PostFinance-Chef Bucher greift UBS und CS an: «Mehr Wettbewerb im KMU-Bereich»

  • Publiziert: 16.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Interview: Roman Seiler
play Post-Banker Bescheidener Lohn: Jürg Bucher ist seit 2003 PostFinance-Chef. Er dürfte rund 380000 Franken verdienen, schätzt SonntagsBlick. Die Lohnsumme für die achtköpfige Geschäftsleitung belief sich 2007 auf 2,2 Millionen. (Karl-Heinz Hug)

PostFinance fliegen die Kunden zu. Das Finanzinstitut der Post kämpft für eine Banklizenz, um selbständig Kredite vergeben zu können.

Herr Bucher, PostFinance verbuchte bis Ende September 4,8 Milliarden Franken an Neugeldern. Stoppte das UBS-Rettungspaket den Zufluss?
Jürg Bucher:
Der Oktober war der stärkste Wachstumsmonat unserer Geschichte. Von Januar bis September hatten wir 220000 Konti dazugewonnen. Das entspricht rund 24000 pro Monat. Im Oktober kamen fast doppelt so viele dazu. Wir gehen davon aus, dass auch der November und der Dezember zwei gute Monate werden.

Kommt der Zustrom hauptsächlich von der UBS?
Die neuen Kunden stammen von den beiden Grossbanken und teilweise von den Kantonalbanken. Die Kunden realisieren, dass es vernünftig ist, sein Geld auf mehrere Banken zu verteilen. Dies gilt für Privat- wie für Firmenkunden. Heute hat die Hälfte aller KMU eine Kontoverbindung bei uns.

Sie fordern eine Banklizenz. Das verärgert Konkurrenten. Braucht die Schweiz eine neue Bank?
Darüber entscheiden nicht die Konkurrenten, sondern die Kunden. Die bauen auf PostFinance, wie unser Wachstum in den vergangenen Jahren beweist. Wir verdoppelten unsere Kundengelder in sechs Jahren auf 50 Milliarden Franken.

Sie wachsen ja. Warum brauchen Sie eine Lizenz?
Der wichtigste Punkt für uns wäre, selbständig Hypothekar- und Firmenkredite vergeben zu können. Das würde das Risiko unserer Anlagen verringern. Denn heute sind wir gezwungen, unser Geld auf dem internationalen Geld- und Kapitalmarkt anzulegen. Sicherer wäre ein gut gemanagtes Hypothekenportefeuille in der Schweiz. Zudem würden die Kunden von mehr Wettbewerb und guten Konditionen profitieren.

Was bringt das den Kunden?
Die Abhängigkeit von den zwei Grossbanken ist zu gross. Sie kommen bei den Privatkunden auf einen Marktanteil von nahezu 40, bei den KMU gar auf 60 Prozent. Gerade im KMU-Geschäft braucht es mehr Wettbewerb. Wir könnten zum Beispiel attraktive Angebote vor allem für kleine Unternehmen mit Krediten unter 100000 Franken bieten.

Gäbe es neben der Vergabe einer Banklizenz andere Möglichkeiten, PostFinance Zugang zum Kreditgeschäft zu verschaffen?
Voraussichtlich bis 2010 entscheidet das Parlament über das Postgesetz. Darin könnte festgehalten werden, dass PostFinance Kredite in der Schweiz vergeben dürfte. Das wäre eine gute Alternative.

Handy ersetzt den Postschalter

Das ist das neuste Angebot von PostFinance: Zahlungen via Handy. Bereits nutzen 4500 Kunden diese Dienstleistung. «Wir sind mit dem Start des Handy-Zahlungsangebots zufrieden», sagt PostFinance-Chef Jürg Bucher (61). 2009 folgt der nächste Ausbauschritt: Wer bei PostFinance ein Konto hat, kann via Handy Geld an andere Postkonti-Inhaber überweisen.

Wer per Handy bezahlen will, lässt sich bei PostFinance registrieren. Festgelegt wird eine monatliche Limite zwischen 250 und 3000 Franken, die für Zahlungen via Handy zur Verfügung steht. Danach können Kunden per SMS Angebote wie Kinogutscheine bestellen.

Die Güter liefert die Post nach Hause. Der Preis wird dem Postkonto belastet. Heute bieten 20 Firmen diese Dienstleistung an. Bis Ende Jahr ist das gratis. Ab 2009 wird Anbietern eine Umsatzgebühr von 5 Prozent verrechnet.  

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