G-20: die Beschlüsse

  • Publiziert: 02.04.2009, Aktualisiert: 02.01.2012

LONDON – Im Kampf gegen die Weltwirtschaftskrise hat sich die Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) auf ein Massnahmenpaket nie dagewesener Grössenordnung geeinigt. Bis Ende des Jahres 2010 sollen insgesamt fünf Billionen Dollar ausgegeben werden.

«Eine neue Weltordnung entsteht und damit treten wir in eine neue Ära internationaler Zusammenarbeit ein», sagte der britische Premierminister Gordon Brown am Abend in London in seiner Abschlusserklärung.

Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy zeigten sich zufrieden. Merkel würdigte die Beschlüsse als «historischen Kompromiss in einer einzigartigen Krise».

Es seien harte Verhandlungen gewesen, doch das «ausserordentlich gute Ergebnis» vermittle eine Botschaft der Gemeinsamkeit, sagte Merkel. Alle hätten gut zusammengearbeitet, ganz besonders bemüht habe sich US-Präsident Barack Obama. Sarkozy sagte, die Ergebnisse gingen über das zuvor Erwartete hinaus.

IWF-Kapital verdreifacht

Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderen internationalen Finanzorganisationen wird von den G-20-Staaten eine Billion Dollar zur Verfügung gestellt. Das Geld soll vor allem an arme Länder gehen, die besonders unter der Finanz- und Wirtschaftskrise leiden.

Die IWF-Mittel für entsprechende Kredite werden sofort um 250#Milliarden Dollar aufgestockt, mittelfristig soll noch einmal Geld in dieser Höhe folgen. Die Mittel des IWF werden somit verdreifacht. Der Etat der Weltbank wird um 100 Milliarden Dollar aufgestockt.

Obergrenze für Managergehälter

Die versammelten Staats- und Regierungschefs verständigten sich zudem auf «neue Regeln» für Managergehälter und Bonuszahlungen. Sonderzahlungen für riskante Finanzgeschäfte waren von einigen Gipfelteilnehmern als einer der Gründe für die Finanzkrise angeprangert worden.

Die Boni sollen in Zukunft an längerfristige Erfolge gebunden werden. «Es gibt künftig keine Belohnung mehr für Versagen», sagte Brown.

Zudem wollen die G-20 schärfere Regeln für die globalen Finanzmärkte durchsetzen, damit sich die Krise nicht wiederholt. Die Banken werden verpflichtet, in guten Zeiten dickere Kapitalpolster anzuhäufen.

Hedgefonds müssten sich registrieren lassen. Die Fonds würden auch dazu verpflichtet, Informationen über ihre Geschäftsaktivitäten an die Aufsichtsbehörden weiterzugeben. «Wir werden die Bankenlandschaft aufräumen», sagte Brown.

Erneuter Gipfel im Herbst

Weitere nationale Konjunkturpakete sollen zunächst nicht geschnürt werden. Entgegen den Forderungen der USA haben sich Deutschland und Frankreich mit ihrer Position durchgesetzt, wonach die bereits beschlossenen Massnahmen zunächst einmal ihre Wirkung entfalten sollen.

Die G-20-Staaten wollen im September erneut einen Gipfel abhalten. Das Treffen werde möglicherweise am Rande der Uno-Vollversammlung in New York stattfinden, sagte Merkel. Dort müsse erneut überprüft werden, wie weit die G-20 gekommen seien.

Börsen im Hoch

Die europäischen Börsen reagierten auf die Gipfelbeschlüsse mit Kurssprüngen: In Frankfurt schloss der Dax mit einem Plus von rund sechs Prozent bei knapp 4382 Punkten. Die Pariser Börse verzeichnete ein Plus von rund fünf Prozent, in London endete der Handelstag mit einem Plus von rund vier Prozent. (SDA)

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