Kurer entschuldigt sich

  • Aktualisiert am 02.01.2012
Ein Sorry für das «Missverständnis»: Peter Kurer, Verwaltungsratspräsident der UBS.- Keystone

ZÜRICH – Ein klare Kehrtwende: UBS-Chef Peter Kurer entschuldigt sich für seine Aussage über Boni in Millionenhöhe. Bundesrätin Widmer-Schlumpf hatte sich zuvor «erschüttert» gezeigt über Kurer.

Gestern Abend in der TV-Sendung «Arena»: Die stellvertretende Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf ist stocksauer, weil UBS-Boss Peter Kurer schon wieder von Millionen-Boni spricht. Heute kroch nun dieser zu Kreuze: Er habe sich in der Hitze des Gefechts zu unüberlegten Aussagen hinreissen lassen, entschuldigte sich Kurer in einem Interview mit Radio DRS.

Es sei zu Missverständnissen gekommen, sagte Kurer. Er empfinde Boni von 10 Mio. Fr. und mehr ebenfalls als «stossend». Solche Beträge habe er selbst nie verdient bei der UBS, sagte der Verwaltungsratspräsident.

Noch vor zwei Tagen hatte Kurer in einem Interview nicht ausschliessen wollen, dass auch in diesem Jahr Boni über 10 Millionen Franken an Manager ausbezahlt würden. Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hatte darauf in der TV-Sendung «Arena» gesagt, sie sei von Kurers Aussage «erschüttert». Dass Bonusentschädigungen ausbezahlt würden «in einem Moment, wo man so viel Geld in den Sand setzt, kann ich nicht akzeptieren», sagte die Magistratin.

Kurer verzichtet

Heute sagte Kurer, er könne die Reaktion der Bundesrätin nachvollziehen. Er selber habe ja im letzten Jahr auf einen Bonus verzichtet und werde das auch dieses Jahr tun. Und er werde auch keinen Bonus verlangen, «bis es der Bank wieder gut geht».

Kurer betonte, damit sei er der «erste Bankführer, der den eigenen Verzicht so klar gesagt hat.» Die Diskussion um Boni stelle ein Vertrauensproblem für die Bank dar. Deshalb müssten die Boni «drastisch» sinken.

Innerhalb der UBS würden die Anreiz-Systeme überarbeitet. «Wir sind intensiv daran», sagte Kurer. Die Entwicklung der letzten Wochen würden berücksichtigt, was den Druck auf die Boni zusätzlich verstärke.

Wink mit dem Zaunpfahl an Marcel Ospel

Zu den Gesprächen, die seine Bank über die Rückgabe von schon ausgezahlten Millionen-Beträgen führe, sagte Kurer, die Betroffenen seien «aufgefordert, sich zu überlegen, was sie beitragen können.»

Es gebe zwar keine rechtlichen Grundlagen für eine Rückforderung von Bonuszahlungen, doch stelle sich «die Frage der moralischen und ethischen Komponente». Er selber habe ein Zeichen gesetzt und erwarte nun, dass «auch andere ein Zeichen setzen». (SDA/bih)

Boni-Regelung unter Druck – Ospel soll haften

SP-Chef Christian Levrat will Marcel Ospel, den ehemaligen Präsidenten der UBS, zur Rechenschaft ziehen. Er beabsichtigt, an der nächsten Generalversammlung der Grossbank einen Antrag auf Haftungsklage zu stellen.

Er werde an der für Ende November geplanten ausserordentlichen GV eine solche Klage beantragen, sagte Levrat im «Tages-Anzeiger». Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. «Diese Leute sollen nicht einfach so davonkommen und weiter Golf spielen.»

Auch Swissmem-Präsident Johann Schneider-Ammann fordert, dass UBS-Topmanager, die die Krise der Bank mitverursacht haben, finanziell dafür einstehen. «Im Miminum sollten sie ihre seit den operativen Fehlleistungen erhaltenen Boni zurückzahlen», sagt er.

Gesetzliche Vorschriften zur Einschränkung von Boni gebe es nicht, sagte der Berner FDP-Nationalrat in der «Berner Zeitung». «Hier muss jetzt leider auch auf politischer Ebene etwas geschehen.» (SDA)

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