarbeiter über den GAV hinaus. Etwa mit Weiterbildungen. «Dies sind streng genommen nicht Schutzmassnahmen, sondern vernünftige Lösungen», sagt Boesch.

Einen eigentlichen Kündigungsschutz gewähren die SBB. Wer vier Jahre im Betrieb ist, dem darf nicht aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt werden. «Die SBB profitieren davon, dass die Mitarbeiter  dem Unternehmen überdurchschnittlich lange treu bleiben», so SBB-Sprecher Oliver Dischoe. Auch bei der Swiss gibt es einen Kündigungsschutz, für Piloten schon ab dem zweiten Dienstjahr.

Roland Müller (52) will neue Gesetze verhindern. play

Roland Müller (52) will neue Gesetze verhindern.

Keystone

Für SGB-Vordenker Lampart zeigen diese Beispiele, dass die Betriebe sich sehr wohl einen besseren Arbeitnehmerschutz leisten könnten. Die Gewerkschaften machen jetzt Druck in Bern. Im Rahmen der Verbesserung der flankierenden Massnahmen wollen sie im Gesetz Schutzmassnahmen für Ü50-Angestellte festschreiben. «Sei dies mit längeren Kündigungsfristen oder einer anderen Form von Kündigungsschutz», sagt Lampart.

Heftiger Widerstand kommt von den Arbeitgebern. «Das wird für ältere Angestellte zum Bumerang. Denn damit werden die Arbeitgeber zögern, sie anzustellen», warnt Roland Müller (52), Direktor des Arbeitgeberverbands. Die Schweiz habe dringendere Probleme: etwa das Verhältnis zu Europa oder die Altersvorsorge.

Publiziert am 23.01.2016 | Aktualisiert am 23.01.2016
teilen
teilen
27 shares
16 Kommentare
Fehler
Melden

16 Kommentare
  • John  Feller , via Facebook 24.01.2016
    wenn ein Arbeiter anderswo mehr verdient haut er ab. Wenn ein Arbeitgeber mehr verdienen will haut er den Personalbestand ab. Ist da irgendwo ein Unterschied oder verlangt man nur vom Arbeitgeber Treue?
  • Vielfeind  Vielehr 24.01.2016
    Dass man wegen des Kündigungsschutzes keine älteren Arbeitnehmer einstellt, dagegen gibt es folgendes: Die Arbeitgeber müssen gezwungen werden Arbeitslose ü50 einzustellen und sie notfalls für die Stelle ausbilden. Die Arbeitgeber entlassen laufend Leute ü50, also müssen sie zur Verantwortung gezogen werden.
  • Regula  Hiltebrand aus Au
    24.01.2016
    Dieser Kündigungsschutz nützt überhaupt nichts,dann werden Aeltere schon gar nicht mehr angestellt.Es muss die Möglichkeit geben,dass fitte,über 60-jährige wieder neu angestellt werden, z.B. anstelle der Flüchtlinge. Da kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Mir wurde mit 57 J. gekündigt, weil die Firma reorganisierte. Ich war 20 J. in diesem Betrieb tätig. Deswegen habe ich jetzt in Pension eine zu tiefe Rente, lebe am Existenzminimun und erhalte nicht einmal Ergänzungsleistungen.
    • Oliver  Gassmann aus Glattbrugg
      24.01.2016
      Sie müssen sich selbstständig machen, habe ich mit über 60 gemacht. Ich habe heute ein super Onlineversand aufgezogen.
    • Adrian  Gerber aus Aarberg
      24.01.2016
      Dies ist Traurig und Ungerecht! Und welche Arbeit möchten Sie haben, die von einem Flüchtling verrichtet wird?
  • Roger  Berger 24.01.2016
    Die genannten, wohlkingenden Massnahmen dienen dann nicht, wenn Mobbing im Spiel ist, und dann auf einmal unhaltbare Vorwürfe aufgeführt werden, die zusätzlich mit einer Verfügung untermauert werden Alles selbst erlebt. Mit 55 Jahren. Und dies nach 12 Jahren Einsatz.
  • Peter  Grelling aus Zürich
    24.01.2016
    Das Problem der älteren Mitarbeiter ist die Pensionskasse, für die Pensionskassen ein Verlustgeschäft sind. Eine Regelung, dass bei Beendung eines Arbeitsverhältnisses die Pensionskassenzugehörigkeit mit gleicher 50/50 Kostenbeteiligung durch den alten Arbeitgeber weitergeführt wird bis zum Antritt einer neuen pensionskassenversicherten Arbeitsstelle wäre ausreichend.