Freche Abzocke! Flüssig-Gold in der Kaffee-Tasse

Wie teuer dürfen Espresso oder Schale in der Schweiz sein? SonntagsBLICK testete die Schmerzgrenze

  • Publiziert: 26.08.2012
  • Von Philippe Pfister, Roman Seiler, Niklaus Wächter
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Einfach unglaublich: In der Schweiz bezahlt man zum Teil fast zehn Franken für eine Schale.

(Illustration: Igor Kravarik)

Zugegeben: An warmen Tagen sitzt man auf der Piazzetta des Viersternehotels St. Gotthard goldrichtig. Hier, am unteren Ende der weltberühmten Bahnhofstras­se, lässt es sich herrlich über Touristen, Banker und Shopping-Verrückte lästern.

Die exklusive Lage vis-à-vis vom Zürcher Hauptbahnhof hat indes einen Nachteil: Der Milchkaffee – eine Schale – kostet unglaubliche Fr. 7.50! Noch mehr kassiert nur das Luxushotel Palace in St. Moritz GR: Hier kostet die Schale gar neun Franken – wohl die teuerste Tasse Kaffee der Schweiz.

Wer Lust auf die schönsten Terrassen, die attraktivsten Gartenres­taurants, die angesagtesten Boulevard-Cafés hat, muss auf saftige Rechnungen gefasst sein. Gemäss Daniela Bär, Pressesprecherin von Schweiz Tourismus, «bezahlt ein Gast eben nicht nur für seinen Kaffee, sondern auch für die Lage».

In Venedig zahlt man sogar zehn Franken

Ein Hotel an der Zürcher Bahnhofstras­se könne einen höheren Preis verlangen als eines an einem gewöhnlichen Ort. Das sei international nicht anders: «In Venedig kostet der Espresso auf der Piazza San Marco rund zehn Franken.»

Solche Plätze sind wahre Goldgruben für die Betreiber. «Wir haben ein Privileg», sagt Martin Santschi, Direktor des St. Gotthard: «Steht einer auf, sitzt der nächste ab. Das soll seinen Preis haben.»

Er schicke aber auch keinen Gast weg, der während zweier Stunden am gleichen Getränk nippe. Rechtfertigt das den Preis von Fr. 7.50 für ­einen Milchkaffee? Immerhin verwende er den teuersten Kaffee, jenen von Amici, sagt Santschi.

Wenn die Stühle auf öffentlichem Grund stehen, profitieren auch Städte und Gemeinden: Sie kassieren Gebühren. Santschi zahlt dafür 30 000 Franken pro Saison von März bis Oktober. Das entspricht 52 Franken pro Monat und Quadratmeter.

Hotelier-Präsident: «Das ist unsympathisch»

Jörg Arnold, Präsident der Zürcher Hoteliers, findet den Kaffeepreis im St. Gotthard etwas gar hoch. Der Direktor des am Limmat-Ufer in der Zürcher Altstadt gelegenen Viersternehotels Storchen sagt: «So viel für einen Kaffee zu verlangen ist unsympathisch.»

Dramatisch sei es aber nicht: «Gäste können Preise vergleichen und ihren Kaffee woanders trinken. Beispielsweise bei mir. Mein Preis von Fr. 4.90 für einen Espresso oder ­einen Milchkaffee ist vernünftig.» Es sei «intelligenter» nicht zu viel für ein Bier oder einen Kaffee zu verlangen: «Das sind politische Preise. Wenn man die erhöht, gibt es jedes Mal einen Aufstand.»

Kein anderer Gastronom an der Bahnhofstrasse wagt für einen ­Kaffee so viel zu verlangen wie Santschi vom St. Gotthard (siehe Tabelle). Selbst die meisten Luxushäuser in der Schweiz sind günstiger, traditionelle Cafés sowieso.

Am Basler Barfi kostet der Kaffee nur 4.50.-

So verlangt das Sprüngli am Paradeplatz Fr. 5.30 für die Schale. In der ­Filiale des Edelpatissiers am Basler Barfüsserplatz kostet sie sogar nur Fr. 4.50.

Zürcher zahlen laut Branchenverband CafetierSuisse im Schnitt am meisten für einen Café crème. Der Durchschnittspreis liegt mit Fr. 4.27 um 23 Rappen über dem Deutschschweizer Durchschnitt.

Da verlangt das D-Vino in Zürich mit Fr. 5.20 pro Schale zwar mehr – aber immer noch Fr. 2.30 weniger als das St. Gotthard vis-à-vis!

Beliebteste Kommentare

  • Ruedi  Blumenthal , Domat/Ems
    Liebe Gastronomen und da wundert ihr euch dass die Touristen nicht mehr kommen? schlaft weiter:-
  • Bruno  Gamper , Sirnach , via Facebook
    Wer in Venedig am San Marco einen Kaffee trinkt ist ebenso selber schuld wie jender, der den Preis vonn Fr.7.50 bezahlt. In Venedig gibt es sehr guten Espresso unter zwei Euro und das unweit von San Marco und Rialto.

Alle Kommentare (56)

  • Weber  Jack , Zürich , via Facebook
    Wir sind selber schuld,Kaffee Kochen abfüllen und Mitnehmen,Klappstuhl und neben dem Hotel Gotthard das Treiben Beobachten.
    • 27.08.2012
    • 15
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  • Nathalie  Dubois
    Im D-Vino zahlt jedoch wer seine viel zu dunkle Schale auf der Karte ausdrücklich als Milchkaffe aufgeführt auf normale Farbe aufhellen möchte .-60 Rappen extra für einen Gutsch zusätzliche kalte Milch! Macht somit Fr. 5.80.
    • 27.08.2012
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  • alexa  sommer , frauenfeld
    Kaffee wird teurer, Bier wird teurer, und dann noch alle Raucher "vor die Türe setzen" ?! Wirten lohnt sich nicht mehr. Das Gesetz wieder, wie schon erwähnt, das Gesetz macht alles kaputt ! Und wer macht die idiotischen und unüberlegten Gesetze ?! Die höhere Dummköpfe !!!
  • Ewald  Rindlisbacher , Grayland
    Die Schweizer werden gerupft. Kaffe an und fuer sich ist billig und sollte nicht ueber 1.50 kosten in einer normalen Kneipe und bis 2.50 in einem guten Restaurant. In vielen Laneder ist Kaffe gratis wenn man was isst im Restaurant.
    • 27.08.2012
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  • Eddy  Keller , Dällikon
    Viele Kommentar schreiben, dass sie Nespresso konsumieren, aber umgerechnet ist das Pulver über 60.- Fr. das Kilo.
    Ich bezahle 5.90 Fr das Kilo Arabica und brauche nicht mal ne Kaffemaschine und die Tasse kommt mir auf 2,6 Rp. die Tasse und 1 1/2 Minuten Strom vom Wasserkocher. Prost!
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