Steuerstreit mit USA Wie hat die UBS Steuersünder verpfiffen?

  • Publiziert: 16.11.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Matthias Pfander

BERN – Die UBS ist immer noch dabei, die Steuersünder für die USA auszusieben. Nach welchen Kriterien das passiert, soll morgen verraten werden.

Bis jetzt wars streng geheim. Morgen Dienstag um 11.15 Uhr werden in Bern die Details zum Abkommen zwischen den USA, der Schweiz und der UBS veröffentlicht.Das ist brisant: Denn bis jetzt gibt es nur Vermutungen, welche Kriterien angewendet wurden. Als am 19. August bekannt wurde, wie die UBS in den USA den Kopf aus der Schlinge ziehen kann, fehlte eine wichtige Information. Wer gilt als Steuersünder und wer nicht?Diese Information sollte erst 90 Tage später nach dem Abkommen veröffentlicht werden, hiess es. Das war ein cleverer Trick. Denn so lange diese Kriterien nicht klar waren, musste praktisch jeder UBS-Kunde aus den USA zittern, der ein Bankkonto in der Schweiz hat.Clevere FinteMit der Finte hofften die US-Steuerfahnder, dass sich viele Steuertrickser freiwillig stellen. Diese Taktik ist, wie man jetzt weiss, gut aufgegangen. Bis dato haben sich über 9000 US-Bürger mit Schweizer Bankkonto selber angeschwärzt. Sie konnten zudem von einer Amnestie profitieren.Gleichzeitig können die US-Steuerfahnder auf weitere Fälle von der UBS hoffen. Und morgen wird man erfahren, wie die UBS beim Durchforsten ihrer Kundendatei auf die ominöse Zahl von 4450 mutmasslichen Steuerbetrügern in den USA kam.Bei Briefkastenfirmen schellen AlarmglockenHatte der Kunde eine Briefkastenfirma in einem Steuerparadies gegründet, stand er sicherlich schon mal unter Generalverdacht. Ein zweites Kriterium ist das Ausmass des mutmasslichen Steuerbetrugs.Der Kontostand musste zwischen den Jahren 2001 und 2008 laut «NZZ am Sonntag» mindestens einmal die Marke von 1 Million Franken übertreffen. Hat der Kunde zudem Dokumente nicht korrekt eingereicht oder sogar mutmasslich gefälscht, wurde der Kunde ebenfalls für die Amis ausgesiebt.

Was tischt UBS-Grübel morgen auf?

Die Zahlen der UBS im dritten Quartal waren eine Enttäuschung: Höherer Verlust und mehr Kundengelder abgeflossen als erwartet.

Morgen findet in Zürich der sogenannte «Investors Day» statt. UBS-Chef Oswald Grübel wird um 8.15 Uhr den Anlass eröffnen. Es geht um die Zukunft der Bank. Wie wird sie neu aufgestellt, wie sieht es in den einzelnen Abteilungen aus, wie in den verschiedenen Märkten rund um den Globus.

Um 15.30 ist der Anlass zu Ende und die Teilnehmer haben die «Gelegenheit, die Manager bei einer Erfrischung zu treffen», wie es auf der Einladung heisst.

Wie geht es weiter?

Die Daten der 4450 mutmasslichen Steuerbetrüger unter den US-Kunden, die die UBS genannt hat, liefert die Bank in einzelnen Tranchen an die Eidgenössische Steuerverwaltung. Die Kunden erhalten darauf eine Verfügung. Dagegen und damit gegen die Auslieferung ihrer Daten können sie sich auf dem Rechtsweg wehren.

Ein wichtiger Stichtag ist der 1. Januar 2010. Haben sich bis dann 10000 UBS-Kunden freiwillig bei der US-Steuerbehörde angezeigt, ziehen die USA ihre Klage gegen die UBS definitiv zurück. Wie erwähnt liegt die Zahl der Steuersünder bereits bei über 9000 – deshalb hat die UBS guten Grund zur Hoffnung.

Wenn dieser Termin verpasst wird, steht und fällt die Zukunft für die UBS mit dem 24. August 2010. Bis dann müssen die Verfahren gegen die 4450 UBS-Kunden abgeschlossen und die Daten an die US-Behörden übergeben sein. Zudem darf die Zahl nicht «wesentlich» von den ominösen 4450 abweichen.
play Morgen werden in Bern wichtige Details zum Deal zwischen der Schweiz, den USA in Sachen UBS bekannt. (Keystone)

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