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Sechs Milliarden Franken schiesst der Bund ein. 54 Milliarden Dollar steuert die Schweizerische Nationalbank bei. Zusammen sind das pro Kopf der Bevölkerung 8800 Franken. Und pro Haushalt 19 700 Franken.
Zum Vergleich: Die Schweizer Haushalte zahlen im Durchschnitt 12 000 Franken Steuern im Jahr. Die öffentliche Hand hilft also der UBS mit einem Betrag, der dem Steueraufkommen der Haushalte in gut anderthalb Jahren entspricht.
Nun ist es nicht so, dass die vielen Milliarden sofort und unmittelbar zulasten der Steuerkassen gehen. Ein paar finanztechnische Kniffe verschieben die Abrechnung in die Zukunft. Dennoch schleckt es keine Geiss weg: Der Schweizer Steuerzahler steht ab sofort im
Risiko.
«Ich bin wütend», sagt der freisinnige Christian Wanner, Solothurner Finanzdirektor und Präsident der kantonalen Finanzchefs. «Es ist eine Katastrophe, dass der Staat einem derartigen Flaggschiff aushelfen muss.»
Alles hängt jetzt von der weiteren Entwicklung auf den Finanzmärkten ab. Und davon, ob die Wirtschaft – von Amerika über Europa bis nach Asien – bald wieder auf Trab kommt. Oder ob sie in eine schwere Rezession stürzt.
Im günstigsten Fall könnte das UBS-Notpaket der öffentlichen Hand sogar einen ansehnlichen Gewinn bescheren.
Hier das optimistische Szenario
• Die Verzinsung der Wandelanleihe zu 12,5 Prozent spült netto rund 600 Millionen Franken pro Jahr in die Bundeskasse.
• Der Wert der Wandelanleihe oder der damit bezogenen Aktien steigt. Hans Kaufmann, SVP-Nationalrat und Finanzexperte, rechnet zwar nicht mit einer Preisexplosion: «Die Banken, auch die UBS, werden nicht mehr derart hohe Gewinne erzielen wie früher.» Doch eine Verdoppelung des Werts ist denkbar.
• Die unverkäuflichen Anlagen, welche die UBS jetzt mit Hilfe der Nationalbank auslagert, werden mit Gewinn veräussert. Die erste Gewinnmilliarde geht an die Nationalbank. Jede weitere wird zwischen Nationalbank und UBS hälftig geteilt. Zehn Milliarden Gewinn – davon 5,5 Milliarden für die Nationalbank – liegen durchaus drin.
Macht, wenn man die Posten zusammenzählt, einen Gewinn für die öffentliche Hand, der in der Grössenordnung von 20 Milliarden Franken liegt. Das würde pro Kopf der Bevölkerung 2600 Franken bedeuten.
Gut möglich aber, dass nicht alles wie am Schnürchen läuft. Dass der Finanz-Tsunami sogar noch stärker wird und die reale Wirtschaft stark in Mitleidenschaft zieht. Dann wirds für den Schweizer Steuerzahler bitter.
Hier das pessimistische Szenario
• Die sechs Milliarden des Bundes reichen nicht, er muss nachschiessen. Hans Kaufmann nennt es das «Neat-Prinzip»: «Ist ein Tunnel mal zu einem Viertel gebaut, kann man nicht mehr zurück, nur vorwärts.»
• Die ausgelagerten Aktiven der UBS bleiben unverkäuflich oder können nur verramscht werden. Die Verluste bleiben bei der Nationalbank hängen. Diese muss die Ausschüttung an Bund und Kantone – 2,5 Milliarden pro Jahr – teilweise oder ganz streichen.
Läufts schlecht, drohen der öffentlichen Hand Verluste, die ohne weiteres 20 Milliarden Franken ausmachen könnten. Oder 2600 Franken pro Kopf.
Niemand weiss, welches Szenario eintritt. Vielleicht ein mittleres, eines, das weder Gewinne noch Verluste bringt. Aber sicher ist: Es ist jeder Schweizer Steuerzahler, der jetzt für die UBS bürgt, für die Grossbank geradesteht. Ein notgedrungenes Engagement, das mit einem erheblichen finanziellen
Risiko verbunden ist. Das sollte die UBS nie vergessen!