Geschäftsbericht in Dialekt und mit Jux-Wappen: Hayek provoziert als Super-Schweizer

Mutig, zielstrebig, unserem Land ­verpflichtet: Wie einst Wilhelm Tell kämpft Nick Hayek für die Schweiz.

  • Publiziert: , Aktualisiert:
Untypische Swatch-Jahresmedienkonferenz: Der Zigarren rauchende Konzernchef Nick Hayek gab sich ganz schweizerisch play Swatch-Chef Nick Hayek. (Keystone)
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Was für ein Coup von Swatch-Chef Nick Hayek! Den Geschäftsbericht für das Jahr 2012 lässt er auf Schwiizerdütsch verfassen. Als «eimaligi Dialäkt-Usgab» mit humorig gestalteten Kantonswappen. «Damit zeigen wir, dass Swiss Made einen Wert hat», sagt Hayek zu BLICK.

Denn darum geht es dem Bieler Uhrenkönig – um den Industriestandort Schweiz, um Jobs, Fabriken, Lehrstellen, Technologien. «Das ist die Zukunft für dieses Land», sagt Hayek. «Dafür kämpfen wir.»

Zankapfel ist die Swissness-Vorlage. Der Swatch-Chef verlangt, dass bei der Herstellung einer Uhr mindestens 60 Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz anfallen müssen. Nur dann darf das Label Swiss Made verwendet werden. Ausgaben für Forschung und Entwicklung mit eingerechnet. 

Dass das funktioniert, beweist der Hayek-Konzern seit 30 Jahren. «Bei der Swatch, unserer günstigsten Uhr, ist 100 Prozent Swiss Made», sagt Hayek. «Da kann doch niemand im Ernst behaupten, 60 Prozent seien eine übertrieben hohe Hürde.»

Nick Hayek der Musterschweizer?

Er ruft die Nation auf, selbstbewusster aufzutreten und die Qualität ihrer Produkte offensiv zu vermarkten.  Aber auch einzuhalten, was man verspricht. «Es geht um den Konsumenten. Die Leute ­erwarten, dass Swiss-Made-Produkte mehrheitlich in der Schweiz produziert werden und einen Mehrwert haben. Dieses Vertrauen dürfen wir nicht enttäuschen.»

Laut Hayek geht es in der Schweiz viel zu oft nur ums Geldverteilen. «Dabei müssen wir wieder darüber reden, wie wir das Geld verdienen.»

Swatch selbst hat das Rezept schon gefunden. Der Konzern läuft prächtig: 1,6 Milliarden Franken Gewinn machte die Swatch-Group letztes Jahr. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 8,1 Milliarden. 

Mindestens ebenso eindrücklich: 1500 neue Jobs hat Swatch geschaffen, davon 950 in der Schweiz. Für das laufende Jahr rechnet Hayek mit einer vergleichbaren Entwicklung.

Hayek fühlt sich im Stich gelassen

Gleichwohl fühlt sich Hayek von der offiziellen Schweiz im Stich gelassen.  Die einzigen Organisationen, die sich wirklich für den Industrie­standort Schweiz einsetzten, seien die Na­tionalbank und die Gewerkschaften, so der Swatch-Chef. «Unsere Gewerkschaften sind pragmatisch. Mit denen kann man verhandeln.»

Gebrochen hat Hayek hingegen mit dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. «Der Verband ist nicht mehr glaubwürdig», so Hayek gestern in Grenchen SO. Es brauche Führungsstärke und echte Chefs. «Das sehe ich heute nicht.» Die Daseinsberechtigung spricht er Economie­suisse nicht ab. «Aber momentan liegt der Verband auf der Intensivstation und will immer noch Arzt spielen», so Hayek.

Happige Vorwürfe gegen Economiesuisse

Die Haltung von Economiesuisse bei der Swissness-Vorlage hatte vergangene Woche zum Eklat geführt. Per Ende Jahr tritt der Industrieverband der Uhrenhersteller deshalb bei Economiesuisse aus.

Happige Vorwürfe – was sagt Economiesuisse dazu? Direktor Pascal Gentinetta macht auf Beruhigung: «Wir wollen kein Öl ins Feuer giessen.» Doch den Vorwurf, Economiesuisse foutiere sich um den Werkplatz Schweiz, will Gentinetta nicht auf sich sitzen lassen: «Economiesuisse setzt sich bei der Swissness-Vorlage für 60 Prozent Schweizer Herkunft speziell für die Uhrenbranche und 50 Prozent für die übrigen Branchen ein.»

