Für bessere Job-Chancen: Brauchen wir jetzt schon Facebook-Fotos vom Profi?

Die ersten Foto-Läden in der Schweiz bieten professionelle Porträt-Bilder für Facebook und Co. an. Die können bei der Bewerbung den Ausschlag geben. Denn in der Schweiz scannen immer mehr Personalverantwortliche die Social-Media-Profile von Job-Kandidaten.

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Matthias Mölleney (55) hat schon viele Bewerbungsbilder in seinem Leben gesehen. «Zum Beispiel Bilder vom Foto-Automaten am Bahnhof oder Palmen im Hintergrund – ein absolutes No-Go», sagt der Personalberater und ehemalige Swiss-Personalchef. Dabei sei eigentlich klar: «Wenn ich eine Bewerbung abschicke und einen Lebenslauf beilege, nehme ich ein gutes Foto.» Und er fügt hinzu: «Heute gehört auch ein gutes Foto auf Facebook und Co. dazu.»

Wer nicht auf sein Profil in den Sozialen Medien achtet, hat einen Nachteil gegenüber Mitbewerbern, die dies tun. So zeigt eine Studie der belgischen Universität Ghent vom vergangenen Dezember: Ein attraktives Facebook-Profilbild erhöht die Wahrscheinlichkeit, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, um 39 Prozent. Wer ein unvorteilhaftes Bild hat, bekommt 21 Prozent weniger «im weiteren Sinne» positive Antworten.

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Lockerer als ein Bewerbungsbild

Kein Wunder, dass es immer mehr Leuten wichtig ist, sich auch «online ins rechte Licht zu rücken», wie Rebekka Lanz (22) von Foto Sabater in Meilen ZH sagt. Seit einem Jahr bietet das Foto-Geschäft Porträtbilder für Social-Media-Plattformen an. «Social Media-Bilder unterscheiden sich von normalen Porträts, indem Sie vorallem das Gesicht mit einen sympathischen lächeln zeigen», sagt die Mitarbeiterin des Foto-Ladens. Die Bilder seien «lockerer» als ein normales Bewerbungsbild. Die Fotos sind gedacht für Facebook, soziale Job-Plattformen wie LinkedIn und Xing, aber auch für Online-Single-Börsen.

Der Sabater-Werbespruch «Wir rücken Sie ins beste Licht - für den perfekten ersten Eindruck» locke bisher junge wie ältere Kunden ins Geschäft, sagt Lanz. Und für diesen ersten Eindruck gebe es eben nur eine Chance, sagt Christoph Lanter (37), der Firmen im Personalwesen berät. Für ihn ist das neue Angebot von Geschäften wie Foto Sabater logisch. Denn Lanter kennt den Trend von Social Media auf der Arbeitgeberseite. «Unternehmen sparen sich bares Geld, wenn Sie einen Mitarbeiter über die Sozialen Medien anwerben, statt einen Headhunter für zwei bis drei Monatsgehälter anzuheuern.» 

Fast jeder vierte Schweizer Personaler hat Stellen über Social Media besetzt

Die Personalabteilungen Schweizer Firmen sind immer mehr im Netz unterwegs. Laut der Social Media Recruiting Studie 2015 haben über 64 Prozent der Personaler selbst einen Facebook-Account, gut 27 Prozent sind auf Twitter. Waren es 2014 noch deutlich über die Hälfte aller Unternehmen, beschäftigen sich heute nur noch 44 Prozent gar nicht im Anheurungsprozess mit Sozialen Medien. Fast jeder vierte Personaler gab an, über Social Media Stellen besetzt zu haben.

Die Rekrutierung über Social Media gewinne an Bedeutung, sagt eine Sprecherin der Bank Credit Suisse auf Anfrage. Facebook sei vor allem bei jungen Talenten wichtig. Die Mitarbeiter der Personalabteilung würden deshalb geschult, wie sie Social Media-Kanäle bei der Arbeit nutzen könnten, heisst es von Credit Suisse.

Auch beim Pharma-Konzern Novartis, der nach eigenen Angaben «seit geraumer Zeit» Social Media zur Personalrekrutierung verwendet, gibt es Social-Media-Schulungen für Personaler. Portale wie LinkedIn böten «nebst der Suche nach geeigneten Profilen auch die Möglichkeit, mit unseren ehemaligen MitarbeiterInnen vernetzt zu bleiben», erklärt Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto gegenüber BLICK.

Für die Swisscom wird Social Media bei der Personalrekrutierung auch immer wichtiger. Das Unternehmen twittert sogar neue Stellenausschreibungen. Social-Media-Plattformen seien in einem modernen Recruiting «nicht wegzudenken», sagt ein Sprecher.

Publiziert am 21.01.2016 | Aktualisiert am 21.01.2016
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5 Kommentare
  • Urs  Hagen , via Facebook 22.01.2016
    Ich würde mein Profil in Xing als Referenz angeben falls sich jemand für mich interessiert, wenn er im Facebook nachsehen will ist es sein Problem. Einen solchen Chef brauch ich nicht der Facebook als Referenz nimmt, der hat von seinem Job keine Ahnung ist eher der Typ Spanner, der wohl auch die Sommerfotos von seinen Sekretärinnen angeifert.
  • Silvio  Mayer , via Facebook 22.01.2016
    Also wenn ich Arbeitgeber wäre, würde ich jemand, der bei Facebook ist, eher nicht einladen. Gutes Foto hin oder her. Vorallem, wenn der Benutzer sehr aktiv ist. D.h. nämlich, dass statt gearbeitet im Internet rumgesurft wird. Und so jemand braucht man nicht.
  • harriet  bingham aus St. Moritz
    21.01.2016
    Wir brauchen weder Fotos fuer, noch Facebook selbst, noch ein anderes digitales Gimmick, sondern ein analoges Leben.
  • Michel  Wehner aus Zürich
    21.01.2016
    Und was wenn jemand, wie ich, weder bei FB, Xing, Linkedin usw Mitglied ist? Bin ich der digitale Neaderthaler oder der Analphabet 2.0?
  • patrick  kuhn aus basel
    21.01.2016
    was soll das ich verstehs nicht. Es ist ein facebook profil. Privat. Es ist ja kein Bewerbungsprofil. Wenn mann/frau wegen einer palme die stelle nicht bekommt, dann sind diese leute nicht ganz dicht. Wenn man nur party fotos mit alkohol und halbnackte fotos drauf hat würde ichs verstehen. Aber ich würde auf facebook nie aber auch gar nie ein foto mit profil hochladen. DAS IST EINE PRIVAT SEITE.