Wegen Spekulanten Franken sackt ab

  • Publiziert: 06.09.2012
  • Von Thomas Ungricht
play Der Euro ist seit gestern Nachmittag gegenüber dem Franken im Höhenflug. Derzeit steht der Franken-Euro-Kurs bei 1.2060. (Infografik cash.ch)

Devisenspekulanten wetten auf die Rettung des Euros durch EZB-Präsident Mario Draghi. Das lässt den Schweizer Franken schwächer werden und die Nationalbank durchschnaufen.

Monatelang passierte beim Franken-Euro-Kurs nichts. 1.2010 Franken für einen Euro schienen in Stein gemeisselt.

Gestern ist plötzlich Bewegung in den Kurs gekommen. Der Franken schwächt sich seit gestern Nachmittag kontinuierlich ab und steht derzeit bei 1.2060. Es ist dies der höchste Stand seit April 2012.

Die Gründe dafür liegen – mal wieder – in Frankfurt bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Im Vorfeld der heutigen Sitzung des EZB-Rates drangen Gerüchte nach aussen, wonach die EZB den Kauf von Staatsanleihen der Krisenländer in prinzipiell unlimitierter Menge beschlossen hätte.

Seit Wochen wird darüber gerätselt, ob sich die EZB tatsächlich zu einem derartigen Schritt durchringen würde. Der Kauf der Staatsanleihen von Ländern wie Spanien oder Italien würde die Zinsen auf ihren Staatsanleihen stark senken. Die mörderisch hohen Zinsen, die diese Länder gegenwärtig bezahlen müssen, lassen ihnen kaum Raum, um ihre Schulden abzubauen.

Viel warme Luft

Mit einer solchen Massnahme würde EZB-Präsident Draghi das Risiko eines Scheiterns des Euros verringern. «Aufgrund dieser Gerüchte spekulieren Devisenspekulanten und Hedgefonds auf eine Erholung im Euroraum. Weil sie auf den Euro setzen, schwächt sich der Franken zum Euro ab», sagt UBS-Devisenspezialist Constantin Bolz.

Dass sich der Frankenkurs erholt, hat für die Nationalbank (SNB) einen schönen Nebeneffekt: «Das ist ein gutes Zeichen für die SNB. Gegenwärtig schwächt sich der Franken von selbst ab, ohne dass die SNB Geld in die Hand nehmen muss, um den Mindestkurs von 1.20 zu stützen.»

Gerüchte über eine allfällige Intervention der SNB oder gar eine Anhebung des Mindestkurses hält Bolz für warme Luft.

Beliebteste Kommentare

  • Andreas  Karz , Niederurnen , via Facebook
    Devisenspekulanten und Hedgefonds sind nichs anderes als Synonyme für den Begriff "Kapitalverbrechher"
  • peter  vonlanthen
    Morgen wird dann bereits wieder über den massiven Währungsgewinn der SNB geschrieben und darüber diskutiert, wer jetzt wieviel von diesem Gewinn abschöpfen soll, oder andere, die sich über die Währungshüter, welche sie als Spekulanten bezeichnen, enervieren!

Alle Kommentare (29)

  • Thomas  Röder
    Ist den der Kurs des CHF ausser für Spekulanten und Urlauber überhaupt noch von Bedeutung?
    In der Realwirtschaft weniger Transaktionen als beim PLN oder RON...
    • 06.09.2012
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  • marco  schwab , zürich
    ja und liebe Treuhänder sagt euren Kunden, dass die Steuern auf Wechselkursgewinne abfallen! lassen sie sich nicht vom Treuhänder abzocken. wie schon gesagt more Treuhänder more problems, ich mache es jetzt lieber wider selbst.
    • 06.09.2012
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  • Laurent  Meier , via Facebook
    Also unter "absacken" verstehe ich schon etwas mehr als eine Kursschwankung von rund 0.4 Prozent, da hatte jemand wohl einen kleinen Hang zur Übertreibung...
    • 06.09.2012
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  • Mike  Sommer , Zürich
    Na da bin ich aber überrascht! Die Spekulanten - das Wort ist falsch gewählt, richtiger wäre: Die grossen Players wissen, wann sie short gehen müssen - aufgrund der Psychologie am Markt. Solange die EZB keine Bürgschaft abgibt, ist man auf der Short-Seite sicher. Niemals könnte genügend Kaufkraft entwickelt werden, was ihre Position gefährden würde. Nun - mit der Garantie - wenden sie das Blatt; resp. haben es schon kurz vorher getan, weil der Draghi natürlich längst seine Kreise orientiert hat. Kurz: Die Grossen machen wieder einen grosses Geschäft aus der Sache. Die EZB ist mit Draghi ein vollkommen korruptes Institut!
    • 06.09.2012
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  • Rolf  Bühler
    Liebe Hedgefonds-Manager, bitte vernichtet den Euro. Ohne Rücksicht auf Verluste, nur damit das Trauerspiel endlich ein Ende nimmt. Denn selbst für das was bereits abgegangen ist, für das werden unsere Kinder EU + CH noch sehr, sehr lange bezahlen müssen. Ein paar hundert Milliarden mehr oder weniger sind ohne Belang, der Mist ist gekarrt, beginne auf Feld Null.
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