
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
«Wir brauchen eine andere Kultur», verlangt der bekannte amerikanische Politologe Francis Fukuyama angesichts der Finanzkrise. 30 Jahre lang habe man den Staat schlechtgemacht, weil er der Privatinitiative im Wege stehe. Fukuyama dagegen erinnert an die Antrittsrede John F. Kennedys von 1961. Der US-Präsident habe den Dienst für die Gemeinschaft in den Mittelpunkt seiner Rede gestellt: «Frage dich nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage dich, was du für dein Land tun kannst.» Fukuyama möchte dort anknüpfen: «Wir brauchen eine andere Kultur, um den öffentlichen Sektor wieder aufzubauen.»
Kennedy zielte auf den Kopf. Denn dort beginnt bekanntlich fast alles, eben auch die «andere Kultur».
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat immer wieder unter Beweis gestellt, dass er der Bonus-Banker-Kultur angehört. Als er wegen dem Abnicken horrender Zahlungen an die Mannesmann-Manager vor Gericht stand, prägte er den unvergesslichen Satz: «Deutschland ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen.» Als er dann noch mit zum Victory-Zeichen gespreizten Fingern in die Kameras feixte, schlug ihm offener Hass entgegen. Das war noch vor dem aktuellen Systemkollaps. Jetzt macht Ackermann mit einem öffentlich erklärten Bonus-Verzicht Schlagzeilen. Ist das schon die «andere Kultur»? Wäre toll; doch der schnelle Wechsel riecht verdächtig nach billiger Imagepflege.
Mit neuen Gesetzen wollen Politiker von links bis rechts nun eine «andere Kultur» in der Finanzwelt durchsetzen. Es geht auch mit den Füssen, meint – nicht ganz uneigennützig – Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. Wenn es nach ihm geht, sollen die Kunden nur noch zu Banken gehen, wo nicht die alte Bonus-Kultur herrscht. Alles klar.