Damit ist klar: Nur um Zahlen geht es im Zwist zwischen Hayek und Economiesuisse längst nicht mehr. Denn dort liegen die Parteien auf gleicher Linie. Das Zerwürfnis geht tiefer. Viel tiefer. 

Beliebteste Kommentare

  • Heinz  Jenni
    Das war eine super Idee, allerdings passt "Swissness" nicht so richtig ins Schweizerdeutsch. Diese Firma war immer frisch aufgestellt und hat in die Zukunft investiert. Gut finde ich auch, dass Querköpfe und deren Ideen nicht sofort verworfen werden, so lange diese konstruktiv sind. Ein wenig Schalk hat noch nie geschadet, im Gegenteil.
  •   lüthi vreni , schweiz
    Erfrischend anders. Finde ich spitze und macht Swatch sympatisch, ist doch sonst immer alles so stur und bünzlig. Da könnten sich viele Firmen ein Beispiel nehmen, man wird dadurch nicht weniger ernst genommen, im Gegenteil, es bringt sympatien und macht den tristen Arbeitsalltag etwas freundlicher. Super Swatch, weiter so.

Alle Kommentare (28)

  • Jules  Ferne
    Soll das ein Witz sein? Der aus dem Libanon stammende Hayek ist gewiss keine Tell-Kopie. Er gehört selber zu den Reichen und Mächtigen!
    • Ulrich  Kuenzi
      Jules, aus Deinen Worten spricht Neid und Fremdenhass. Die Familie Hayek ist ein Paradebeispiel integrierter Einwanderer die sehr immer willkommen sind. Was wir nicht wollen, sind die Schmarotzer. Hayeks habe viel für uns getan. Jules tönt auch nicht gerade nach Tell. Was tatest Du, wieviele Arbeitspläzte hast Du geschaffen? Du solltest Dich etwas schämen.
      • 07.03.2013
      • als Kommentar auf Jules  Ferne
      • 69
      • 2
    • Margrit  Kappeler
      Jules Ferne was haben Sie bis heute für unsere Wirtschaft erbracht? Super wie sich Herr Hayek für das Armbrust-Label einsetzt! Toll wie ein "Eingebürgerter" unsere Uhrenindustrie gerettet hat - solchen Leuten gehört neidlos Reichtum und Macht.
      • 07.03.2013
      • als Kommentar auf Jules  Ferne
      • 63
      • 1
  • Jürg  Greiff
    Typisch Economiesuisse, anstatt klar zu den Vorwürfen Stellung beziehen, will man "kein Oel ins Feuer" giessen. Dies passt zu diesem Verein.
    • 07.03.2013
    • 49
    • 4
  • Lidija  Jametti , Rothenhausen
    Herr Hayek provoziert nicht. Seine Art die Liebe zu Schweiz auszudrücken ist fein. Auch das Schwyzer Dytsch geschrieben finde ich grossartig. Wir brauchen Unternehmer wie Herr Hayek, innovativ, konstruktiv, kreativ, aufgestellt und immert noch jugendlich in seinem Gedankengang und der Umsetzung der grossartigen Ideen.
    • 07.03.2013
    • 65
    • 2
  • Alex  Ackermann
    man kann den Hayeks für ihr Engagement nur danken. Solche Leute braucht es und keine Lobyisten und Abzocker und sonstige Politiker die nicht zu gebrauchen sind
    • 07.03.2013
    • 73
    • 2
  • Muster  Felix
    Ich habe das TV-Interview gesehen und was TIEFSTENS beeindruckt. Endlich jemand der es wagt, die Wahrheit anzusprechen. Das Interview hatte einige Elemente wie Ueli Maurer am WEF. Schweizer weiter so: Gutes Wochenende mit den Abstimmungen, gut mit den Deutschen/Abgeltung, wir müssen resistenter werden. Die meisten Ausländer/ausl. Firmen wollen an unsere Stabilität/Geld/System etc. dies gilt es moderat zu schützen und uns auf unsere Stärken zu fokussieren.
    • 07.03.2013
    • 59
    • 3
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