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Fleischpreise steigen massiv: Auf diesen Happen müssen Sie verzichten

Viele Bauern haben sich frustriert aus der Fleischproduktion zurückgezogen. Konsumenten zahlen jetzt die Zeche.

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Fürs gleiche Geld gibts heute ein Fünftel weniger Kotelett als noch vor zwei Jahren. play

Fürs gleiche Geld gibts heute ein Fünftel weniger Kotelett als noch vor zwei Jahren.

(Sabine Wunderlin)

Fleisch wird in der Schweiz immer teurer: Seit zwei Jahren ziehen die Preise massiv an. In diesem Jahr dürfte es so weitergehen.

Beispiel Entrecôte: Ein Kilogramm davon kostete im Oktober 2011 noch Fr. 65.90, zwei Jahre später schon 71 Franken – fast acht Prozent mehr.

Noch happiger sind die Preiszunahmen bei geschnetzeltem Rindfleisch und Ragout. 10 beziehungsweise 13,3 Prozent betragen hier die Aufschläge gegenüber 2011.

Besonders krass sind die Aufschläge beim Schweinefleisch: Beim Nierstück beträgt der Aufschlag innerhalb von zwei Jahren 13 Prozent. Und sogar satte 25,9 Prozent mehr bezahlen wir Konsumenten gegenüber 2011 für Koteletts.

Auch beim Kalbfleisch zeigt sich ein ähnlicher Trend: So musste man 2013 für Kalbsvoressen fast 20 Prozent mehr bezahlen als 2011.

Was den Konsumenten im Portemonnaie fehlt, freut die Produzenten. Denn die Bauern bekommen für ihre Schlachttiere jetzt einen besseren Preis. Für Sandra Helfenstein (40), Sprecherin des Schweizer Bauernverbands, waren die Preissteigerungen dringend notwendig:

«Weil die Schlachtpreise so tief waren, stiegen immer mehr Bauern aus der Produktion aus.»

Steigende Fleischpreise für Konsumenten, aber klagende Bauern – wie passt das zusammen? Hintergrund ist: Die Schweiz ist eine Hochpreisinsel.

Zwei Faktoren treiben die Preise für Schweizer Fleisch hoch. Der erste betrifft die sogenannte Vorstufe – gemeint sind Dünger und Futter, wie Konsumentenschützerin Sara Stalder (44) erklärt: «Hier kontrolliert ein Importeur den Grossteil des Markts.» Die Schweizer Bauern bezahlten deshalb zu viel für Dünger und Futtermittel – das treibt die Preise zur Fleischproduktion künstlich hoch. «Nur einzelne Produzenten setzen auf Direktimporte aus dem Ausland.»

Der zweiter Faktor ist, dass das Angebot an heimischem Fleisch immer knapper wird, weil viele Bauern aus der Zucht von Schlachtvieh ausgestiegen sind:

Das Minus bei den Schlachtungen für Schweizer Kühe, Kälber und Schweine betrug allein im letzten Jahr zwischen 18 und 21 Prozent.

Damit wurde das letzte Jahr «ein gutes Jahr für die Fleischproduzenten», sagt der Präsident des Schweizer Fleischfachverbands, der frühere Solothurner FDP-Ständerat Rolf Büttiker (63).

Insbesondere beim Schweinefleisch habe man die Preis-Baisse von vor zwei Jahren nun überwunden – «damals verdienten die Bauern fast nichts», weiss Büttiker.

Klar seien die Preise im Vergleich zum Ausland immer noch hoch. «Aber in der Schweiz werden höhere Löhne und höhere Preise für Futter und Dünger bezahlt», sagt Büttiker.

Besonders die Vorschriften beim Tierschutz seien hier höher – «und das wird auch kontrolliert». Also zahle der Kunde auch für bessere Qualität. 

Im Rahmen der Agrarpolitik 2014 bis 2017 werden die Vorschriften für die Produzenten noch einmal strenger. Konsumentenschützerin Stalder befürchtet, dass dies noch mehr Bauern zur Aufgabe der Produktion bewegen werde – dies würde das Angebot weiter verknappen.

