Schweizer Wirtschaftsweise Weder di Mauro warnt vor globaler Eskalation der Euro-Krise

Jetzt hilft nur noch radikales Sparen: Die Schweizer Wirtschaftsexpertin Beatrice Weder di Mauro hat böse Vorahnungen.

  • Publiziert: 14.11.2011, Aktualisiert: 13.01.2012
play Bundeskanzlerin Angela Merkel bedankte sich am letzten Dienstag bei Weder di Mauro für das Jahresgutachten des deutschen Wirtschaftsweisenrats. (Keystone)

Ihr Wort hat Gewicht. Die 46-jährige Schweizerin sitzt im sogenannten Rat der Wirtschaftsweisen, der die deutsche Regierung berät. In einem Interview warnt Beatrice Weder di Mauro nun erstmals sehr explizit vor einer düsteren Zukunft.

«Die unmittelbare Gefahr liegt in der Euro-Zone, aber sie kann ausstrahlen auf die ganze Welt», sagte sie der «Süddeutschen Zeitung». Gemeint sind die Folgen der europäischen Schuldenkrise, die bereits Griechenland mit voller Wucht erwischte und nun auch noch gewichtigere Länder wie Italien und Spanien zu erfassen droht.

Weder di Mauro befürchtet aufgrund der Euro-Krise einen «globalen Rückschlag», also möglicherweise eine weltweite Rezession. Eine Eskalation könne nur aufgehalten werden, wenn die europäischen Regierungen noch konsequenter zum Schuldenabbau übergingen und rasche Reformen einleiteten. Ein radikaler Abbau der Schulden sei alternativlos, sagte die Wirtschaftsweise.

Schuldenabbau dauert Jahrzehnte

Auch über die Dauer einer möglichen wirtschaftlichen Stagnation in Europa hat sich Weder die Mauro geäussert. Der Schuldenabbau könne sich noch über mehrere Jahrzehnte hinziehen, sagte sie der Zeitung.

Angestrebt werde das Ziel, dass alle Euro-Länder in rund 20 Jahren einen Schuldenstand in Höhe von 60 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung erreichten. Das entspricht den Kriterien des Vertrags von Maastricht.

Gleichzeitig warnte die Professorin im Interview vor einem möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone. Dies könne zu einem Zerfall der Währungsunion führen. Eine Wiedereinführung der Drachme etwa bedeute, dass alle Schulden, die auf Euro lauteten, um ein Vielfaches höher wären und nicht zurückbezahlt werden könnten. «Der Staat, das Bankensystem und weite Teile des Unternehmenssektors wären damit bankrott.»

D-Mark-Wiedereinführung wäre sinnlos

Auch eine Rückkehr Deutschlands zur D-Mark lehnt sie ab. Deutsche Exporte würden international viel teurer. Durch eine eigene Währung würde «die unter Mühen gewonnene Wettbewerbsfähigkeit mit einem Schlag zunichte gemacht».

Seit 2004 sitzt Weder di Mauro im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Sie ist die erste Frau und Schweizerin in diesem Amt und das mit Abstand jüngste Mitglied (alp)

Beatrice Weder di Mauro glaubt, dass die Euro-Schuldenkrise auf die ganze Welt ausstrahlen kann. play Beatrice Weder di Mauro glaubt, dass die Euro-Schuldenkrise auf die ganze Welt ausstrahlen kann. (sda)

Top 3

1 Wo ist unser Obama?bullet
2 Wellershoff warnt vor zweiter Bankenkrise «Man hat das Problem weiter-...bullet
3 Ein Ständchen für Marcel Ospel!bullet

Wirtschaft