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Blick: Frau Ospel, Sie kommen aus gutem Haus. Was halten Sie von der Diskussion über eine Erbschaftssteuer für Reiche?
Adriana Ospel: Ich unterstütze die Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer. Aber nicht im vorgeschlagenen Ausmass von 50 Prozent. Ich denke an einen einstelligen Prozentsatz. Wichtig ist, im Gegenzug die kantonalen Vermögenssteuern abzuschaffen und die Einkommenssteuer zu senken.
Mit Ihrer Meinung bringen Sie sich um einen Teil Ihres Erbes!
Schon. Aber Erben ist keine Leistung. Eine Steuer ist in Ordnung.
Spüren Sie als reiche Frau Verantwortung für die Gesellschaft?
Verantwortlich bin ich für den Erfolg in meinem Unternehmen. Solange wir gut arbeiten, geht ein Viertel vom Gewinn an den Staat und so ins Sozialwesen. So trage ich meinen Teil bei.
Wie alle. Ich dachte eher an Extra-Verantwortung.
Ich engagiere mich bei meinem Verein GC, wo ich früher Tennis spielte und Landhockey. Ich arbeite an einem neuen Konzept für die Nachwuchsförderung in allen Sektionen. Wenn die Jungen zusammen Sport treiben, hilft das der sozialen Integration und sie kommen erst gar nicht auf dumme Gedanken.
An seiner letzten GV hat Ihr Mann Cervelats für einen Wurstsalat geschenkt bekommen. Haben Sie die Zubereitung übernommen?
Mein Mann hat schon seinen Senf dazu gegeben. Meinen braucht es nicht auch noch.
Als Sie geheiratet haben, war Marcel Ospel der respektierte Präsident der UBS. Heute wird er für Milliardenabschreiber verantwortlich gemacht und ist der gestürzte UBS-Chef.
Gestürzt? So stellen es die Journalisten dar. Fakt ist: Mein Mann ist freiwillig zurückgetreten.
Jedenfalls ist er nicht mehr UBS-Präsident. Hat das Ihr gemeinsames Leben verändert?
Nein.
Aber?
Nichts aber. Ich habe ihn ja nicht geheiratet , weil er Präsident der UBS war. Wir haben es nach wie vor sehr gut zusammen.
Und die Kritik an Ihren Mann stört Sie nicht?
In der Schweizer Presse wird er besonders hart attackiert. Im Ausland viel weniger. Es ist wie bei Marco Streller. Er ist als Stürmer sicher überdurchschnittlich begabt. Und trotzdem wird er ausgepfiffen. Sodass er sich sagt: Ich habe Besseres zu tun. Der grösste Wettbewerbsnachteil unseres Landes ist der Neid seiner Bürger.
Was sagen Sie zu exorbitanten Managerlöhnen?
Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir in der Schweiz globale Firmen haben, die bei uns auch Steuern zahlen? Falls ja : Dann ist es klar, dass diese Firmen Top-Leute brauchen. Diese Leute sind auf der ganzen Welt begehrt und kosten viel. Damit müssen wir leben lernen. Warum sind die Löhne so hoch? Weil erstens nur wenige fähig sind, eine grosse Firma zu leiten. Und weil zweitens immer weniger Menschen Lust darauf haben, von der Wirtschaftspresse unsachlich verprügelt zu werden.
«Der grösste Wettbewerbsnachteil unseres Landes ist der Neid seiner Bürger.»- BLICK/Stefan Bohrer