G 20: Schlechte Karten für die Schweiz

  • Publiziert: 31.03.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
play Am Gipfel wirds heiss: Seit Tagen protestieren Tausende gegen den Wahn an den Finanzmärkten. (Keystone)

BERN – Kommt die Schweiz auf eine Schwarze Liste der Steuerparadiese oder nicht? Darum gehts für unser Land am G-20-Gipfel am Donnerstag in London. Aber noch um viel mehr.

Die Namen der Länder auf der Liste der kooperationsunwilligen Staaten sollen auf einem Dokument stehen. Dieses werde am Ende des Gipfels am Donnerstag veröffentlicht. So steht es in einem Entwurf des Schlusscommuniqués.

Gegen die aufgeführten Länder sollen nicht näher umschriebene Sanktionen ergriffen werden. Für die Schweiz scheint der Druck indes nachgelassen zu haben. Vor etwas mehr als einer Woche versicherte nämlich der tschechische EU-Ratspräsident, die Schweiz stehe nicht auf der Schwarzen Liste.

Denn in Sachen Bankgeheimnis hätten die Schweiz, Österreich und Liechtenstein die Standards der internationalen Organisation für Wirtschaft und Entwicklung (OECD) voll akzeptiert, sagte der tschechische Premierminister Mirek Topolanek.

Calmy-Rey will überzeugen …

Um die EU vom Kooperationswillen der Schweiz zu überzeugen, reiste Bundesrätin Micheline Calmy-Rey bereits nach Paris und nach Rom. Die nächste Etappe ist besonders wichtig: Morgen Mittwoch wird sie ihre diplomatischen Bemühungen um das Schweizer Steuersystem in Berlin fortsetzen. Deutschland zeigte sich gegenüber Bern bisher unnachgiebig.


Wieviel aber Calmy-Reys Reisediplomatie bringt, ist umstritten. Denn die Schweiz sei international zum schwarzen Schaf geworden, sagen der ehemalige FDP-Nationalrat und Wirtschaftsexperte Peter Tschopp und der Wirtschaftswissenschafter Jean-Pierre Lehmann. Die Schweiz sei heute eine relativ leichte Beute. Denn im Unterschied zu anderen Steuerparadiesen im Schoss der EU stehe unser Land schutzlos da.

Das zeige sich auch darin, dass die Steuersache wohl nicht einmal das grösste Problem für die Schweiz sei. Denn mit der Finanz- und Wirtschaftskrise werde die Schweiz mit zunehmendem Protektionismus konfrontiert, der Behinderung des internationalen Handels. Für die kleine Schweiz mit zahlreichen vom internationalen Handel abhängigen Unternehmen könne dies schwere Nachteile bringen.

… aber die Schweiz ist isoliert

Und dann gibt es noch ein Problem für die Schweiz: Sie steht in der Krise isoliert da, wie Tschopp und Lehmann festhalten. Kein einziger Schweizer Beobachter werde den G-20-Gipfel mitverfolgen.

«Die Schweiz könnte am Gipfel zwar nicht viel ausrichten», sagt Tschopp. «Doch sie wäre wenigstes über den Inhalt der Diskussionen informiert. Die Schweiz ist nie da, wo die Information unter den Regierungen zirkuliert.»

Aus seiner Sicht genügen die Reisen von Micheline Calmy-Rey nicht. Denn die Aussenministerin treffe nicht die zuständigen Regierungsmitglieder, sondern nur die Spitzen der Diplomatie. (SDA/snx)

Was ist die G 20?

Zur Gruppe der G 20 gehören die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 grössten Industrie- und Entwicklungsländer. Zum ersten Mal traten sie 1999 in Berlin zusammen. Das erste Treffen stand im Zeichen der Wirtschaftskrise in den späten Neunzigern.
Die Gruppe versteht sich als «informelles Forum». Es will Raum schaffen für Diskussionen über die Stabilität der Weltwirtschaft.
Zum letzten Mal trafen sich die Vertreter im November 2008 in Washington. Wie auch jetzt in London nahmen an dieser Zusammenkunft die Staatschefs selbst teil.
Folgende Länder gehören zur G-20-Gruppe: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei und die USA. Als zwanzigstes Mitglied ist die EU vertreten. Die Schweiz ist nicht dabei.

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