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Selten hat sich das Blatt so schnell gewendet. Noch im Juli sah es aus, als würde die Welt an unaufhörlich steigenden Rohstoffpreisen zugrunde gehen. Doch seither haben sich die Rohstoffe um 50 Prozent und das Fass Erdöl sogar um 60 Prozent verbilligt. Die Zinsen steigen nicht mehr, sondern fallen. Und immer mehr Unternehmen offerieren ihre Produkte billiger – aus Angst, auf ihnen sitzen zu bleiben.
Die Trendwende ist ein Segen für unsere Portemonnaies in vielerlei Hinsicht:
Benzin
Der Liter Bleifrei kostet heute im Schweizer Durchschnitt etwa Fr. 1.50. Ungefähr so viel wie im Mai 2005. Wer bei der Ruedi-Rüssel-Tankstelle in Lausen BL vorbeifährt, reibt sich die Augen: Dort ist der Liter Bleifrei 95 gar für blosse Fr. 1.30 zu haben. Auch Diesel hat sich stark verbilligt, allerdings weniger als Benzin. Diesel ist auf das Jahresmittel 2007 zurückgefallen.
Heizöl
Bei einer 3000-Liter-Fuhre muss man heute mit rund 80 Franken pro 100 Liter rechnen – 40 Prozent weniger als vergangenen Juli. Ein solcher Preissturz fällt bei der Heizkostenabrechnung ins Gewicht. Er führt bei einer durchschnittlich isolierten 80-Quadratmeter-Wohnung zu Minderausgaben von 500 Franken pro Jahr.
Hypothekarzins
Die variablen Sätze sind in den letzen Wochen um ein Viertelprozent bis ein halbes Prozent gesunken. Die Festhypotheken folgen dem Abwärtstrend. Bei einer Hypothek von 400000 Franken macht ein Viertelprozent 1000 Franken aus. Bis auch die Mieten sinken, dauert es allerdings noch etwas.
Nahrungsmittel
Weltweit sind auch die Preise der landwirtschaftlichen Rohstoffe in die Tiefe gesaust. Migros und Coop haben die Milch bereits um fünf Rappen verbilligt, eine weitere Preisrunde ist in einigen Monaten wahrscheinlich. Die tieferen Rohstoffkosten geben den Grossverteilern bei vielen Produkten Spielraum nach unten. Drei Beispiele von Coop: Polenta Maisgriess, 750 Gramm, fällt von Fr. 1.90 auf Fr. 1.75, Jubilor Bohnenkaffee, 1 kg, von Fr. 11.00 auf Fr. 10.40 und Risotto San Andrea, 1 kg, von
Fr. 2.30 auf 2.20.
Aktien
Überall lecken die Anleger die Wunden. Die miserable Börsenlage hat aber auch ihre Kehrseite: Wer jetzt Geld zum Investieren hat, kriegt die Papiere so billig wie lange nicht mehr. Der Schweizer Börsenindex SMI notiert heute gut 30 Prozent tiefer als vor zehn Jahren. Der Dow Jones ist, zieht man die aufgelaufene Teuerung ab, auf das Niveau von 1966 zurückgefallen.
Reisen
Die Schnäppchen-Angebote häufen sich. Helvetic Tours beispielsweise setzt die Axt bei Destinationen wie Gran Canaria oder der Dominikanischen Republik derart schwungvoll an, dass Preisreduktionen um 30 Prozent und mehr resultieren. Kommt dazu: Die Währungen vieler Länder sind abgestürzt, auch das britische Pfund. Wer für ein verlängertes Wochenende nach London fliegt, kommt nicht mehr bettelarm zurück.
Löhne
Was wirklich für die Arbeitnehmer zählt, sind die Reallöhne, also die Löhne nach Abzug der Teuerung. Im 2008 sind die Reallöhne gesunken. Doch fürs 2009 sieht es besser aus. Weil die Preise an vielen Fronten sinken, ist für das nächste Jahr mit einer Inflation von bloss noch 1 bis 1,5 Prozent zu rechnen (siehe auch Interview rechts). Die Löhne dürften aber um durchschnittlich etwa 2,5 Prozent steigen. Das Resultat: eine Reallohnsteigerung von einem Prozent oder sogar noch ein bisschen mehr. Und das mitten in der Krise. Nicht schlecht!