Freispruch für UBS-Weil «Jetzt will ich endlich meinen Hund sehen»

FORT LAUDERDALE - USA - Überraschendes Urteil im Prozess gegen Ex-UBS-Topmanager Raoul Weil. Er wurde vom Vorwurf der Beihilfe zum Steuerbetrug freigesprochen. Nach der Verkündung weinten Weil und seine Frau hemmungslos.

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Nicht schuldig! So lautete das Verdikt der zwölf Geschworenen. Raoul Weil, seine Frau Susan Lerch und die Anwälte der Verteidigung sprangen auf, weinten und umarmten sich. Die Staatsanwälte blieben konsterniert sitzen.

Nur zwei Mitglieder der Geschworenen hätten zu Beginn der Beratungen mit einem Schuldspruch geliebäugelt, sagte auf Anfrage der Sprecher der Geschworenen nach dem Prozess. Sie liessen sich zuerst von Emotionen leiten, statt von Fakten.

Aus Mangel an Beweisen

Der Grund für den Freispruch war klar: Es fehlte an direkten Beweisen, dass Weil persönlich in die illegalen Geschäfte der UBS mit US-Kunden verstrickt war. Weil war in den USA wegen Beihilfe zu Steuerbetrug angeklagt. 

Bei einem Schuldspruch hätten ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis gedroht. Jetzt ist er ein freier Mann. Er bekommt seinen Pass und die hinterlegte Kaution von 10,5 Millionen Dollar zurück.

Jetzt wolle er in die «Heimat» zurückkehren und endlich seine Eltern und seinen Hund wiedersehen, sagte er.  Er dankte im Interview mit dem Westschweizer Radio RTS jenen, die ihn während den «sechs Jahren Albtraum» unterstützt hätten.

Weil zeigte sich kritisch: Es sei ein Hohn, dass Leute in die USA reisten, dort das Schweizer Bankgeheimnis verletzten sowie Geldwäscherei zugeben könnten und in der Schweiz dann nicht verfolgt würden.

Freispruch lag früh in der Luft

Dem Urteil war ein spannendes Duell der Parteien vorangegangen. Beide Seiten, Anklage und Verteidigung, hatten je zwei Stunden Zeit, um den Geschworenen nochmals ihre Sicht der Dinge zu präsentieren. Der Freispruch lag aber schon früh in der Luft.

In den Schlussplädoyers konnte die Verteidigung Punkte sammeln, während die Anklage farblos blieb. Das Schlusswort der Verteidigung war hart. Anwalt Matthew Menchel bezeichnete den Kronzeugen Martin Liechti als Kriminellen und Lügner. 

Ex-Kollege Liechti belastet Weil

Liechti war bis 2008 Amerika-Chef der UBS-Vermögensverwaltung gewesen und hatte seinen früheren Freund und direkten Vorgesetzen Raoul Weil am meisten belastet. «Es ist eine schöne Geschichte, von der US-Regierung schön ausgemalt», spottete Menchel.

In Tat und Wahrheit sei der Fall aber sehr kompliziert. Die Anklage versuche bloss, die Einzelheiten zu übergehen. Die Wahrheit liege aber oft im Detail. So ging er nochmals die Aussagen des Zeugen Liechti durch.

Menchel weiter: «Er hat schlicht gelogen, und als ich ihn überführte, hat er wieder gelogen, und dann nochmals, um seine alten Lügen zu rechtfertigen. Er ist pathologisch.» Es sei Liechti gewesen, der die illegalen Machenschaften der UBS im grenzüberschreitenden Geschäft mit US-Kunden gekannt und unterstützt habe, nicht Weil.

«Dieser Mann, Raoul Weil, hatte damit absolut nichts zu tun», so Mechel. Zum Schluss drückte er noch auf die Tränendrüsen. Dieses Verfahren habe das Leben seines Mandanten zerstört und dessen Ruf geschädigt.

Staatsanwälte schwach

Die Staatsanwälte Mark Daly und Jason Poole, die am Anfang und zum Schluss das Wort hatten, konnten die magere Beweislage nicht verbessern. Sie beschränkten sich darauf, die illegalen Geschäfte mit US-Kunden möglichst in die Nähe von Weil, der damals Chef der globalen UBS-Vermögensverwaltung und damit oberster Verantwortlicher war, zu rücken.

Sie zeigten nochmals auf, wie es die UBS jahrelang nicht schaffte – offensichtlich nicht schaffen wollte, aus dem umstrittenen Geschäft auszusteigen. Profit sei der Bank wichtiger gewesen als die Einhaltung der Gesetze.

Staatsanwalt Poole warf der Verteidigung vor, vom Kern der Sache abzulenken. Es sei eben doch ein einfacher Fall, ein Fall von klassischer Steuerhinterziehung.

Richter nahm Geschworene ins Gebet

Er habe von diesem illegalen Geschäft Kenntnis gehabt, gewusst, dass 90 Prozent der US-Kunden ihr Konto bei der Steuerbehörde nicht deklarierten. Als es brenzlig wurde, habe er Untergebene wie Liechti sogar aufgefordert, um jeden einzelnen dieser Kunden zu kämpfen, um ihn bei der UBS zu halten.

Richter James Cohn hatte zuvor in seinen Instruktionen an die Geschworenen unterstrichen, dass es nicht der Angeklagte sei, der seine Unschuld beweisen müsse. Er machte dir Tür zu einem Freispruch weit auf.

Der Richter ernst: «Wenn Sie begründete Zweifel an seiner Schuld haben, müssen Sie ihn freisprechen. Wenn sie ihm glauben, dass er nichts gewusst und immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat, müssen Sie ihn freisprechen.» So kam es dann auch und es flossen Tränen der Erleichterung. (dr/SDA)

 

 

 

Update folgt...

Publiziert am 03.11.2014 | Aktualisiert am 04.11.2014
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5 Kommentare
  • Marc  Langenegger aus St.Gallen
    04.11.2014
    Aus meiner Sicht haben beide alles gewusst, doch sie in den USA ans Messer zu liefern ist trotzdem falsch. Zur Zeit jener Vergehen hat nämlich jede Bank Steueroptimierungen angeboten. Auch die Amerikanischen, wenn sie es nicht heute noch tun, siehe Delaware ect.
  • Bernd  Matzgen 04.11.2014
    Immerhin wurde Weil, wie in USA üblich, durch die Geschworenen, also Leute aus dem Volk, freigesprochen und nicht wie bei uns üblich, durch einen politisch "motivierten" Richter. So ist mir das allemal lieber, Urteil hin oder her.
  • Beat  Jau , via Facebook 04.11.2014
    Tragisch, das solche Leute freigesprochen werden
  • Meyer  Roman aus Aarau
    04.11.2014
    Die im Grossen Styl Abzocken lässt man Laufen.

    Der kleine wird zur Rechenschaft gezogen. So ungerecht ist die Welt.
  • Adrian  Züger 04.11.2014
    Diese Geschichte drückt gleich auf die Tränendrüse
    Arme Banker sind immer unschuldig und trotzdem muss die UBS Milliarden Bussen zahlen...?????