Gewerkschaften laufen Sturm Coop@home liefert auch sonntags – per Taxi

Coop liefert Lebensmittel auch am Sonntag aus. Die Waren werden schon am Samstag zusammengestellt. Und dann der Post übergeben. Weil die am Sonntag nicht ausliefern darf, lässt sie Taxisfahrer die Coop-Kisten verteilen.

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Nächste Runde im Kampf zwischen Coop@home und der Migros-Tochter LeShop.ch: Coop testet in Basel und Zürich die Heimlieferung am Sonntag. Der Grossverteiler arbeitet mit der Post zusammen, wie BLICK erfahren hat.

Der gelbe Riese liefert seit Oktober Päckli auch sonntags aus (BLICK berichtete). Für den Pilotversuch konnte neben Coop auch Nespresso gewonnen werden. Die bunten Kaffeekapseln werden in Genf und Lausanne ausgeliefert.

Wer bei Coop@home am Samstag bis zehn Uhr bestellt, bekommt die Ware am Sonntag zwischen neun und zwölf Uhr nach Hause geliefert. Allerdings klingelt weder ein Coop-Angestellter noch ein Pöstler an der Türe – sondern ein Taxifahrer. Grund: Das Gesetz erlaubt der Post keine Sonntagszustellung.

Am Samstag parat gemacht

Coop stellt die Bestellungen schon am Samstag bereit. Und übergibt sie dann der Post. «Dank spezieller, gekühlter Behälter geht dies auch bei Frischwaren wie Gemüse und Fleisch sowie Tiefkühlprodukten», sagt Coop-Sprecher Urs Meier. Am Sonntag arbeiten die Mitarbeiter von Coop@home nicht.

Die Post glaubt an das Potenzial der Sonntagszustellung. «Bei Privatkunden ist das Interesse da, gerade im Zusammenhang mit dem wachsenden Online-Handel», sagt Sprecher Bernhard Bürki. «Wir stehen mit weiteren Firmen in Verhandlungen», sagt er. Namen will er aber keine nennen.

Bedenken, dass die Taxifahrer, welche die Ware am Sonntag ausliefern, schlechter gestellt seien als Pöstler, hat die Post keine. «Wir arbeiten mit lizenzierten Taxiunternehmen zusammen, die gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft für die Sonntagsarbeit zugelassen sind», sagt Bürki.

«Das ist ein doppelter Beschiss»

Die Gewerkschaft Syndicom sieht dahinter einen Verstoss. «Das ist ein doppelter Bschiss. Coop@home und die Post umgehen so das gesetzliche Verbot von Sonntagsarbeit», sagt Gewerkschafter Bruno Schmucki (50). «Sie erbringen eine Dienstleistung mit Leuten, die sowieso schlecht bezahlt sind und miese Arbeitsbedingungen haben.» Die Post habe da offenbar eine «optimale Lücke» gefunden, um das Verbot der Sonntagsarbeit zu umgehen.

«Mit dem Einsatz von Taxis wird der Schutz der Sonntagsruhe von der Post gezielt ausgehebelt», sagt Schmucki. «Es ist skandalös, dass sich die Post als Unternehmen, das dem Staat gehört, solcher Praktiken bedient.»

Das habe fatale Folgen und widerspreche der Absicht des Arbeitsgesetzes. «Jetzt ist die Politik gefordert», sagt er. Schmucki befürchtet, dass ähnliche Praktiken auf andere Branchen übergreifen. «Der Detailhandel ist wohl nur die Speerspitze zur weiteren Deregulierung», sagt der Gewerkschafter.

«Kunden wollen sonntags ihre Ruhe»

Konkurrent LeShop.ch verzichtet bewusst auf eine Sonntagslieferung. «Wir glauben nicht, dass das einem Bedürfnis entspricht», sagt Dominique Locher (46), CEO der Migros-Tochter. «Viele unserer Kunden sind erwerbstätig. Sie wollen aufs Wochenende hin einen gefüllten Kühlschrank – am Sonntag aber einfach ihre Ruhe haben», sagt er.

Publiziert am 19.01.2016 | Aktualisiert am 16.07.2016
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26 Kommentare
  • Werner  Steingruber aus Flawil
    19.01.2016
    hoffentlich nur mit elektro-taxis.
  • Somboon  Saleoff aus Koh Samui Suratani
    19.01.2016
    Zum Glück bin ich nicht mit einer Gewerkschafterin verheiratet die nur fünf Tage in der Woche kocht, isst und duscht und auf die Toilette geht oder nur von Mo bis Fr Krank werden darf.
    Dadurch kann ich sehr beruigt in der IT-Security bei einer Großbank nachts von 22 bis morgens 6 Uhr und an Wochenenden und erst noch 50 Prozent von zu Hause aus Arbeiten, verdiene damit anstatt CHF 11000 eben 19800 pro Monat und Lebe dan eben als Tauchlerer 5 Monate pro Jahr auf der Insel.
    • Martin  Poller aus Schüpfen
      19.01.2016
      Das ist schön für Sie? Denken sie denn nur weil ein Coop 7/24 Betrieb hat würde er dann doppelt soviel verdienen? Es ist eine Schande das der Detailhandel seit Jahrzehnten den anderen Branchen immer wie schlechter gestellt werden, bald kann man um Mitternacht arbeiten und bekommt dafür noch 10 Franken die Stunde! Da frage ich mich wo die soziale Gleichstellung bleibt!
  • Gabor  Posch 19.01.2016
    Mich würde wundernehmen, ob die Befürworter von so was auch dafür sind, dass die Transportunternehmen mit ihren Brummis am Sonntag unterwegs sein dürfen. Dort geht ja eigentlich auch um das Beliefern von Kunden.
  • Ernst  Dittmar aus Adliswil
    19.01.2016
    Kleine Selbständige liefern schon lange am Wochenende. Die dürfen das, solange sie keine Angestellten dafür einsetzen, sondern selber liefern. Ich persönlich kaufe nicht über Internet ein, weil das dazu führt, dass die Läden nicht mehr so attraktiv sind. Mir sind nämlich die lokalen Geschäfte wichtig und ich möchte nicht zu deren Ausdünnung beitragen.
  • Stefan  Rüttimann aus Märwil
    19.01.2016
    Es geht Heute immer alles nur ums "Kohle machen". Umsatz und Fun ist das höchste Ziel! Dass dabei viele Leute die Nachts oder am Wochenende arbeiten müssen keine "normalen" Kontakte mehr pflegen können ist anscheinend egal. Auch an ein gesundes Familienleben ist nicht zu denken, wenn der Arbeitstag um 22 Uhr oder noch später endet. Ich denke das wird sich in der Gesundheit körperlich und psychisch bei vielen Leuten rächen. Es steht schon in der Bibel dass wir am Sonntag ruhen sollen!