Greenpeace will Sicherheitsbericht – und bekommt das geschwärzte Inhaltsverzeichnis Was hat die Axpo zu verbergen?

ZÜRICH - Die Axpo weigert sich vehement, Informationen über den Reaktor 1 des Atomkraftwerkes Beznau herauszugeben. Greenpeace zieht deshalb jetzt vors Bundesverwaltungsgericht.

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Vor einem Jahr ging Reaktor 1 des AKW Beznau AG vom Netz. Eigentlich sollte nur der Deckel des Reaktordruckbehälters ausgewechselt werden und der Reaktor des ältesten AKW der Welt nach vier Monaten wieder funktionieren. Daraus wurde nichts.

Denn im Sommer kam die Nachricht: «Unregelmässigkeiten im Grundmaterial des Reaktordruckbehälters», wie es in der Sprache der Betreiberin Axpo heisst. Bei Greenpeace nennt man das Kind beim Namen: Der Druckbehälter hat Löcher und Risse in der Wand.

Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz, versucht die Umweltorganisation seit über einem Jahr das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) und die Axpo zur Herausgabe eines Papiers von 2011 zu zwingen. Es soll Infos über die «Sprödbruchsicherheit» des Druckbehälters enthalten.

Das Dokument umfasst 1000 Seiten. Das Ensi gab jedoch nur 50 frei. 950 Seiten behält die Behörde unter Verschluss. Sogar im Inhaltsverzeichnis, das Greenpeace erhalten hat, sind die Seiten geschwärzt. Der Verdacht von Greenpeace: «Die 950 Seiten enthalten brisante Details zur Alterung und Abnützung des Druckbehälters», sagt Florian Kasser (36), Atomexperte bei Greenpeace. «Das sind sowjetische Transparenzverhältnisse.»

Ein Schlichtungsversuch scheiterte. Greenpeace hat nun eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Was hat die Axpo zu verbergen? «Sie will nicht, dass Details an die Öffentlichkeit gelangen, weil die Versprödung ein Ausmass angenommen hat, das gefährlich ist», erklärt sich Atomexperte Kasser die sture Haltung.

Den Vorwurf der Intransparenz lasse er nicht gelten, sagt Axpo-Sprecher Antonio Sommavilla. Man müsse zwischen den geschwärzten Berichten und den gegenwärtigen Analysen am Reaktordruckbehälter von Block 1 unterscheiden. Es gäbe «keine sicherheitstechnischen Vorbehalte gegen den Weiterbetrieb der Anlage».

Die 950 Seiten will die Axpo nicht rausrücken, um ihre Geschäfts- und Fabrikationsgeheimnisse zu schützen. Es fänden sich aber «eine ganze Reihe von Dokumenten» auf der Ensi-Website.

Publiziert am 14.03.2016 | Aktualisiert am 14.03.2016
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21 Kommentare
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    14.03.2016
    Was ist an so einem alten "Atom-Ofen" schon schützenswert ? Niemand interessiert sich um diese alten Fabrikationsgeheimnisse aussert sie wären den Grund für eine zukünftige Nuklearkatastrophe !
  • Urs  Hagen 14.03.2016
    Man stelle sich vor Autobahnbrücken die nach 20 Jahren total saniert werden müssen, da soll der Beton von AKWs länger halten? OK hält länger, aber wie lange? Wer bezahlt eigentlich die Ensi, wer gehört Axpo? Ich glaube mit diesem Inspektorat schiessen wir uns ins eigene Knie.
  • Antoine  BERBEN aus Nijmegen
    14.03.2016
    Selbstverständlich sollte diese Information öffentlich gemacht werden denn das Publikum hat ein Recht darauf über Vorkommnisse in dieser
    Zentrale informiert zu werden. Gegen dieses Recht lässt sich kaum etwas mit Kraft einwenden und schon gar nicht mehr Betriebsgeheime wo der Meiler nicht einmal mehr funktioniert!
  • Peter  Antenen aus Witzenhausen
    14.03.2016
    Offenbar fehlt das Geld zum Rückbau bzw. für die Stilllegung noch, obwohl man im Moment mit AKW keinen Strom zu Markpreisen produzieren kann. Zudem schreiben die Axpo und weitere Stromproduzenten Verluste. Kein Wunder wollen die im Moment nicht gerne transparent informieren. Wer wirklich nichts zu verheimlichen hat und sich seiner Sache sicher ist, müsste nichts verheimlichen. Mir scheint, als wäre die Strombranche etwas in Aufruhr und in Sorge und das halte ich für gefährlich.
  • Monika  Keller aus zuhause
    14.03.2016
    Macht ein neues, sauberes und rentables Kraftwerk. Stellt die alten ab. So einfach. Dabei werden noch tausende von inländischen Jobs gesichert. Aber nein, die Linken wollen ja lieber den - oh wie peinlich - dreckigen, dafür billigen Kohlekraftwerkstrom aus Deutschland...
    • Andreas  Ruuska 14.03.2016
      Wie einfach gestrickt doch viele Schreiberlinge hier sind. Anstatt sich den dem Kern des Problems zu widmen wird automatisch die links Klatsche rausgeholt. Obwohl eigentlich das Abschreiben der Probleme und Polemik von rechts erfunden worden ist. Jeder Bürger kann selber wählen woher sein Strom kommt falls Ihnen das noch nicht bekannt ist. Und ich denke, dass jeder der etwas klar ist weder AKW noch Kohle benutzt.