Deshalb haben die Experten des Bundes für Kampfgriller nicht wirklich gute Nachrichten: Die Preise werden langfristig wohl weiter steigen.

Beliebteste Kommentare

  • Rolf  Hess , Münchenbuchsee
    Von da ab, wo die Produktion eines Kilo Fleisches mehr kostet als der Preis hergibt, ist klar, dass der Bauer nicht mitmacht.
    Dass aber Fleischverwerter im Ausland billiges Fleisch einkaufen dürfen und es dann zu Schweizer Preisen wieder verkaufen, ist die grosse Sauerei im Fleischhandel.
    Dafür werden tonnenweise Vorderviertel, für 5 Franken und zusätzlich subventioniert, exportiert.
    Dort wo argentinisches Rind zu 99 fränkigem Bündnerfleisch verzaubert wird, hört bei mir die Konsumation auf.
  • Kurt  Mäschli
    Ganz einfach: Die Konsumenten haben es in der Hand! Kauft einfach mal 2 Monate kein Fleisch mehr und ihr werdet staunen was da passiert!

Alle Kommentare (75)

  • Martial  Kohler , via Facebook
    Wir essen nur Rindfleisch aus Südamerika, Entrecôte Kilopreis 47 CHF bei einer Grossmetzgerei, oder Angus Beef bei Lidl Kilopreis durschnittlich 59.90 CHF. Man muss vergleichen, es lohnt sich !
    • Sandro  Rothenberger , via Facebook
      Ich würde es ihnen von Herzen gönnen, wenn sie ihr Zahltag in Deutschland beziehen müssen, das sind so rund 800-1200€ Netto. Den Ast abzusägen, auf dem man sitzt ist unklug. Bald ist die CH auch bei den Lebensmittel vom ausland abhängig. Das heisst fressen was man serviert bekommt, reklamieren kann man auch nicht mehr und die Preisspirale ist dann auch in ausländischer Hand.
      • 06.01.2014
      • als Kommentar auf Martial  Kohler
      • 10
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  • Markus  Berchier , Soulce
    Man hat vor Jahren durch eine Volksabstimmung die Abschaffung der Kartelle, hier zeigt sich doch dass, diese immer noch bestehen und sich vermehrt haben. Diese Hochpreispolitik ist eine Schande für unser Land. Alles wird künstlich jährlich verteuert, damit sich die Herren sich noch mehr in den Rachen stecken können. Und das Volk und Konsument bezahlt die Zeche. Und unsere Ämter in Bundes Bern tragen Scheuklappen. So werden Volksendscheide verwirklicht.
    • 05.01.2014
    • 93
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  • Mario  Verdi
    Man stelle sich vor die Schweizer Unternehmungen hatten sich aus der Textilbranche zurück gezogen und das Paar Socken kostet jetzt 100 Franken...
    • 05.01.2014
    • 49
    • 7
  • Mike  Theissl
    Alles wäre gar nicht so schlimm, wenn die Zwischenstationen bis das Fleisch im Laden ist, sich nicht eine Goldene Nase damit verdienen würden.
    • 05.01.2014
    • 84
    • 2
  • C.  Ebenso
    Am besten geht kauft man das Fleisch direkt beim Bauern ab dem Hof. Dann weiss, man, woher es ist, bezahlt um einiges weniger, und der Bauer bekommt auch wirklich das Geld, was ihm zusteht. Solange wir beim Metzger und beim Discounter einkaufen, bereichert sich nur der Zwischenhandel. Auch unsere schlauen Metzger wissen, wenn sie günstig importieren, verdienen sie sich goldene Pfötchen.
    • Mario  Verdi
      Ihnen ist schon klar dass der Zwischenhandel existiert weil z.B. nicht jeder Stadtzürcher zum nächsten Hof rennen kann. Und Metzger als Abzocker hinzustellen ist wohl das Letzte.
      • 05.01.2014
      • als Kommentar auf C.  Ebenso
      • 39
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