Slowakei lehnt Ausbau ab Wer rettet den Rettungsschirm?

  • Publiziert: 11.10.2011, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Matthias Pfander
play Die slowakische Regierungschefin Iveta Radicova. (Reuters)

Eine Blondine stand dem Euro-Rettungsschirm im Weg! Weil diese Frau gestürzt werden sollte, verweigerten die Slowaken gestern die Milliarden.

Eigentlich haben die Slowaken nichts gegen den Ausbau des Euro-Rettungsschirms (EFSF). Auch wenn im Parlament von «perverser Solidarität» die Rede war. Doch sie wollten die bürgerliche Regierung von Iveta Radicova (54 ) loswerden. Und dafür war die EFSF-Abstimmung eine gute Gelegenheit. Denn Iveta Radicova hatte aus ihr eine Vertrauensfrage gemacht. Gestern, am späten Abend, lehnte das Parlament die Vorlage klar ab. Damit ist die Regierung Radicova am Ende und es kommt zu Neuwahlen.

Um was geht es genau?

Die Kapazität des EFSF soll von 440 auf 780 Milliarden Euro erhöht werden. Jedes der 17 Euro-Länder muss die Erweiterung für den Euro-Rettungsschirm durch sein Parlament absegnen lassen. 16 von 17 Staaten haben zugestimmt.

Wer rettet den Rettungsschirm?

Nachdem das slowakische Parlament den Rettungsschirm im ersten Anlauf abgelehnt hat, kann die Abstimmung in wenigen Tagen wiederholt werden. Das sieht die Verfassung bei internationalen Gesetzen so vor. Sollten sich die Slowaken auch beim zweiten Anlauf sperren, könnten allenfalls die anderen Euro-Länder deren Anteil übernehmen: Es geht um 3,5 Milliarden Euro.

Was bedeutet das für die Griechen?

Das Geld des erweiterten Rettungsfonds ist wichtig für ein zweites Hilfspaket an Griechenland – sofern das Land nicht in die Pleite geschickt wird. Ein kräftiger Schuldenschnitt oder Haircut ist mittlerweile aber selbst für Jean-Claude Juncker kein Tabu mehr: Er stimmte die Geldgeber Griechenlands am Montagabend auf herbe Verluste ein. Gegenüber dem ORF sprach er von
einem Ausfall von über 60 Prozent, der den Investoren drohen könnte.

Was ist mit der nächsten Tranche für die Griechen?

Die nächsten 8 Milliarden Euro sind auf gutem Weg. Inspektoren der Troika bekräftigten gestern zwar, dass Griechenland seine Sparziele dieses Jahr wohl verfehlen werde. Besser sehe es für nächstes Jahr aus: Die Massnahmen sollten ausreichen, für 2013 und 2014 seien jedoch weitere Schritte nötig. Damit die nächste Tranche nun freigegeben wird, braucht es noch die Zustimmung der Euro-Finanzminister und des IWF. Erhält das Land die Milliarden bis Mitte November nicht, geht das Geld aus.

Müssen bald weitere Banken gerettet werden?

Bei einem krassen Schuldenschnitt wäre das unvermeidlich. Gestern hat die Ratingagentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit von zehn spanischen Instituten abgestuft. Mitbetroffen: Banco Santander. Gute Nachrichten gibts aus Italien. Das Land muss noch 3,57 Prozent Zins zahlen (nach 4,15).

Neue Banken-Rettung durch den Bund? SP Diesmal gibts nichts gratis!

Von Henry Habegger

Der Fall der belgisch-französischen Bank Dexia schreckt die SP auf. Mit einem «Überschwappen der europäischen Bankenkrise, insbesondere auf die beiden global vernetzten Grossbanken, muss gerechnet werden», hält das Präsidium in einem kurzfristig erarbeiteten Papier fest. SP-Chef Christian Levrat will eine allfällige Bankenrettung an drei Bedingungen knüpfen:
Parteien einbeziehen: Eine Bankenrettung müsse diesmal demokratisch abgestützt sein. Nationalbank und Bundesrat hätten die Parteien «im Krisenfall in die Entscheidung einzubinden». Das war 2008 bei der UBS-Rettung nicht der Fall.

uWer zahlt, befiehlt: 2008 habe die Öffentlichkeit bezahlt, das Bank-Management aber weiterhin eigenmächtig entschieden. Künftig müsse der Staat «im Interesse der gesamten Volkswirtschaft» direkt die Geschäftspolitik und das
Geschäftsmodell bestimmen.

Märkte regulieren: Die Schweiz müsse sich dafür einsetzen, die Finanzmärkte endlich zu regulieren. So sei die Allmacht der drei Rating-Agenturen zu brechen und eine internationale Transaktionssteuer einzuführen. Ausserbörsliche Derivate, Leerverkäufe, Kredit-ausfallversicherungen dürften, sofern noch erlaubt, nur noch über zentrale Plattformen abgewickelt werden.
Zudem müsse bei einer allfälligen Bankenrettung parallel auch der Werkplatz unterstützt werden, fordert die SP.

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